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Schlangen - giftige Artenvorkommen in der Türkei

  • Geschrieben von Website Editor
Schlangen – giftige Artenvorkommen in der Türkei

Gestern war es mal wieder soweit: Wir kamen mit dem Auto zurück aus der Stadt und fuhren auf das Grundstück als wir eine etwa 1,20 Meter lange, schwarze Schlange, durch uns aufgeschreckt, im Gebüsch verschwinden sahen.

Immer wieder einmal trifft man während des heißen Sommers eine sich in der Sonne ausruhende Schlange und immer wieder ist man ob ihres Anblicks fasziniert und ein wenig ängstlich zugleich.

Grund genug, sich einmal etwas mit den in der Türkei vorkommenden Arten zu beschäftigen.

54 Schlangenarten kategorisiert in der Türkei

Bisher bekannt und entsprechend kategorisiert sind in der Türkei 54 Schlangenarten beobachtet worden, die allerdings überwiegend ungiftig und daher für den Menschen als ungefährlich eingestuft werden. Dies gilt für immerhin 38 Arten. Die übrigen 16 Arten sind allerdings nicht ganz ohne, sieht man von drei Arten ab, die als halbgiftig eingestuft werden.  Alle diese Arten tauchen allerdings sehr selten in besiedelten Gebieten auf, so das die Gefahr eines Schlangenbisses mit schwerwiegenden Folgen relativ gering ist.


Überhaupt sollte man, da es natürlich auch giftige Schlangen in anderen Erdteilen gibt, grundsätzlich die eigentlich „natürliche“ Vorsicht in unserer technisierten Welt walten lassen und nicht ohne Beinbekleidung und festes Schuhwerk durch Natur belassenes unbesiedeltes Gelände streifen. In der Regel nimmt jede Schlange, die das Nahen eines Menschen an den Erschütterungen im Boden wahrnimmt, sofort reiß aus, sobald sich ein Mensch nähert. Menschen passen nun einmal nicht in das Futterschema einer Schlange. Von welcher immenser Bedeutung im Haushalt der Natur Schlangen allerdings sind, hat man über Jahre in Indien erfahren müssen, als es zuhauf Rattenplagen gab nachdem die Kobras fast ausgerottet waren. Dies gilt natürlich auch in der Türkei; also sollte man sich grundsätzlich eher positiv über die Anwesenheit von Schlangen äußern.

Drei der in der Türkei heimischen Schlangenarten gelten als besonders giftig:

-    Die Asiatische Bergotter (Montivipera xanthina), die etwa 80 cm bis 1,20 Meter lang wird und im Türkischen mit Şeritli Engerek bezeichnet wird.
-    Die Europäische Sand- oder Hornotter (Montivipera ammodites), die bis zu max. 1 Meter lang wird und im Türkischen mit Boynuzlu Engerek bezeichnet wird.
-    Die Levanteotter (Macrovipera lebetina), die max. 2 Meter lang wird und im Türkischen mit Koca Engerek bezeichnet wird. Diese Art steht wegen ihrer Seltenheit unter Naturschutz!!

Die folgenden Arten werden als giftige Arten eingestuft:

-    Albizona Bergotter (Montivipera albizona), die etwa 50 – 70 cm lang wird.
-    Taurische Bergotter (Montivipera bulgardaghica), etwa 50 – 60 cm lang.
-    Kurdische Viper (Montivipera Raddei), die etwa 1 Meter lang wird und im Türkischen mit Ağrı Engereği bezeichnet wird
-    Wagners Bergotter (Montivipera wagneri), die zwischen 50 und 90 cm lang und im Türkischen mit Vagner Engereği bezeichnet wird.
-    Barans Viper (Vipera barani), die bis zu 55 cm lang und im Türkischen mit Baran Engereği bezeichnet wird.
-    Kaukasusotter (Vipera kaznakovi), die etwa 60 – 80 cm lang und im Türkischen mit Kafkas Engereği bezeichnet wird.
-    Pontische Viper (Vipera pontica), die etwa 50 – 60 cm lang und im Türkischen mit Çoruh Engereği bezeichnet wird.
-    Wiesenotter (Vipera anatolica), ebenfalls 50 – 60 cm lang und im Türkischen mit Anadolu Küçük Engerek bezeichnet wird
-    Armenische Wiesenotter (Vipera erivanensis), ebenfalls 50 – 60 cm lang und im Türkischen mit Küçük Engerek bezeichnet wird.
-    Wüsten Kobra (Walterinesia aegyptia), die etwa 1,00 – 1,30 Meter lang und im Türkischen mit Çöl Kobrası bezeichnet wird.

Als relativ harmlos gelten die drei folgenden halbgiftigen Arten:

-    Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus), die etwa 1,80 Meter bis zu 2,00 Meter und im Türkischen mit Çukurbaşlı Yılan bezeichnet wird.
-    Europäische Katzennatter (Telecopus fallax), die etwa 70 – 80 cm lang und im Türkischen mit Kedi Gözlü Yılan bezeichnet wird.
-    Schwarze Katzennatter (Telescopus nigriceps), die maximal 70 cm lang und im Türkischen ebenfalls mit Kedi Gözlü Yılan bezeichnet wird. 

Schlangengifte oder Toxine

Es gibt sehr verschieden wirkende Giftstoffe (Toxine), mit denen Schlangen ausgestattet sind. Dabei besitzen viele Schlangen 2 oder mehr dieser Gifte, wenn auch in verschiedenen Konzentrationen. Sie seien an dieser Stelle kurz aufgeführt und erläutert:
•    hämorrhagisch wirkende Gifte 
Derartige Gifte führen zu einer schnellen Zerstörung der Membran der kleinsten Blutgefäße (Kapillaren), sodass die Zelle für Flüssigkeiten und damit auch für Blut durchlässig wird. Dies tritt vor allem in der Umgebung der Bissstelle auf. Gleichzeitig kommt es zu großen Ödembildungen, was zu Blasenbildungen und Unterblutungen der Haut führt. Die Folge daraus sind ausgedehnte Nekrosen. Unter einer Nekrose versteht man das Zugrundegehen von Gewebe. Die Ödembildung kann so stark sein, dass sich bis zu 2 Liter Flüssigkeit darin ansammeln kann. Diese Giftwirkungen sind für viele Grubenottern (Klapperschlange) wie für Viperngifte typisch.

•    kardiotoxisch wirkendes Gift 

Diese Gifte wirken auf den Herzmuskel und/oder das Reizleitungssystems des Herzens. Die Ursache dieses, vor allem bei den Elapiden (Giftnattern - z.B. die echten Kobras) vorkommenden Giftes, ist eine Störung des Elektrolythaushaltes beispielsweise durch die Freisetzung von Natrium und Kalium.

•    die Blutgerinnung beeinflussendes Gift 

Diese Gifte beeinflussen die Blutgerinnung, was bis zu einer völligen Ungerinnbarkeit des Blutes führen kann. Dieser Zustand wird in der Medizin als Verbrauchskoagulation bezeichnet und ist lebensbedrohend. Dabei kann dieser Effekt Tage und sogar einige Wochen andauern.

•    die Muskulatur zerstörendes Gift 

Proteasen beispielsweise führen zu einer Spaltung von Proteinen und Eiweißen und führen daher beispielsweise zur Auflösung der quer gestreiften Muskeln mit schwersten Nekrosen. Eine große Rolle bei diesen die quer gestreifte Muskulatur zersetzenden Prozessen spielt die Phospholipase A2. Dabei beginnt sich, als ein auch für den medizinischen Laien gut erkennbares Symptom, der Urin auf Grund der starken Freisetzung von Myoglobin (nicht Hämoglobin) dunkelbraun zu färben.

•    Kreislauf beeinflussendes Gift 

Derartige Substanzen haben einen starken Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem und können zu einem extremen Blutdruckabfall führen.

•    neurotoxisch wirkendes Gift 

Neurotoxisch wirkende Substanzen führen zum Ausfall bestimmter peripherer und nicht zentraler Nervenfunktionen, so z.B. bei den Überträgersubstanzen in den Synopsen, den winzigen Spalten zwischen zwei Nerven oder zwischen Nerven und Muskeln.

Allgemein gelten folgende Verhaltensregeln

•    unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert.
•    die gebissene Extremität ruhig stellen, den gebissenen Arm in eine Schlinge legen und das gebissene Bein möglichst schienen.
•    sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
•    die Schlange identifizieren, und wenn möglich, töten und das Tier mit zu dem behandelnden Arzt nehmen
•    darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, z.B. an der Bissstelle oder, bei neurotoxischen Vergiftungen, Lähmungen oder auch eine Augenstarre.
•    die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser und nicht als Alkohol oder Kaffee.
•    alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt.
•    sollten Atembeschwerden auftreten, kann das Leben über viele Stunden mittels einer Mund – zu - Mundbeatmung erhalten bzw. verlängert werden.
•    das Aussaugen oder Ausbrennen der Bissstelle hat sich absolut nicht als sinnvoll erwiesen
•    das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung, da es z.B. bei durch das Gift bedingten Gerinnungsstörungen zu unkontrollierten Blutungen kommen kann.
•    auch das Kühlen mit Eis hat sich als wirkungslos und teilweise sogar als schädlich erwiesen. Durch starkes Kühlen können durch das Gift sich bildende Gewebenekrosen verstärkt werden und es kann in der Folge zu Durchblutungsstörungen kommen.

Im Bild die Sinai Wüstenkobra

Die Sinai Desert Cobra erreicht in der Regel eine Länge von 90 bis 120 cm. Die Grundfärbung der deutlich glänzenden Schuppen variiert von einem einfarbigen Dunkelbraun bis Schwarz. Diese Schlange ist fast ausschließlich in der Dämmerung und Nacht aktiv, wohingegen sie sich am Tage an sonnengeschützten Orten versteckt. Da sie meist unterirdisch lebt, kommt die Schwarze Wüstenkobra nur sehr selten mit Menschen in Kontakt. Erschreckt man sie, rollt sie sich zusammen und hält den Kopf unter den Körperschlingen versteckt. Fühlt sie sich jedoch bedroht, folgen ein lautes Zischen und meist mehrere Bisse zur Verteidigung. Durch das schlechte Sehvermögen verlässt sie sich bei der Jagd fast ausschließlich auf ihren Geruchssinn.

Die Gesamtverbreitung der Gattung Walterinnesia erstreckt sich über folgende Länder bzw. Staaten: Ägypten, Irak, Iran, Israel, Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien, Syrien und die Türkei.

Photo of Sinai Desert Cobra thankfully taken from Trisha Shears

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