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Wildpferde auf dem Karadag in der Provinz Karaman

  • Geschrieben von Portal Editor
Wildpferde auf dem Karadag in der Provinz Karaman

Wir waren sehr erstaunt von einigen Herden von Wildpferde zu hören, als wir im Rahmen einer Tour am Berg Karadag unterwegs waren, einem der drei Vulkanberge, die einst zur Entstehung von Kappadokien beigetragen hatten.

Das Plateau bei Karaman liegt bereits bei etwa 700 Metern über dem Meer, der Karadag selbst mehr als 2.500 Meter in seinen Gipfeln. Die Wildpferde leben auf etwa 2.000 Meter Meereshöhe. Irgend jemand im Ort hatte erzählt, das mit dem Einsetzen von Traktoren für die Landwirtschaft die Vorfahren der heutigen Pferdeherden durch hiesige Bauern ausgesetzt worden waren. Wir können uns dieser Mythologie beim besten Willen nicht anschließen, da gerade die Bauern der Umgebung sicherlich nach anderen Möglichkeiten gesucht hätten, um "Wertschöpfung" aus den Pferden zu ziehen. Eher wahrscheinlich sind Ursprünge aus mittelalterlichen Zeiten, wo Pferde während der häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen auch schon einmal verloren gingen und dann über Jahrhunderte unbeachtet auf den Berghöhen eine neue Heimat fanden. Heute sind mehrere Gruppen von wilden Pferden am Karadag unterwegs, die hier auf großer Höhe die Landschaft beleben.

Wildpferde sind heute, unabhängig davon wo auf der Welt sie leben, immer wichtiger geworden und das nicht nur als ein Symbol von Freiheit und Ursprünglichkeit: in Zeiten von Überzüchtung werden wir sie als Genpool in nächster Zukunft sicherlich noch dringend benötigen. Die heutige Pferdezucht (ähnlich der Rinder-, Schweine-, Hunde- und Katzenzucht),  aus der auch unsere heutigen domestizierten Hauspferde stammen, ist darauf ausgerichtet Pferderassen in bestimmte Ausrichtungen zu züchten: manche Pferderassen sollen besonders schnell, mit langen Beinen versehen, dazu temperamentvoll, andere eher klein, gutmütig und kinderfreundlich sein.

So werden im Laufe der Züchtung gewisse Erbmerkmale immer weiter ausgeprägt, während andere immer mehr verloren gehen. Bei den verloren gegangenen Erbmerkmalen handelt es sich häufig um die Charakteristika, die die Ursprünglichkeit des Pferdes darstellen. Natürliche Verhaltensweisen wie bestimmte Instinkte oder auch die einfach robustere Gesundheit werden dem Pferd also immer fremder!

Daher wird es in Zukunft sehr wichtig sein genau diese Merkmale wieder in unsere Hauspferde hinein zu züchten – der Zeitpunkt also, wo die Wildpferde bzw. deren Genpool wieder eingesetzt werden. Werden diese Pferde mit ihren ursprünglichen und natürlich geprägten Merkmalen mit unseren Hauspferden gekreuzt, so werden ihre Merkmale auch wieder eingezüchtet. Auf diese Weise werden unsere Pferde ihrem eigentlichen Wesen wieder ähnlicher, was sowohl für sie, als auch für den Nutzer ein echter Vorteil wäre!

Hinzu kommt auch noch der folgende Punkt: die Tiere am Karadag wie auch in anderen Regionen, leben in Familienherden und sind gänzlich auf sich allein gestellt. Weder Hufschmied noch Tierarzt sind je an diese Pferde heran gekommen: dadurch haben kranke und schwache Tiere nicht überlebt und eine natürliche Selektion hat statt gefunden. Durch diese haben nur die robusten Pferde überlebt und ihre Erbmerkmale immer weiter gegeben. Aus diesem Grund besteht die Herde heute fast nur noch aus starken und resistenten Tieren, die wirklich alleine in der freien Wildbahn überleben können.

Das Gebiet der Wildpferde am Karadag ist riesig groß und ungefährdet, sodass sich die Pferde auf mehreren tausend Hektar ausbreiten konnten. Doch wie es überall auf der Welt, wird auch der Lebensraum der Pferde nicht verschont: in Zeiten einer sich immer weiter ausbreitenden Urbanisierung wurden auch diese Pferde in ihrem Lebensraum immer weiter eingeschränkt.

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