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Renaturierungsflächen locken auch Biber zur Donau Insel

  • Geschrieben von Portal Editor
Donau Insel Wien - Renaturierungsflächen locken auch Biber an

Über die künstliche Donauinsel, die zum Schutz vor Hochwasser in der Stadt Wien vor einigen Jahren errichtet worden war, um möglichst riesige Überflutungsflächen im Falle von Hochwasser zu schaffen, hatten wir ja schon berichtet.

Hier vor Ort ist allerdings eine Kombination geschaffen worden, die eine vorzeigbare Lösung für naturnahe Erholungsfläche und Rückzugsraum für Wasservögel und Amphibien aller Art parallel bietet, ja selbst noch Großveranstaltungen möglich sind, ohne das empfindliche Gleichgewicht nachhaltig zu stören.

Wenn es dann mit Hilfe der Infrastruktur in Form von Rad- und Wanderwegen auch noch gelingt, diese Gebiete für Radler und Wanderer so zu erschließen, das sowohl für die Stadtbewohner Wiens als auch für den Reisetourismus interessante ortsnahe Ziele entstehen, kann man das Projekt als sehr gelungen bezeichnen. Wir waren mehr als nur erstaunt, mit welch architektonischer Planungsleistung hier Kombinationen von Autobahnkreuzen und Radwege umgesetzt werden konnten, so das dies als beispielhaft bezeichnet werden muss. Wenn dann auch noch die Flussufer als Badestrände mit Restaurant und sonstigen Freizeiteinrichtungen integriert werden, gibt es ein breites Nutzerspektrum.

Wir wollten unseren jetzigen sommerlichen Spaziergang zur Donauinsel zunächst einmal nutzen, um die naturnahen Flächen zu erkunden, die zum dauerhaften Rückzugsraum für alle Arten von Wasservögeln und parallel auch zur Zwischenstation für Vögel auf dem Flug in den Süden geworden ist. Und Wasservögel sind längst nicht mehr die einzigen Bewohner der Donauinsel. Zunächst einmal ging es direkt zu den am Campingplatz Neue Donau befindlichen Radwanderweg, der uns abseits des Lärms und unterhalb des Autobahnkreuzes sicher auf die Donauinsel brachte. Schon nach etwa 20 Minuten hatten wir die naturnahen Flächen mit ihren Brack- und Flachwasserzonen erreicht, kleine Wasserläufe bilden hier eine natürliche Grenze für die Schutzgebiete. Schon bald stießen wir allerdings auch auf Spuren, die einen weiteren Siedler bedeuteten: Nagespuren des Bibers.

Biber ist ein semiaquatisches Säugetiere, das heißt ihr Lebensraum sind fließende und stehende Gewässer und deren Uferbereiche. An Land bewegt er sich aufgrund seines plumpen Körperbaus nur langsam. Sein Körperbau ist dem Leben im und am Wasser ausgezeichnet angepasst. Der Biber besiedelt Fließgewässer in allen Größenkategorien, vom Fluss erster Ordnung bis hin zum Entwässerungsgraben. Ebenso kann er alle Formen von Stillgewässern annehmen, vom Weiher oder Altwasser bis hin zum See. Stehen ihm nur mangelhafte Lebensräume zur Verfügung, zeigt sich der Biber mitunter sehr anpassungsfähig und siedelt sich auch an außergewöhnlichen Plätzen an, beispielsweise inmitten von Ortschaften oder direkt an Autobahnen, wie hier auf der Donauinsel in Wien, wo dann Gehölzpflanzungen nicht selten die wichtigste Nahrungsquelle darstellen.

Der Biber ist ein reiner Pflanzenfresser, er bevorzugt Kräuter, Sträucher, Wasserpflanzen und Laubbäume, wie Espen, Erlen und Pappeln. Von den von ihm gefällten Bäumen verzehrt er die Zweige, die Astrinde und die Blätter, was wir an mehreren Stellen entdecken konnten. Eigentlich ist er jedoch ein pflanzlicher Allesfresser, er ernährt sich auch von Gräsern und Schilf. Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv, kein Wunder also, das wir keinen aktiven Biber beobachten konnten. Beim Abholzen seiner Futterbäume verwendet er eine „Sanduhrtechnik“; dabei wird das Holz in Form einer Sanduhr benagt, bis der Baum fällt. Je nach Härte des Holzes kann ein Biber in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum fällen.

Im Biberrevier befinden sich in der Regel zwei bis vier (manchmal bis zu zehn) Wohnbauten unterschiedlichster Form. Der Eingang zum Wohnkessel ist immer unter dem Wasserspiegel, der Wohnkessel selbst liegt über Wasser. Der Wohnraum im Inneren kann einen Durchmesser bis zu 120 Zentimeter und eine Höhe bis zu 60 Zentimeter erreichen. Ist die Uferböschung steil genug, gräbt sich der Biber eine Höhle hinein und vernetzt sie mit so genannten Biberröhren. Das können Fressröhren, Fluchtröhren und Spielröhren sein. Befindet sich im Biberdamm oder in einem inselartigen, vollständig von Wasser umgebenen Bauwerk aus geeignetem Baumaterial ein Wohnbau, spricht man von Biberburg. Fällt der Wohnbau trocken, wird er verlassen, da dann Feinde erleichterten Zugang haben.

Biber sind für ihre Dammbauten bekannt, mit denen sie Bäche aufstauen und sogar künstliche Teiche anlegen. Der Damm trägt primär dazu bei, einen Wasserstand über dem Eingang zum Wohnbau von möglichst 60 Zentimeter und einen sichernden Wasserbereich um die Burg herum zu gewährleisten. Biberdämme in fließenden Gewässern sind bei starken Regenfällen bedroht, fortgerissen zu werden. Biber können ihren Damm öffnen, um Hochwasser rascher ablaufen zu lassen und ihren Damm so zu schützen. Damit regulieren sie den Wasserstand ihres Gewässerbereiches und ermöglichen so, dass auch empfindlichere Wasserpflanzen im Teich gedeihen, welche dem Biber dann als Nahrung dienen können.

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