Eulen – faszinierende Geschöpfe der Nacht / Unsere zehn heimischen Eulenarten
Lautlose Flüge, schaurige Rufe und erstaunliche Fähigkeiten – Eulen gelten seit jeher als geheimnisvolle Wesen. Vor allem zur Balzzeit im Herbst und Spätwinter ist der unheimlich anmutende Gesang des Waldkauzmännchens zu hören.
Dank seines dichten, samtartigen Gefieders und der kammartigen Flügelspitzen kann er nahezu lautlos auf die Jagd nach Mäusen gehen. Dr. Manuela Merling de Chapa, Greifvogel-Expertin bei der Deutschen Wildtier Stiftung, erklärt die spannendsten Eigenschaften heimischen Eulen:
Viele Eulenarten nähern sich ihrer Beute nahezu geräuschlos.
Möglich macht dies das besondere Gefieder vieler Eulenarten: Kammartige Strukturen an den Flügelvorderkanten, samtige Federoberflächen und weiche Federkanten reduzieren die Fluggeräusche auf ein Minimum.
Dieser nahezu stumme Flug erlaubt es den Vögeln nicht nur, sich unbemerkt anzunähern, sondern auch das zarteste Rascheln ihrer Beutetiere wahrzunehmen.
Auf dem Speiseplan von Eulen stehen vor allem Mäuse, aber auch Vögel und Insekten.
Ihre Rufe dienen der Kommunikation unter Artgenossen.
Ab Ende Oktober und den ganzen November sind die Rufe der Waldkäuze besonders häufig zu hören. Damit markieren sie ihre Reviere und versuchen Partner anzulocken. Den typischen, langgezogenen Ruf, vorwiegend des männlichen Waldkauzes, mit seinem „Huu-hu-huhuhuhuu“ empfinden viele als unheimlich.
Der „Ku-witt“-Ruf des weiblichen Waldkauzes ähnelt einem „Komm mit!“ und führte zu dem Aberglauben, er kündige einen nahenden Tod an. Auch mit Seuchen und Feuersbrünsten wurden Eulen in Verbindung gebracht und aus diesem Aberglauben lange verfolgt und getötet.
Tatsächlich dienen die Rufe schlicht der Kommunikation unter Artgenossen.
Eulen sind Kopf-Akrobaten.
Eulen können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Der Grund dafür sind ihre Augen, die fest in den Augenhöhlen verankert und daher kaum beweglich sind.
Eine äußerst bewegliche Halswirbelsäule und flexible Blutgefäße gleichen diese Einschränkung perfekt aus.
Durch diese Kopf-Akrobatik können die Tiere Gefahren wie auch Beutetiere blitzschnell wahrnehmen. Dass Eulen ihren Kopf komplett um 360 Grad drehen können, gehört jedoch ins Reich der Mythen.
Gewölle hinterlassen Spuren der Beute.
Kleinere Beutetiere wie Singvögel oder Feldmäuse werden von Eulen oft im Ganzen verschlungen. Unverdauliche Bestandteile wie Knochen, Schädel und Fell werden später als sogenannte Gewölle ausgewürgt. Für Wissenschaftler bieten sie wertvolle Einblicke in den Speiseplan der Eulen und die Artenvielfalt im jeweiligen Lebensraum.
Nicht jede Eule ist eine Nachteule.
Die meisten der zehn heimischen Eulenarten sind nacht- oder dämmerungsaktiv, aber keineswegs alle.
Die in Deutschland seltene Sumpfohreule beispielsweise ist nicht nur in der Dämmerung, sondern regelmäßig auch tagsüber auf der Jagd zu beobachten.
Dabei sucht sie im niedrigen Flug offene Landschaften wie Feuchtwiesen und Moore nach Beute ab. Auch der Sperlingskauz, Deutschlands kleinste heimische Eule, ist im Tageslicht aktiv.
Zehn heimische Eulenarten:
Vom Schreckgespenst zum Sorgenkind: Eulen im Artenschutz
Während Eulen früher häufig aus Aberglauben verfolgt wurden, sind die heutigen Bedrohungen menschengemacht: Lebensraumverlust, fehlende Bruthöhlen, Nahrungsmangel durch intensive Landwirtschaft, der Straßenverkehr und Störungen an Brutplätzen setzen den Tieren zu. In Deutschland brüten zehn Eulenarten, deren Bestände sich sehr unterschiedlich entwickeln. Während einige Arten bereits von Schutzmaßnahmen profitieren, sind andere weiterhin auf gezielte Unterstützung angewiesen.
- Uhu – Erfolgreiche Rückkehr: Deutschlands größte Eule war durch intensive Verfolgung fast ausgerottet. Dank gesetzlichem Schutz und erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekten haben sich die Bestände in vielen Regionen erholt – ein Paradebeispiel für gelungenen Artenschutz.
- Steinkauz – Auf Kulturlandschaften angewiesen: Der Steinkauz benötigt neben Höhlenbäumen und alten Streuobstwiesen auch kurzrasige, extensiv genutzte Nahrungsflächen. Der Erhalt und die Pflege dieser Lebensräume sowie spezielle Nisthilfen sind entscheidend für sein Überleben.
- Schleiereule – Typischer Gebäudebrüter: Sie nutzt Nischen in Scheunen und Kirchtürmen als Nistplätze. Durch Gebäudesanierungen gehen diese Nischen verloren. Der Erhalt von Zugängen und das Anbringen fachgerechter Nistkästen helfen der Art.
- Habichtskauz – Hoffnungsvolle Wiederkehr: Nachdem er vor langer Zeit aus Deutschland verschwunden war, zeigen Wiederansiedlungsprojekte (z. B. im Bayerischen Wald) erste Erfolge. Die Art benötigt alte, strukturreiche Wälder mit geeigneten Nistgelegenheiten.
- Waldkauz – Anpassungsfähiger Waldbewohner: Als häufige Eulenart Deutschlands besiedelt der Waldkauz Wälder, Parks und Gärten. Er brütet überwiegend in größeren Baumhöhlen und profitiert besonders vom Erhalt alter, höhlenreicher Baumbestände. Als vergleichsweise anpassungsfähige und derzeit nicht gefährdete Art ist er weniger auf gezielte Artenhilfsmaßnahmen angewiesen als viele andere Eulenarten.
- Waldohreule – Zwischen Wald und Offenland: Anders als ihr Name vermuten lässt, jagt die Waldohreule vor allem auf offenen Wiesen, Weiden und Feldern nach Mäusen. Zur Brut nutzt sie meist alte Krähen- oder Elsternester in Feldgehölzen, Baumgruppen und an Waldrändern. Besonders wichtig für ihren Schutz sind strukturreiche Offenlandschaften mit einem ausreichenden Kleinsäugerangebot und geeigneten Brutgehölzen.
- Raufußkauz – Spezialist alter Wälder: Der Raufußkauz nutzt vor allem verlassene Schwarzspecht-Höhlen als Brutplätze und besiedelt bevorzugt strukturreiche Nadel- und Mischwälder. Der Erhalt von Spechthöhlen, geeigneten Waldbeständen und offenen Jagdflächen mit ausreichend Kleinsäugern ist für seinen Schutz besonders wichtig.
- Sperlingskauz – Klein, aber furchtlos: Deutschlands kleinste Eule erbeutet neben Mäusen auch Kleinvögel und kann dabei sogar Beutetiere von nahezu eigener Körpergröße überwältigen. Der Sperlingskauz benötigt strukturreiche Nadel- und Mischwälder mit ausreichend Deckung, geeigneten Jagdflächen und kleinen Spechthöhlen. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung trägt zum Erhalt seiner Lebensräume bei.
- Sumpfohreule – Vom Aussterben bedrohte Bodenbrüterin: Die Sumpfohreule gehört zu den seltensten Brutvögeln Deutschlands und brütet vor allem in offenen Mooren, Feuchtwiesen und Küstenlebensräumen direkt am Boden. Wiedervernässung, angepasste Grünlandbewirtschaftung und der Schutz vor Störungen und Gelegeverlusten sind entscheidend für ihren Erhalt.
- Zwergohreule – Wärmeliebender Neuling: Die Zwergohreule ist ein noch seltener Brutvogel in Deutschland. Sie ernährt sich überwiegend von größeren Insekten. Der Erhalt alter Streuobstwiesen, höhlenreicher Bäume und insektenreicher, extensiv genutzter Landschaften kann die Ansiedlung begünstigen.
Jenifer Calvi / Pressereferentin
Deutsche Wildtier Stiftung
Lucy-Borchardt-Straße 2
20457 Hamburg
Telefon 040 970 78 69-14
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