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Zunderschwamm - Baumpilze im Schlosspark Falkenstein

  • Geschrieben von Portal Editor
Zunderschwamm - Baumpilze im Schlosspark Falkenstein

Während unserer Wanderung durch den Schlosspark Falkenstein war uns, neben den wirklich imposanten Steingebilden und den fast natürlich anmutenden Pfaden, auch das viele Totholz des Parks aufgefallen, dass als natürlicher Lebensraum für Pflanzen und Insekten nicht aus dem Park entfernt wird und damit auch ein wunderbarer Nährboden für vielfältige Pilzarten, insbesondere der Baumpilze, darstellt.

Geradezu ein Paradies für Baumpilze aller Art. Uns hatte es der Zunderschwamm besonders angetan, da er sich an einigen Bäumen fast in Form einer Treppe angesiedelt hatte, die fast schon zum Besteigen der Bäume einlud (was wir natürlich nicht getan haben, allein schon um die Pilze nicht zu schädigen). Die Oberflächen der Fruchtkörper des Zunderschwamms war so fest und hinterließ einen derart stabilen Eindruck, das dieser Vergleich als durchaus treffend zu bezeichnen war.

Baumpilze nutzen das abgestorbene Holz als Nährboden

Zu der Gruppe der Baumpilze zählen im weitesten Sinne alle Pilzarten, die Hölzer besiedeln und als Nährboden zum eigenen Leben benutzen, wobei der Baum entweder schon abgestorben ist oder im Absterben begriffen ist. Dabei beziehen die Pilze über ihr Myzel Gewebe die Nährstoffe direkt aus dem Holz, indem sie verwertbare Stoffe durch spezifische, pilzeigene Enzyme abbauen. Ein Prozess, der landläufig auch mit Fäule bezeichnet wird. Grob unterscheidet man zwischen Pilzen die Braunfäule und Pilzen die Weißfäule erzeugen. Grundsätzlich allen Pilzen zueigen ist das feine Myzel Gewebe, mit dem der Baum durchwirkt ist, bevor sich die ersten Fruchtkörper zeigen. Der eigentliche "Pilz" befindet sich im Innern des Baumes, ähnlich verhält es sich mit fast allen Waldpilzen, wo auch nur der Fruchtkörper oberirdisch zu sehen ist.

Braunfäule zersetzt die Holzsubstanzen

Die so genannte Braunfäule kann alle Holzsubstanzen außer Lignin zersetzen, während die Weißfäule gerade das Lignin besonders abbaut. Die Braunfäule zersetzt im wesentlichen die Polysacharide, hier vor allem die Zellulose im Holzaufbau und zerstört damit die Faserstruktur, wodurch sich das Holz zunächst verfärbt und dann brüchig wird, es kommt zum so genannten Würfelbruch. Bis zu 80% des Holzes wird von den Pilzen hierbei zersetzt, bzw. von ihnen durch Umwandlung als Nährstoff genutzt. Der Ligninanteil bleibt unberührt von der Braunfäule, allerdings trocknet das Holz fast komplett aus.

Lignin ist der Klebstoff zwischen den Holzzellen

Das Lignin bildet den so genannten Klebstoff zwischen den Holzzellen, der besonders stabil ist, weshalb die Weißfäule auf andere Energie erzeugende Prozesse im Zersetzungsablauf zusätzlich angewiesen ist. Die Reihenfolge der Zersetzungsprozesse im Holz ist dabei durchaus unterschiedlich, auch in Abhängigkeit zur Art der vorhandenen Pilze. So beginnt bei Vorhandensein des Echten Zunderschwammes unmittelbar auch der starke Abbau des Lignins. Das Holz zerfasert und verfärbt sich fast weiß. Die zurückbleibenden Polysacharide, hier wiederum vor allem die Zellulose, sorgen für starkes Quellen des Holzes durch Aufnahme von Wasser. Auch ein Austrocknen ist dann nicht mehr möglich, die Zersetzung des Holzes erfolgt zu fast 100%.

b_450_450_16777215_00_images_leben_flora_baumpilze_falkenstein_buche.jpgViele Baumpilze zeigen ihre Fruchtkörper nur während einer einzigen Vegetationsperiode, andere wiederum zeigen dem Holz vergleichbare Zuwachsringe, so dass man sie zunächst fast mit Holzkrankheiten wie z.B. Wucherungen verwechseln kann. Der Zunderschwamm zählt zu den harten Baumpilzen, er bildet mehrjährige Fruchtkörper, die manchmal auch recht deutliche Zuwachszonen an der Unterseite und an der Vorderkante zeigen. Überwiegend findet man ihn an Buchen oder Birken.

Frühzeitiges Feuerzeug - die Mittelschicht des Schwammes wird zu Zunder verarbeitet

Der Name Zunderschwamm basiert auf Erkenntnissen, die bis in das Neolithikum zurück reichen, denn die locker-filzige Mittelschicht des Pilzes, das so genannte Trama, wurde zu Zunder verarbeitet. Mit dem Auffinden des Gletschermannes "Ötzi" wurden auch Zunderreste gefunden, die er zum Feuermachen mit sich führte. Im Westen gab es aufwendige Verfahren das Trama mittels Einweichen, Kochen, Klopfen und in Salpetersäure einlegen und trocknen zur Herstellung einer filzartigen Masse, die durch auftreffende Funken sofort zu Glimmen begann. Eine Art frühzeitiges Feuerzeug. Noch heute wird das Trama (Hyphenschicht) des Zunderschwammes in Rumänien zur Herstellung von Hütten oder Kappen genutzt.

Nachfrage nach Zunderschwamm führt zu Import aus Skandinavien

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde in Apotheken so genannter Wundschwamm als blutstillende Wundauflage unter der Bezeichnung "Fungus chirurgorum" verkauft. Die Nachfrage nach den Zunderschwämmen war in dieser Zeit so hoch, dass der Pilz zeitweise aus Skandinavien, Böhmen und Ungarn importiert wurde und in einigen Gebieten Deutschlands zur Rarität wurde.

So sorgen diese interessanten Pflanzen mit den teilweise riesigen Fruchtkörpern nicht nur für interessante Fotos und fast Plastiken ähnliche Formen an absterbenden Bäumen, sie sorgten in der Vergangenheit für wärmendes Feuer und heute insbesondere auch für Zersetzung von Totholz im Kreislauf des Lebens.

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