Thermalquellen - eine Quelle zur Förderung der Gesundheit

Thermalquellen - eine Quelle zur Förderung der Gesundheit

Heiße und warme Quellen, auch Thermalquellen genannt, werden seit vielen Jahrhunderten in den verschiedenen Kulturkreisen für therapeutische Anwendungen genutzt, da sie oft reich an gelösten Mineralien verschiedener Zusammensetzung sind, weit stärker als dies bei kalten Quellen der Fall ist.

Bei den Indianern Nordamerikas waren heiße und warme Quellen zur Körperpflege bereits vor über 10.000 Jahren bekannt und fanden sogar als Heilstätten Verwendung. Der Jordansprudel in Bad Oeynhausen wurde  zwar erst im Jahr 1926 erbohrt, ist aber mit einer Tiefe von 725 m und einer Wasserausschüttung von 3000 l/min die größte kohlensäurehaltige Thermalsolequelle der Welt. Heiße Quellen führten oft zum Bau von so genannten Thermalbädern, was schon im alten Rom zur Entwicklung der umfassenden Bäderkultur geführt hatte.

Thermalquellen in Regionen erhöhter Vulkanaktivitäten

Generell treten Thermalquellen in Bereichen mit erhöhter vulkanischer Aktivität (z. B. in der Türkei, Griechenland, Italien, Japan, Taiwan, Island) und bzw. oder in der Nähe von tief reichenden Strömungssystemen (z. B. Aachen, Baden-Baden) auf. Das Wasser wird unterirdisch erhitzt, entweder durch vulkanische Aktivitäten oder indem das Wasser bis in tiefere Bereiche der Erde zirkuliert und sich dort entsprechend der geothermischen Tiefenstufe erwärmt. Dabei erreichen die heißesten Quellen Europas in Bad Blumau (Tiefbohrung) 107 °C, Bad Radkersburg (Tiefbohrung) 80 °C, Chaudes-Aigues (Frankreich, natürliche Quelle) 81,5 °C, Aachen (natürliche Quelle) 74 °C, in Karlsbad (natürliche Quelle) 72 °C und in Wiesbaden (natürliche Quelle) 66 °C.

Der Siedepunkt ist abhängig von der Meereshöhe

In vulkanogenen Gebieten ist die Wassertemperatur teilweise nahe dem Siedepunkt. Wobei generell zu beachten ist, dass der Siedepunkt von Wasser abhängig von der Meereshöhe (dem Luftdruck) und der Menge der gelösten Stoffe ist (siehe dort) und die oben angegebenen Wassertemperaturen mitunter untereinander nicht vergleichbar sind. Beim Aufstieg an die Erdoberfläche werden meist verschiedene Gase, wie beispielsweise Schwefel-Gase oder Kohlendioxid, freigesetzt.

Sinterabsätze an den Austrittsorten der Quellen

Am unmittelbaren Austrittsort von heißen Quellen sind häufig Sinterabsätze zu beobachten, die entsprechend der chemischen Struktur des Thermalwassers von weiß bis grau (Kalk), hellgelb, orange und braun (je nach Eisengehalt) bis schwarz (Mangan) gefärbt sein können. Darüber hinaus können in Abhängigkeit von bestimmten Wassertemperaturen

Auch Mikroorganismen siedeln sich an

Mikroorganismen wie Algen und Bakterien (zum Beispiel Cyanobakterien oder Thermus aquaticus) zu einer Verfärbung des Wassers bzw. der Sinterabsätze führen. Die Farbe, die durch viele solcher Kleinstlebewesen hervorgerufen wird, ändert sich von hellgelb über orange zu dunkelgrün. Thermalquellen sind generell artenarm. Grundsätzlich kann man sagen, dass „normale“ Wassertiere und -pflanzen bei Temperaturen von über 30 °C nicht dauerhaft überleben können. Thermalquellen werden daher von spezialisierten Lebensgemeinschaften besiedelt. Die Grenzwerte, bis zu denen sich spezialisierte Wasserorganismen an Hitze anpassen können, sind sehr unterschiedlich.

Heißes Wasser enthält außerdem wenig gelösten Sauerstoff, wohingegen die hohe Temperatur den Sauerstoffbedarf der meisten Organismen stark erhöht. Viele Organismen leiden daher an Sauerstoffmangel. Manche Arten lösen dieses Problem jedoch, indem sie zum Atmen auftauchen, wie etwa Wasserlungenschnecken oder Wasserkäfer.

Thermalquellen und der oftmals übel riechende Schwefelwasserstoff

Viele Thermalquellen enthalten außerdem gelösten Schwefelwasserstoff, der mit gelöstem Sauerstoff reagiert und somit den Sauerstoffgehalt weiter hinabsetzt. Für viele Organismen ist Schwefelwasserstoff darüber hinaus an sich schon giftig. Zahlreiche Bakterien (z. B. Beggiatoa arachnoidea, Thiotrix nivea) und manche Blaualgen (Spirulina sp., Oscillatoria chlorina) sind jedoch imstande, Schwefelwasserstoff nicht nur zu ertragen, sondern sogar als Energiequelle für ihr eigenes Wachstum zu benutzen. In schwefelhaltigen Thermalquellen kommen solche Organismen in der Regel massenhaft vor. Manche Grünalgen wie Cosmarium laeve können Schwefelwasserstoff zwar nicht nutzen, ertragen ihn aber und sind daher auch in Schwefelquellen zu finden. Vor diesem Hintergrund werden Hydrothermalquellen auch im Zusammenhang mit der Entstehung des Lebens auf der Erde diskutiert.

Im Ablauf einer Thermalquelle herrschen meist gemäßigte und viel günstigere Bedingungen. Das Wasser ist warm, aber nicht mehr heiß, durch die Bewegung mit Sauerstoff angereichert, und es gibt keine jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Man findet daher im Ablauf von Thermalquellen der gemäßigten Zone bisweilen Arten, die sonst nur in den Subtropen oder Tropen vorkommen. In der Thermalquelle in Baden bei Wien gilt das etwa für die Schnecke Physa acuta oder das Gras Cyperus longus.

Thermalquellen als Energielieferanten

Thermalquellen können auch als Energiequellen genutzt werden. Aus geothermaler Energie wird in Island beispielsweise über 50 Prozent der Primärenergie des Landes gewonnen. Die Bláa Lónið (dt. Blaue Lagune) ist eine künstliche heiße Quelle, die mit dem Abwasser eines Geothermalkraftwerkes gespeist wird. Sie ist eine beliebte Touristenattraktion auf der Reykjanes-Halbinsel.

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