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Izmir Kaffee Festival - Kaffeekultur wieder entdecken

  • Geschrieben von Portal Editor
Izmir Kaffee Festival - Kaffeekultur wieder entdecken

Der Kaffeegenuss kann auf eine lange Tradition zurück blicken, erfindet sich in den letzten Jahren sogar immer wieder neu. Gerade die Mischung aus Tradition und Moderne macht dieses Produkt zu etwas ganz besonderen.

Kein Wunder also, wenn sich auch in der Türkei, zumindest hinsichtlich des Kaffeegenusses etwas tut, nicht nur beim türkischen Mocca.

Das Wort "Kaffee" leitet sich vom altarabischen "qahwah" ab. Ursprünglich war damit einmal der Wein gemeint, der den gläubigen Moslems verboten ist. Die Türken nannten ihn "kahweh", was soviel wie Lebenskraft oder Stärke bedeutet. Wegen der anregenden bis leicht berauschenden Wirkung des Kaffees wurde dieser nun anstelle des vergorenen Traubensaftes zum "Wein des Islam". Vieles was man über den Kaffee hört, stützt sich auf Legenden und Mythen, weniger auf Fakten. Fest steht jedoch, dass die Pflanzengattung Coffea im tropischen Afrika entstanden ist und sich erst mit menschlicher Hilfe auf andere Kontinente ausbreiten konnte.  

So stammen die Wildformen der heute wirtschaftlich genutzten Coffea-Arten wahrscheinlich aus Afrikas, als Ursprungsgebiet der Art Coffea Arabica gilt gar das äthiopische Hochland. Robusta findet man wild wachsend vorrangig in Uganda in der Nähe des Victoria-Sees fast unmittelbar am Äquator und nicht so stark in der ausgeprägter Höhenlandschaft mit oftmals extrem feuchtwarmen Einflüssen.

Laut Berichten des Scheichs Gemaleddin, dem Mufti von Aden, aus dem Jahr 1454 hat es zu diesem Zeitpunkt bereits Frühformen der Kaffeeplantagen im Jemen gegeben. Wie aus Schriften hervor geht, betrieben die Jemeniten bereits im 14./15. Jahrhundert  großflächigen Kaffeeanbau. Wahrscheinlich haben sie damit bereits im 12./13. Jahrhundert begonnen. Denn nachdem die ersten Rückkehrer der Kreuzzüge mit Gewürzen nach Hause kehrten, entstand innerhalb kürzester Zeit ein florierender Handel mit Gewürzen, darunter auch Kaffee.

Dafür wurden neue Handelswege eingerichtet. Geschäftstüchtige Händler wollten die neu geschaffenen Handelsrouten noch weiter nutzen und waren auf der Suche nach neuen Produkten. Sie stießen dabei in Abessinien auf Arabica-Kaffee. Da die Kirschen schnell verdorben, versuchten die Händler aus dem Jemen in ihrer Heimat Kaffeepflanzen anzubauen. So entstanden die ersten Kaffeeplantagen. Wichtigster Umschlagsplatz in dieser Zeit wurde das jemenitische Hafenstädtchen Mokka oder Mocha. Aus dem Ortnamen leitete sich auch der Name des Getränkes ab.

Seit dem 15. Jahrhundert trinken die Araber Kaffee. Das belegt ein Manuskript von Abd-al-Kefir aus dem Jahre 1587, welches auf die mündlichen Überlieferungen von Aufzeichnungen eines Arabers namens Shihab-ad-Din basieren. Diese Aufzeichnungen existieren nicht mehr, werden aber gut 100 Jahre älter geschätzt als das Manuskript von 1587, welches heutzutage in Paris im Museum ausgestellt ist.

Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lässt sich der Siegeszug des Kaffees über die Grenzen Mokkas hinaus  kaum mehr stoppen. Über die Städte Mekka und Medina gelangt das Getränk nach Kairo und mit der Expansion des Osmanischen Reiches ab dem 16. Jahrhundert eroberte Kaffee Kleinasien, Syrien, Ägypten und das südöstliche Europa. Es entstanden vielerorts erste Kaffeehäuser.

Jahrelang hatte die arabische Welt, allen voran Jemen, das Monopol des Kaffeehandels. Um zu verhindern, dass Handelspartner auf die Idee kamen, selbst Kaffee anzubauen, wurden die rohen Bohnen mit heißem Wasser überbrüht. Dadurch wurden diese keimunfähig. Der Kaffeeanbau war lange Zeit ein regelrechtes "Staatsgeheimnis".

Im 17. Jahrhundert änderte sich das. Das arabische Kaffeemonopol fiel mit den Anfängen der Kolonialisierung. Zunächst waren es wohl Inder, die keimfähige Bohnen illegal in ihre Heimat brachten und Kaffeepflanzen züchteten. Im Jahr 1616 gelang es den Niederländern, Pflanzen zu entwenden, diese zu züchten und in ihre Kolonien zu bringen. Ab 1658 wurde somit auf Java und Sri Lanka Kaffee durch die holländischen Kolonialherren angebaut. Von da an zogen auch andere Staaten wie Frankreich und Großbritannien nach und der Kaffeeanbau expandierte schlagartig.

Zeitgleich eröffneten zahlreiche Kaffeehäuser in Europa und Nordamerika. Kaffee wurde zu einem wichtigen internationalen Handelsgut und erlangte als Importware eine große innenpolitische Bedeutung in Konsumländern. Die Österreicher sind ein gemütliches Volk. Das spiegelt sich auch in der Kaffeehaus-Kultur wider. Was in Bella Italia die Stehcafés sind, wo man quasi zwischen Tür und Angel, im Sprint-Tempo seine Espressi schlürft, da gibt es in Österreich und im Speziellen in Wien die international berühmt-berüchtigte Kaffeehauskultur. Diese gilt sogar als immaterielles UNESCO-Kulturerbe Österreichs.

Marmortischchen, auf denen der Kaffee serviert wird, Zeitungstischchen, Logen und die legendären Thonetstühle. All diese Details sind untrennbar mit der Wiener Kaffeehauskultur verbunden, und dieses Zitat trifft sprichwörtlich den Nagel auf den Kopf: „Das Kaffeehaus ist ein Ort, in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht.“ Es geht nicht um den schnellen Kaffee-Genuss, sondern um den Genuss mit einem Schuss Gemütlichkeit. Ob sich diese Kaffeekultur auch auf die heutige Türkei übertragen lässt?

Das Kaffee Festival in Izmir soll zumindest ein ernst gemeinter Ansatz sein, soviel wurde während des Besuchs klar. Neben den verschiedenen Kaffeesorten, der Produktion des Kaffees und der Aufbereitung wurde unterschiedliches Zubehör vorgestellt, das auf die bunte Vielfalt des Kaffeegenusses verwies. Zwar gibt es heute fast überall Filterkaffee zu kaufen, auch Kaffeemaschinen unterschiedlichster Hersteller, aber dies bedeutet noch lange nicht, das es eine Vielfalt in der Zubereitung des Kaffees gibt, von einer Kultur ganz zu schweigen, sieht man einmal vom türkischen Mocca ab. Aber schauen Sie selbst anhand der Bilder.

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