Struga - Schuhputzer und Brückenspringer an der Drin

Struga - Schuhputzer und Brückenspringer an der Schwarzen Drin

Nur noch selten trifft man in Europa auf einen in der Öffentlichkeit arbeitenden Dienstleister, der früher sehr verbreitet für sauberes Schuhwerk bei seinen Kunden sorgte: den Schuhputzer.

Wir waren entlang neuen Uferpromenade entlang der Drin unterwegs, als wir zunächst auf einige Jugendliche trafen, die sich durch Sprünge von der Brücke hinab in die Schwarze Drin zu erfrischen suchten. Wie zur Zeit in ganz Westeuropa sind auch hier in Struga die Temperaturen auf über 35° angestiegen, kein Wunder also, dass das kühle Nass verstärkt aufgesucht wird. Und am Rande bemerkt: in welchem Ort kann man heute aufgrund der exzellenten Wasserqualität noch im Fluss baden, der noch dazu mitten durch die Stadt fließt, beidseitig mit Restaurant und Straßencafes begleitet? So manch ein Restaurant-Gast nutzte die Schwarze Drin für ein erfrischendes Bad zwischendurch.

Schwarze Drin - Abfluss des Wassers aus dem Ohrid See

b_450_450_16777215_00_images_mazedonien_schuhputzer-2.jpgDie Schwarze Drin, die den Ohrid See entwässert, liegt hier in südwestmazedonische Kleinstadt Struga auf 695 m Höhe, fließt dann 149 Kilometer nordwärts durch die gebirgige Landschaft Westmazedoniens und Nordostalbaniens. Schon in Mazedonien passiert der Fluss zwei Stauseen, den Globočicasee und den Debarsee unmittelbar bei Debar. Kurz nach der großen Talsperre des Debarsees erreicht die Schwarze Drin die Grenze zu Albanien, die er für ein paar Kilometer bildet. Danach tritt er ganz auf albanisches Gebiet über. Der weitere Verlauf des Flusses in Albanien zieht sich nach Norden durch bevölkerungsarme, bergige und unwegsame Landschaften.

Natürlich ist das Springen von der Brücke nicht ganz ungefährlich, den Jungen schien der Spaßfaktor aber wichtiger zu sein. Und niemand schien etwas dagegen zu haben. Überhaupt war es erstaunlich zu sehen, wie viele der Gäste in den  Cafes am Ufer zwischendurch in das kühlende Ohrid Seewasser eintauchten, ein paar Züge schwammen, um dann zum Cafe zurück zu kehren.

 

 

Schutzputzer - der mobile Pflegedienst ist fast ausgestorben

b_450_450_16777215_00_images_mazedonien_schuhputzer-1.jpgDie dann folgende Begegnung auf der Brücke über die Schwarze Drin erinnerte dann doch an unsere Begegnungen in der Türkei, wo der Job des Schutzputzers in der Öffentlichkeit noch weit verbreitet ist. Noch bis in die 1920er und 1930er Jahre war der mobile Schuhputzer auch in Mitteleuropa weit verbreitet, heute trifft man nur noch vereinzelt auf ihn, so Beispielsweise auf Messen und anderen Events, wo er als Werbegag für Kunden eingesetzt wird. In vielen asiatischen Ländern wie z. B. auch in Indien ist die Tätigkeit hingegen auch heute noch verbreitet, leider oft auch als Kinderarbeit.

Dabei gibt es auch eine soziale Komponente in der Anwesenheit eines Schuhputzers in der Öffentlichkeit, denn vergleichbar der Arbeit eines Friseurs, hat die Arbeit eines Schuhputzers auch eine soziale Funktion der örtlichen Kommunikation. Eine Funktion, die heute fast immer völlig unterschätzt wird. Sicherlich wird man die Arbeit eines Schuhputzers nicht beschreiben müssen, seine kommunikative Präsenz und soziale Auswirkung dagegen ist nur wenig bekannt.

Die Ausübung der Arbeit eines Schuhputzers unter Zwang hatte oft nur zum Schein den Zweck einer Schuhpflege und dient sogar der Demütigung, verstärkt durch die gebeugte Haltung während der Arbeit. Beispiele dafür finden sich während der Nazi-Diktatur etwa in Konzentrationslagern oder in den besetzten Ländern.

Übrigens gilt als ältestes Foto, auf dem Menschen abgebildet sind, das Foto einer Straßenansicht aus dem Paris des Jahres 1838 von Louis Daguerre, auf dem ein Schuhputzer und sein Kunde abgelichtet worden sind.

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