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Morović - Kleinstadt an Bosut und Studva in Serbien

  • Geschrieben von Website Editor
Morović - verschlafene Kleinstadt an Bosut

Wie bereits im Text zum Weihnachtsmarkt von Alexandroupoli angesprochen, hatten wir uns für die erste Nacht unserer Rückreise von Österreich kommend in eine Pension in Morović eingebucht, die wir im Internet gefunden hatten.

Gleich die nächste Ausfahrt von der Autobahn Zagreb - Beograd, nach dem Passieren der Grenze zu Serbien, etwa 100 Kilometer westlich von Belgrad, brachte uns nach weiteren 4 Kilometern auf der kurvigen Landstraße zur Pension. Erstmals hatten wir die direkte Eingabe der Koordinaten in unser Navigationsgerät versucht und siehe da, die Angaben passten perfekt. 

Morović liegt an den beiden Flüssen Bosut und Studva, deren Quellen im benachbarten Kroatien liegen. Im Zentrum von Morović mündet die Studva in den Bosut, weiter Flussabwärts mündet der Bosut in den Fluss Sava. Schon nach Zagreb beginnen ausgedehnte Eichenwälder, die, forstwirtschaftlich genutzt, sich bis über die Grenze nach Serbien hinein, fortsetzen. So ist auch Morović ist von ca. 22.000 Hektar Wald umgeben, der hauptsächlich aus Stieleichen (auch Sommereiche oder Deutsche Eiche genannt) besteht und zum Einsatz im Möbel- und Innenausbau kommt.

Schon mit verlassen der Autobahn hatten wir auf der Landstraße den relativ dichten Nebel bemerkt, so war uns nicht klar gewesen, das wir auf einer Art Damm gefahren waren, der den Fluss Bosut begleitet. In Morović angekommen, überquerten wir den Fluss um zur Pension zu gelangen. Hier angekommen, hatten die Pensionswirtsleute tatsächlich auch Zimmer und Bad vorgeheizt, so dass wir die Räumlichkeiten sehr gut nutzen konnten. Erst am kommenden Morgen stellten wir fest, dass die Pension direkt am Flussufer liegt und sogar über einen Bootssteg verfügt. Allerdings war der Fluss am Morgen komplett mit einer dünnen Eisschicht überzogen.

Unsere Recherche zu Morović hatte ergeben, dass es sich um eine sehr alte Ansiedlung handeln muss, was auch archäologischen Forschungen bestätigte, die in der Umgebung des Dorfes Spuren des urgeschichtlichen Lebens ausfindig gemacht hatten. Aus den späteren Zeiten wird die Entdeckung eines römischen Friedhofs und einer größeren Menge römischen Silbergeldes aus der Mitte des dritten Jahrhunderts genannt, auch die Ruinen eines römischen Bads soll es in Erdevik geben. Einer der späteren Mitbegründer des Ortes soll der serbische Despot Stefan Štiljanović im 1498 gewesen sein, der Morović als seine Residenz nutzte, bis er auf der Flucht vor den Ottomanen in sein neues Exil nach Baranya vertrieben wurde. Während unserer nächsten Reise entlang des ehemaligen Autoput werden wir dies genauer recherchieren. Weitere archäologische Fundstätten sind u.a. Gradina auf dem Bosut, das Grab von Filip Višnjić in Višnjićevo sowie die Reste des römischen Bades mit Heilwasser in Erdevik, Memorial Komplex "Sremski Front". Die bekanntesten Klöster der Umgebung sind in Privina glava, Kirchen in Molovin und Morović, Šid, Berkasov zu finden.

Eine der interessantesten Legenden zu Morović besagt, dass der Heilige Kyrill (Kyrill und Methodius) als Erzbischof von Pannonien eine Zeit lang in Morović gelebt hat.  Historiker vermuten, dass Morović den Namen von der uralten feudalen Familie Morovic übernommen hat, die diese Gegend seit Ende des XIII Jahrhunderts beherrscht hatte. Zu Beginn war Morović nur ein Besitztum, erst im Laufe des XVI Jahrhunderts wird es zum Kastell - Festung (oppidum, castrum Maroth) ausgebaut. Auf einer Karte von Ungarn aus dem XVI Jahrhundert erkennt man, dass der Name Maroth eingetragen ist. Nach dem Aussterben der Familie Morović hat König Korvin im Jahr 1464 Morović (gemeinsam mit den restlichen 60 Orten) seinem Sohn Ivaniš geschenkt. Ivaniš Korvin hält Morović bis 1503, als er es dem Belgrader Kapitän Vladislav Morea verpfändet. Ivaniš erhält es im kommenden Jahr allerdings wieder zurück, stirbt jedoch im gleichen Jahr 1504. Morović wird wieder an Morea zurückgegeben.

Im ehemaligen Jugoslawien galt die Region um Morović als exklusives Jagdrevier Tito´s. In den ausgedehnten Wäldern sind Rothirsche, Darmhirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen und Rebhühner noch heute beliebte Jagdtrophäen, so das sich ein gewisser internationaler Jagdtourismus ausbreiten konnte. Noch heute wird sehr viel Wert auf die Pflege und die Bewirtschaftung des ausgedehnten Reviers gelegt, so das exzellente Unterkünfte und Bewirtungsmöglichkeiten für die Jagdgesellschaften zur Verfügung stehen. Im Zentrum des Reviers steht heute Tito´s Jagdlodge mit acht Gästebetten zur Verfügung.
So bietet Morović und seine Umgebung vielfältige Möglichkeiten im Bereich des Jagdtourismus und Fischerei, weil neben den beiden Flüssen auch mehrere Kanäle, Weiher und zwei Teiche, vom Wald umsäumt, die Landschaft prägen. Die Ufer des Bosut und der Studva eignen sich perfekt auch zur Sportjagd. Schon seit den siebziger Jahren werden hier Wettbewerbe auf europäischem Niveau veranstaltet. Die Flussgewässer sind reich an Fisch, so dass die Gegend für Liebhaber des Angelns interessant ist.

Koordinaten: E 44°59′ N 19°12′E

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