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Trabzon / Trapezunt – Stationen in der Geschichte

  • Geschrieben von Website Editor

Im Nordosten der Türkei liegt das schon in der Antike bekannte, im Griechischen mit Trapezous bezeichnete Trabzon, die östlichste türkische Hafenstadt amSchwarzen Meer.

Heute ein wirtschaftliches Mittelzentrum und Umschlagplatz für den Export von Haselnüssen, Tee und Tabak war Trabzon, wie es bereits der griechische Name andeutet, ein sehr geschichtsträchtiger Ort.

Bereits durch die Hethiter war auch die Region um Trabzon besiedelt, aus Aufzeichnungen weiß man von hethitischen Namen wie Hajaša oder Azzi. Die später hier lebenden  Assyrer bildeten erste Handelskolonien, die vomSchwarzen Meer über das Pontische Taurus Gebirge bis in das iranische Hochland reichten. Mit dem Ansiedeln mykenischer Griechen in der späten Bronzezeit und deren Kontakte zur lokalen Bevölkerung entstand ein lebhafter Handel mit den begehrten Bodenschätzen Gold, Silber und Blei, die häufig genug auch den Hintergrund mythologischer Erzählungen bildeten. So soll der Mythos um das Goldene Vlies und die mythologischen Erzählungen von Iason aus der Region um Trabzon des 12. Jahrhunderts vor Christus entstammen.

Von der bereits etablierten griechischen Kolonie bei Sinop entstammen wahrscheinlich die ersten griechischen Siedler bei Trabzon. Um 756 vor Christus handelten sie bereits mit Eisen und Silber, das von den Einheimischen hier abgebaut wurde. Wie kleine Enklaven gab es diese griechischen Handelskolonien entlang der Küste desSchwarzen Meeres, die nur wenig in das Hinterland hinein reichten. So gab es nur wenig Berührung mit dem Reich von Urartu, das große Teile Anatoliens kontrollierte. In den Aufzeichnungen des griechischen GeschichtsschreibersHerodot finden sich Texte zu den Eroberungen der kaukasischen Kimmerer, die sowohl Trabzon, zu der Zeit mit Trapezos bezeichnet, als auch weite Teile der Küste erobern konnten. Weit in das Hinterland hinein führten die Kimmerer immer wieder Plünderungsraubzüge durch, bis sie in den Regierungsjahren des neu-assyrischen Herrschers Assurbanipal zwischen 669 und 627 vor Christus endgültig zurück geschlagen werden konnten.

Um das Jahr 546 vor Christus konnte der achämenidische König Kyros II die östliche Schwarzmeerregion erobern und sie damit zum persischen Reich zugehörig erklären. Familiäre Streitereien, auch um die Thronnachfolge, führten gar zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Artaxerxes II und Kyros, die in der Schlacht bei Kunaxa endeten, das etwa 80 Kilometer nördlich von Babylon am Euphrat liegt. Nicht allein durch den Tod des Kyros  ging die Schlacht verloren. Mehr als 10.000 griechische Soldaten und Söldner aus der Armee des Kyros zogen sich daraufhin durch Armenien bis in den Hafen von Trabzon zurück. Die Alten und Kranken wurden hier eingeschifft und nach Griechenland zurück transportiert. Die restlichen Truppenteile zogen am Schwarzen Meerentlang zurück in ihre Heimat.

Nur wenig später wurde Trapezos von skythischen Reiternomaden belagert. Angeblich soll zu dieser Zeit eine Tributpflicht an Sinop bestanden haben, wie es in den Aufzeichnungen des Xenophons erwähnt wird. Als während der Schlacht bei Issos im Jahr 333 vor Christus Alexander der Große die Perser vernichtend schlagen konnte, war damit auch die Ausdehnung des Großreichs entlang der Schwarzmeerküste verbunden. Nach dem Tod Alexanders im Jahr 323 vor Christus gründete der Grieche Mithridates I im Jahr 301 vor Christus das Königreich Pontos mitTrabzon als Haupt- und bedeutende Hafenstadt. In den nun kommenden Jahren konnten die jeweiligen Könige den Machtbereich bis an die Grenzen des römischen Reichs ausdehnen. Letzter großer Herrscher des KönigreichsPontos war Mithridates VI Eupator, der von 120 – 63 vor Christus das Reich regierte.

In drei großen Kriegen, die entsprechend mit Mithridatischen Kriegen bezeichnet werden, wurde das KönigreichPontos von den Römern und ihren Verbündeten endgültig besiegt und die gesamte Schwarzmeerküste  wurde dem Römischen Reich als Provinz Bithnya et Pontus einverleibt.
Unter Kaiser Hadrian, der von 117 bis 138 nach Christus das Römische Weltreich beherrschte, wurde Trabzon zur Provinzhauptstadt von Bithnya et Pontus erweitert. Der Ausbau des Hafens in Zusammenhang mit dem dort stattfindenden Schiffbau machten Trabzon weltbekannt. Entlang des Schwarzen Meeres hatten die Römer auch eine Militärstraße gebaut, die bis nach Trabzon führte, bevor sie nach Südwesten  abknickend bis zur Reichsgrenze am syrischen Euphrat weitergebaut wurde. Auch die obere Zitadelle und der mittlere Teil der ehemaligen Stadtbefestigung wurden von den Römern errichtet bzw. verbessert.

In kriegerischen Auseinandersetzungen mit vordringenden Goten wurden im Jahr 258 vor Christus große Teile der Stadt Trabzonzerstört, die allerdings in der Folge von den Römern schnell wieder aufgebaut wurden. Bis zum 4. Jahrhundert war Trabzon der Sitz eines römischen Statthalters und Standort der Legio I Pontica. Mit der Ausweitung des Christentums errichteten die Anwohner eine Vielzahl an Klöstern und Kirchen. In frühbyzantinischer Zeit ließ Kaiser Justinian auch die Stadtmauern vonTrabzon verstärken. Aus dieser Zeit sind allerdings, mit Ausnahme der St. Anna-Kirche von 884 – 885, keine baulichen Reste mehr vorhanden. Erste Angriffe der Seldschuken im 10. Jahrhundert konnten die Bewohner Trabzons noch erfolgreich abwehren. Allein der Attraktivität des Handels über den eigenen Hafen brachten Trabzon erneut eine Blütezeit. Unter Kaiser Basileios (976 – 1025) wurde diese Blütezeit besonders deutlich, denn er ließ zahlreiche Kirchen errichten, die urkundlich erwähnt sind.

Sehr überraschend für Byzanz erfolgte dann im Jahr 1204 der Angriff des Heeres des Vierten Kreuzzugs, wodurch das byzantinische Reich nicht nur zerschlagen, sondern in Konstantinopel auch das Lateinische Kaiserreich etabliert wurde. Als ein Nachfolgestaat des byzantinischen Reiches wurde auch Trabzon als Hauptstadt eines gesonderten Kaiserreichs unter der Führung der byzantinischen Herrscherdynastie der Komnenen gegründet.  Große Unterstützung hatten die beiden Enkel des Kaisers Andronikos I, Alexios und David Komnenos vom Hof der Königin Thamar in Georgien gesucht und gefunden. So wurde Alexios I im Jahr 1204 Kaiser von Trapezunt während sein jüngerer Bruder nach der Eroberung von Sinop versuchte, dort ebenfalls ein Kaiserreich zu etablieren. Sein Drang in den Westen wurde durch das Kaiserreich Nikaia gestoppt.

Im Jahr 1204 begründeten Händler aus Genua auch eine Kolonie in Trapezunt, im Jahr 1289 eine weitere Kolonie in Amisos, was heute mit Samsun bezeichnet wird, sowie eine dritte Kolonie ab 1301 in Sinop. Mit dem Ausbau dieser Handelskolonien ging die wirtschaftliche Macht mehr und mehr an die Genuesen über. Als im Jahr 1319 auch die Venezianer in Trapezunt eine Handelsniederlassung begründeten, war erstmals wieder eine Konkurrenzsituation geschaffen.

Trotz des Einfalls mongolischer Reitertruppen Mitte des 13. Jahrhunderts „boomte“ die Stadt auch weiterhin aufgrund des sehr ertragreichen Handels und der daraus resultierenden Zölle. Trabzon wurde zum Drehkreuz des Handels zwischen Russland, dem Mittelmeerraum und dem Mittleren Osten. Immer stärker traten jetzt die Venezianer in den Vordergrund, die mit ihren exzellenten Handelsniederlassungen zum größten Geldgeber für Trapezunt wurden. 
Prächtige Bauten konnten zu dieser Zeit aus der Planung in die Praxis umgesetzt werden, so auch die berühmte Hagia Sophia von Trabzon, einer noch immer prächtigen Kirche inmitten der Stadt. Wenn man sich Trabzon von Westen nähert, sieht man auf einer Klippe über der Küstenstraße zuerst den Turm und dann die in den Jahren 1238 - 1263 erbaute Kirche Hagia Sophia. Im Vergleich zur Hagia Sophia in Istanbul ist diese Kirche sehr klein, fasziniert aber durch ihre aus dem 13. Jahrhundert stammenden und in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts restaurierten Wandmalereien.

Jetzt war der Höhepunkt der Macht am Hofe der Komnenen erreicht. Trapezunt war zu einem Zentrum von Kulturund Kunst herangereift, ein Refugium griechischer Kultur in Kleinasien. Viele der noch heute zu bewundernden Kirchen und Klöster entstammen aus dieser Zeit. Und wie so oft in der Geschichte wiederholt sich auch in Trapezunt der Lauf der Dinge: der Machtzerfall der Dynastie der Komnenen durch hausinterne Intrigen  und Bürgerkriege. Die zunehmenden türkischen Überfälle taten ein Übriges hinzu. Zwar noch bis Mitte des 15. Jahrhunderts hinein immer noch ein bedeutender Handelsplatz, verlor Trabzon stetig an Bedeutung.

Durch den Untergang des Königreichs von Armenien waren zunehmend auch Armenier nach Trabzon gelangt. Besonders in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nahm die Zahl der Flüchtlinge aus der dem Untergang geweihten Stadt Ani stark zu. Jahrelange Kämpfe in der Umgebung vonSivas hatten viele Bürger zur Flucht veranlasst. In Trabzon versuchten die Armenier eine neue Heimat zu finden. Der Bau des Klosters Kaymaklı auf dem Boztepe-Hügel südöstlich des Stadtzentrums ist ein Überbleibsel armenischer Baukunst aus dieser Zeit.

Auch nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 blieb das Kaiserreich Trapezunt noch einige Jahre erhalten, obgleich es nun unter osmanischer Vorherrschaft stand. Der letzte Herrscher von Trapezunt, David Komnenos, mußte seine Herrschaft im Jahr 1461 allerdings an Mehmet II abgetreten, nachdem ein letzter Versuch eines Bündnisses aller griechischen Staaten gegen den Sultan zur Wiederherstellung eines byzantinischen Reiches gescheitert waren. Die kaiserliche Familie wurde nach Konstantinopel verbracht und dort durch erdrosseln hingerichtet. Große Teile der reichen Bewohner Trapezunts wurden von Mehmet nach Konstantinopel zwangsumgesiedelt, andere wurden zum Heer versklavt. Etwa 800 junge Bewohner Trapezunts wurden in die Janitscharenkorps eingegliedert. In Trapezunt verblieben nur die überwiegend armen Bewohner der Hafenregion, das Militär übernahm die obere Festung und die befestigte mittlere Stadtebene. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden kaum neue Gebäude errichtet. Viele der vorhandenen Kirchen wurden zu Moscheen umgebaut, aus Trapezunt war das Eyâlet Trabosan geworden.

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