Euphrat und Tigris - das Zweistromland im Südosten

Euphrat und Tigris - das Zweistromland

Wohl jedem sind Begriffe wie Zweistromland, Mesopotamien oder der „Garten Eden“ schon einmal begegnet, meistens in den Stunden des Religionsunterrichts (Adam und Eva, die ersten Menschen im Garten Eden, was dem Paradies entspricht; in der Übersetzung der Bibel wird der Strom Euphrat genannt).

Auch bei der Beschreibung des Garten Eden findet sich die Bezeichnung des Flusses mit Perat wieder. Namen, denen in der Vergangenheit eine immanent wichtige Rolle zukam und deren Bedeutung heute von zunehmender Relevanz aufgrund der Wasserhaushalte, besser der knapper werdenden Ressourcen der betreffenden Länder werden.

Laut der „Genesis“ in der Bibel soll sich das Paradies zwischen den Flüssen Pischon, Gichon, Chidekel und Perat befunden haben. Der Perat wird dabei oft mit dem Euphrat gleichgesetzt.

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Euphrat und Tigris in der Mythologie

Nach altem mesopotamischen Mythos entspringen Euphrat und Tigris den Augen der Urgöttin Tiamat, die Marduk getötet hatte und aus ihr Himmel und Erde formte. Im Euphrat sollen Fische ein goldenes Ei gefunden und ans Ufer geschoben haben. Dort habe es eine Taube bebrütet, bis ihm die Göttin Ischtar entschlüpfte, die auch als Astarte oder Aschtoret bekannt ist. Den Griechen galt der Euphrat wie sein Bruder Tigris als Sohn des Pontos und der Thalassa. Mythen genug, sich mit diesem Thema einmal näher zu beschäftigen.

Der Euphrat - Staudämme kennzeichnen seinen Verlauf

Der Euphrat ist mit 2736 Kilometern der längste Fluss der Türkei und Südwest-Asiens. Mit seinem längsten Quellfluss, dem Murat Nehri, der auf halbem Weg zwischen dem Van See und dem Araratgebirge entsteht, hat er eine Länge von 3380 km. Der andere Quellfluss ist der Karasu (Schwarzes Wasser). Die beiden Quellflüsse fließen fast parallel in westlicher Richtung, bis sie sich in der Nähe der Stadt Keban in der Talsperre (675 km2 Fläche mit 31 km³ Inhalt) vereinigen. Nach ihrer Vereinigung bilden die Flüsse den eigentlichen Euphrat. Der Euphrat fließt dann durch die Karakaya-Talsperre (268 km²; 9,58 km³), den Atatürk-Stausee (817 km²; 48,7 km³) und die Euphrat-Staustufe Birecik (1,2 km³). Anschließend durchfließt er Syrien, den durch die Tabqa-Talsperre aufgestauten Assad-Stausee und den Irak mit der Haditha-Talsperre (500 km²; 6,4 km³) in südöstlicher Richtung. Dort vereinigt er sich mit dem Tigris zum Schatt al-Arab, der in den Persischen Golf mündet.
Wo der Euphrat in weiten Abschnitten unfruchtbare und trockene Wüstensteppe durchquert, wird er als Flussoase für den Bewässerungsfeldbau u. a. mit Baumwolle und Getreide genutzt. Zu diesem Zweck werden Kanäle abgeleitet.

Der Tigris - Grenzfluss zu Syrien

Der Tigris ist mit 1.900 Kilometer Länge ebenfalls von immenser Bedeutung für die Region Vorderasien. Als der Quellfluss des Tigris gilt heute der Maden, der südlich von Elazığ entspringt und durch den Hazar Gölü (auch Gölcük-See) fließt. Die Assyrer hielten dagegen den südlich von Bingöl entspringenden Berkilin Çay, der bei Eğil in den Tigris mündet (bzw. sich mit dem Maden zum Tigris vereinigt), für den Quellfluss. Später verläuft der Tigris auf einer kurzen Strecke entlang der Grenze zu Syrien. Danach durchfließt der Tigris den Irak und vereinigt sich dort mit dem Euphrat zum Arvand Rud / Schatt al-Arab. Zusammen mit seinem Zwillingsfluss Euphrat bildet der Tigris, deren Einzugsgebiet 765.831 km² umfassen, das Zweistromland.

Bedeutung von Euphrat und Tigris für die Regionen

Die Wasserstände des Euphrat und des Tigris sind im September am geringsten und steigen bis Mai auf ihren jeweiligen Höchststand an. Bei der Schneeschmelze können sogar Springfluten auftreten. Obwohl der Wasserpegel durch Schleusen erhöht wird, kann die Wassertiefe während der Trockenzeit auf nur 60 Zentimeter sinken. Euphrat und Tigris spielten bereits zu Zeiten der mesopotamischen Hochkulturen eine große Rolle für die Wasserversorgung des Landes. Zugleich bildeten sie in antiker Zeit eine wichtige Verkehrsverbindung. Abschnitte mit Stromschnellen wie bei der Euphrat-Flussenge al-Khanuqa in Zentralsyrien, die ein Fortkommen erschwerten, waren daher von strategischer Bedeutung, so wurden hier Festungen errichtet.

Staudämme erhöhen die politische Relevanz der Flüsse Euphrat und Tigris

Für die Gewinnung von Energie und zur Bewässerung von Feldern wurden seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts mehrere Stauanlagen errichtet. Seit dem Bau dieser Dämme im oberen Flussabschnitt des Euphrat und der damit möglichen Kontrolle der Wasserführung von Seiten der Türkei kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak. Nach der Errichtung des etwa 630 Quadratkilometer großen Assad-Stausees in Syrien verschärfte sich das Problem der Wasserversorgung für den Irak weiter. 1985 wurde der Thartharkanal, der den Euphrat mit dem Tigris verbindet, fertig gestellt. Die in den vergangenen Jahrzehnten ständig zunehmende Wasserentnahme hat nach Angaben der Vereinten Nationen zu nachhaltigen Veränderungen im Tal des Euphrat geführt. Offiziellen Angaben zufolge sind etwa 90 Prozent der Region durch menschliche Einwirkungen geschädigt. Das Marschland von Mesopotamien ist mittlerweile nahezu vollständig ausgetrocknet.

Antike Ruinenstädte am Euphrat

Am mittleren und unteren Euphrat befinden sich die Ruinenhügel ehemals bedeutender Städte wie Emar, Tuttul, Terqa und Mari in Syrien; Uruk, Ur und Babylon im Irak. Moderne Städte sind am Mittellauf in Syrien Ar-Raqqa und Deir-ez-Zor; Haditha, Kerbela und Nadschaf liegen im Irak. Im Süden des Irak leben die Marsch-Araber.

Wichtige türkische Städte entlang des Euphrat:

Erzurum - Osttürkische Provinzhauptstadt in Ostanatolien; wichtiger Verkehrs- und Handelsmittelpunkt am Weg nach dem Iran; reich an Moscheen und Kirchen; Eisen-, Teppich-, Lederindustrie; Flugplatz. Im 5. Jahrhundert n. Chr. wichtige Festung in strategisch günstiger Lage; Verkehrs - und Handelsstation an der Seidenstrasse.
Elazig - 205000 Einwohner; Weinbau, Metall- und Nahrungsmittelindustrie, Wärmekraftwerk, Straßenknotenpunkt, Bahn zum Van See. 
Erzincan - Hauptstadt der türkischen Provinz Erzincan in Ostanatolien, 91000 Einwohner, Textilindustrie, Wasserkraftwerk.
Malatya - 219000 Einwohner, Gummiverarbeitung, Weberei, Tabak- und Zuckerindustrie, Ziegelei, ehemaliger Opiummarkt, Wasserkraftwerk am Euphrat oberhalb Malatyas.

Wichtige türkische Städte entlang des Tigris

Diyarbakır – Ulu Moschee, Kirche Mutter Maria, 
Bingöl – Landwirtschaft und Viehzucht, kaum Rohstoffe, 
Hasankeyf - Der geplante Ilisu-Staudamm sorgt seit Jahren für Konflikte, unter anderem weil die historische Stadt Hasankeyf überflutet werden soll.

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