Teos – Ort des Hermogenes Bauwerks Dionysos Tempel

Teos – Ort des Hermogenes Meisterbauwerks Dionysos Tempel

Nur etwa 35 Kilometer, also damals eine Tagesreise vor den Toren des antiken Smyrna entfernt, lag die ionische Stadt Teos, direkt an der Bucht von Sığacık.

Heute bequem verlässt man Izmir bequem mit dem Auto der Küste über Balcova folgend bis nach Güzelbahce um dann auf die Landstraße 505 Richtung Seferihisar abzubiegen.

Nach etwa 18 Kilometern gelangt man nach Seferihisar und rechts abbiegend zur Ortschaft Sığacık und folgt nun weitere 2 Kilometer bis Teos, immer den Hinweisen folgend.

Entsprechend der Auswertungen der bislang vorliegenden Ausgrabungen geht man heute von einer ersten Besiedlung zwischen 1.050 und 1.000 vor Christus aus. Im Jahr 545 vor Christus wurde die Stadt Teos sehr bekannt, da von hier aus die Hafenstadt Abdera in Thrakien / Griechenland wieder besiedelt wurde. Zwei wesentliche Gründe gab es seiner Zeit für diese Aktion:

-   die strategisch günstige Lage Abderas an der Handelsroute von Rom nach Konstantinopel, einer Route die später von den Römern zur Via Egnatia ausgebaut wurde

-   die Lage der Stadt Abdera an der Schiffsroute zum Schwarzen Meer

Teos - ein Mitglied des Ionischen Bundes

teos 1Als Mitglied des Ionischen Bundes beteiligte sich Teos an den Aufständen gegen die Vorherrschaft der Perser, die letztendlich zu den Perserkriegen der Jahre 490 bis 479 vor Christus führten. Nach einer kurzen, friedlichen Zeit kam es erneut zu Auseinandersetzungen, die im Peloponnesischen Krieg der Jahre 431 – 404 vor Chrisus endeten. Im Zuge dieses Krieges konnte das Reich Sparta nach einer heftigen Seeschlacht vor der Stadt Notion (etwa auf halber Strecke zwischen Teos und Kusadasi) die Stadt Teos im Jahr 407 / 406 erobern. Nur 12 Jahre später verlor das Reich Sparta allerdings diesen Anspruch in der Schlacht vor Knidos an Athen, das sich mit dem persischen Satrapen Pharnabazos verbündet hatte und Teos wurde im Königsfrieden von 387 / 386 wieder dem Perserreich zugeordnet. Dies änderte sich erst mit den Eroberungsfeldzügen Alexanders des Großen wieder.

Da es eine Vielzahl teilweise sehr gut lesbarer Inschriften in den Ruinen von Teos gibt, weiß man heute besonders über das dritte Jahrhundert vor Christus eine Vielzahl an Details zur Stadtgeschichte. Der makedonische König Antigonos I, genannt der Einäugige (Monophthalmos) versuchte zwischen 306 und 301 die Stadt Teos mit der Stadt Lebedos zu vereinen. Da aber sein entscheidender Konkurrent Lysimachos Ionien erobern konnte, gab es neue Pläne. So siedelte Lysimachos die Einwohner, aus welchen Gründen auch immer, nicht nach Teos sondern nach Ephesos um. 

teos 2Etwa 20 Jahre später verstarb Lysimachos während der Schlacht bei Kouroupedion wodurch die Seleukiden ihren Einfluss auf Teos ausdehnen konnten. In dieser Zeit wurden die Herrscher aus Pergamon immer mächtiger und weiteten ihre Gebietsansprüche aus, so konnten sie auch Teos erobern und es im Jahr 229 vor Christus zur Tributzahlung verpflichten. Es folgten eine Reihe von Überfällen durch Piraten, die bedeutende Bürger der Stadt als Geiseln nahmen und hohe Lösegeldforderungen stellten. Auch über diese Vorgänge wird in den Inschriften berichtet.

In den Jahren 206 – 201 vor Christus kam es zum Ersten Kretischen Krieg, der auch Teos mit einbezog. So konnte der seleukidische König Antiochus III gegenPergamon gewinnen und zog 204 / 203 als Sieger in Teos ein. Auch die Römer hatten in der Zwischenzeit ihren Machtbereich stark ausweiten können und waren plündernd bis vor die Tore von Teos gelangt. Jetzt standen die Einwohner Teos auf der Seite von Antiochus III und weigerten sich ihre Vorräte an den Gegner Rom auszuliefern. Pergamon war mittlerweile zum Partner Roms geworden und nachdem Antiochus III den Krieg gegen Rom verloren hatte und sich aus Kleinasien zurück ziehen musste, wurde Teos durch den Vertrag im Frieden von Apameia wieder Teil des Reiches von Pergamon.

Erster Kretischer Krieg - Teos war involviert

teos 3Bereits seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts vor Christus war Teos auch Heimatstadt zahlloser Gelehrter und Planer, die trotz der ständigen politischen Veränderungen in Teos lebten. Diese Gruppe der Gelehrten war dafür verantwortlich, das sich eine Gruppe von Musikern, Schauspielern und Dichtern zu einem „Verein“ zusammen schließen konnte, der sich Dionysische Techniten nannte. Unter anderem lebten der Dichter Anakreon und der Büchersammler Apellikon in Teos. Wichtigster Gott, der in kultischen Feiern verehrt wurde, war der Hauptgott Dionysos. Gehuldigt in Form von Festen und musikalischen Wettkämpfen wurde Dionysos so stark verehrt, das es einen monumentalen Tempelbau zu planen galt. Schon über Jahre hatte Teos versucht, zur heiligen und unverletzlichen Stadt (polis hiera kai asylos) zu gelangen. Mit dem Architekten Hermogenes, der in Teos lebte, war dann ein Planer und Baumeister in der Lage, diesem Wunsch nach einem Dionysos Tempel zu folgen und im Jahr 220 vor Christus wurde mit dem Bau begonnen. Etwa 30 Jahre später war der Tempel 190 vor Christus fertig gestellt und wurde damit zum größten Dionysos Tempel in Kleinasien. Fast parallel wurde auch ein Odeon mit 11 Sitzreihen sowie ein hellenistisches Theater am Abhang einer kleinen Akropolis gebaut.

Trotz einiger Schäden aufgrund von Erdbeben in der Stadt, wurde auch unter den Römern in den kommenden Jahrhunderten immer wieder zügig mit dem Wiederaufbau begonnen. Heute bietet sich leider ein eher trostloses Bild dieser einstmals bedeutenden Stadt. Zwar findet auch der Hobbyarchäologe eine Vielzahl der genannten Inschriften und Ruinen vor, jedoch ist das gesamte Gelände sehr ungepflegt und von Gras überwuchert, so das man wirklich genau schauen muss, um die Ruinen zu entdecken.

Türkische Medienberichterstattung

teos 4Es ist so widersprüchlich und gerade zu verantwortungslos, wenn man die gerade zurzeit wieder sehr aggressive Art türkischer Medienberichte verfolgt (siehe Göbekli Tepe und die Publikationen eines Kolumnisten Fatih Cekirge in der "Hürriyet") worin europäische Archäologen für ihre Tätigkeiten, in die viel Arbeit und Mühe und noch mehr ausländisches Geld fliest, derartig diskreditiert und beschimpft werden anstatt dankbar für die Hilfe und Unterstützung zu sein, wenn man sieht, wie verwahrlost und zerstört auf der anderen Seite mit eben diesen Monumenten von türkischer Seite her umgegangen wird. Dabei sollte allein der Erhalt und die Pflege der Monumente, die übrigens meist nicht türkischen Ursprungs sind, im Interesse aller Völker stehen.

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