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Klazomenai, Erythrai und ein delikates Fischessen bei Güzelbahce

  • Geschrieben von Website Editor
Klazomenai, Erythrai und ein delikates Fischessen bei Güzelbahce

Unweit der modernen Stadt Urla, rund 30 bzw. 50 Kilometer vor den Toren Izmirs, liegen die Ruinen der antiken Städte Klazomenai und Erythrai.

Klazomenai wird in der türkischen Literatur häufig mit Kilizman bezeichnet und war eine der zwölf Städte des Ionischen Bundes und somit auch eine der ersten Städte, die Geld aus Silber prägten. Die Stadt wurde im Jahr 654 vor Christus von ionischen Siedlern gegründet, die von Kolophon, Plius und Cleonae kommend, hier auf der Halbinsel den geeigneten Platz zur Anlage einer neuen Stadt sahen. Kurz nach seiner Gründung erfolgten mehrere Attacken des Lydischen Königs Alyates II. 

Bereits wenige Jahrzehnte später wurde der gesamte Ort dann auf die der Küste vor gelagerte Insel verlegt, da man sich so besseren Schutz vor Überfällen und vor allem vor den immer weiter vorrückenden Persern versprach. Um 387 vor Christus wurde dann auch Klazomenai, neben weiteren Städten des Ionischen Bundes, von den Persern erobert. Später wurde die Insel allerdings mittels eines Damms mit dem Festland verbunden, so das man heute von einer Halbinsel sprechen muss. Das Dammprojekt, so der Mythos, soll auf Alexander den Großen,  zurück gehen. Unter den Römern wurde Klazomenai in die Provinz Asia aufgenommen, erfreute sich aber einer besonderen Position: Klazomenai wurde von römischen Steuern befreit.

QuellersortenWir waren schon einige Male in der Umgebung von Urla gewesen und hatten dabei auch die an der Küste entlang führende Straße Richtung Cesmealti genutzt, ohne dabei jedoch den Hinweis auf Klazomenai zu beachten. Jetzt fuhren wir bewusst die Küstenstraße, die von Güzelbahce kommend auf die Halbinsel führt, denn wir wollten die Anfahrt nach Klazomenai auch dazu nutzen, uns am Fischmarkt von Güzelbahce mit der Auswahl frischer Fische zu beschäftigen, die wir dann in einem der direkt am Fischmarkt befindlichem Fischrestaurants zubereiten lassen wollten. Ein Vorgang, der für Europäer ungewöhnlich erscheinen mag, hier aber, besonders an den Wochenenden, ein übliches Prozedere darstellt. Unsere Wahl traf auf den für die Region bekannten Cipura, einer Goldbrassenart, dazu einige Barbun, einer Rotbarbenart, die ebenfalls für die ägäische Küste bekannt ist und auf Deniz Börülcesi, einer Quellersorte, die gern als Salat zubereitet wird.

Bereits bim Einkaufen auf dem Fischmarkt nennt man dem Verkäufer den Namen des Restaurants, so das man schon wenig später dort Platz nehmen kann. Einer der Angestellten des Restaurants holt dann den ausgewählten und bereits ausgenommenen Fisch vom Händler ab und man beginnt mit der Zubereitung. Wenig später wird schon Salat und Brot gereicht, so das der erste Hunger gestillt ist. Kurz darauf traf auch der unseren Wünschen entsprechend gegrillte Fisch an unserem Tisch ein. Ein köstliches Mahl, noch dazu direkt am Meer mit herrlicher Aussicht auf die Bucht von Izmir. 

Nach dem Essen ging es dann weiter bis nach Klazomenai, dem Geburtsort des Vorsokratikers Anaxagoras (499 – 428 vor Christus), der vor allem durch seine Publikationen „Über die Natur“ bekannt wurde. Ein weiterer berühmter Bürger, der ursprünglich aus Klazomenai entstammte, war Herakleides von Klazomenai, ein in Athen ansässiger Ionier, der aufgrund seiner Vertrauensstellung am persischen Hof des Großkönigs Dareios später in Athen wertvolle Dienste an die Griechen liefern konnte und so wichtige Staatsämter bekleidete. Auch der Sophist Skopelianos lebte Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus in Klazomenai.

Von der ehemals blühenden Stadt Klezomenai ist allerdings nur wenig erhalten geblieben. Erst in jüngster Zeit hat man bei Ausgrabungen Reste attischer Keramik und den Torso einer weiblichen Statue, der sogenannten Kore von Klazomenai, gefunden.

Die führende Götterfigur in Klazomenai war eindeutig Apollo. Dem Mythos entsprechend soll Apollo von Schwänen gezogen, immer den Winter in Klazomenai verbracht haben um der Kälte des Nordens zu entfliehen. Die Bucht von Klazomenai war schon immer das Zuhause von unzähligen Schwanenpaaren und so besagt ein weiterer Mythos, das zumindest ein Teil des Namens von Klazomenai auf dem Ruf der wilden Schwäne beruht.

Wenig später sitzen wir erneut im Auto, denn unsere Fahrt soll uns noch nach Erythrai führen. Wir fahren die wenigen Kilometer zurück zur Landstraße 300 und auf derselben dann bis Uzunkuyu, wo wir nach rechts in Richtung Kadovacik abbiegen. Nahe des Dorfes Ildir liegt das antike Erythrai, das später auch mit Litri bezeichnet wurde. Auch Erythrai war Mitglied im Bund der Ionischen Städte, geriet ebenfalls im Wechsel unter persische oder athenischer Herrschaft. Mit dem Untergang des pergamesischen Reichs wurde auch Erythrai als freie Stadt (civitas libera) in die Provinz Asia des Römischen Reichs aufgenommen.

Aus den Aufzeichnungen des römischen Historikers Varo im ersten Jahrhundert nach Christus  ist zu entnehmen, das in Erythrai eine Seherin Namens Sibylle gelebt haben soll, die unter anderem auch den Fall Trojas vorhergesagt hatte.

Auch von der Stadt Erythrai sind nur wenige der Ruinen so gut erhalten, das sich weiterführende Untersuchungen als lohnend darstellen. Lediglich am Nordhang sind Reste des Theaters vorhanden und vereinzelt gibt es Reste der einst gewaltigen Stadtmauern. Wie in vielen Orten ist auch Erythrai als Steinbruch zur Herstellung neuer Bauten genutzt worden. 

Wir nutzen die verbleibende Tageszeit auf der Halbinsel noch um einem weiteren Mythos nachzugehen, den des Giganten Mimas, einem der Söhne von Gaia. Dem Mythos entsprechend war Mimas einer der Gegner des Zeusund wurde im Kampf von Herkules getötet. Der Legende entsprechend soll Mimas unter dem Mimas Mons, dem Gebirgszug am heutigen Akdag (1.218 Meter über NN) in der Nähe der Stadt Karaburun begraben sein.

Wir nutzen den landschaftlich schönen Weg Richtung Karaburun für einige Aufnahmen und beschließen den Rundweg um die Halbinsel auf der Küstenstraße fortzusetzen. So geht es über schmaler werdende Straßen zunächst nach Hasseki, dann weiter nach Salman, wo die Straße endet und nur noch Piste vorhanden ist. Hier ist die Landschaft absolut kahl. Nur hin und wieder trifft man auf ehemals griechische, jetzt aber verlassene und verfallene Dörfer des letzten Jahrhunderts. Nur wenige Kilometer sind es von hier bis zur griechischen Insel Inousses und der dahinter liegenden Insel Chios. Der Grund für bislang nicht wieder besiedeltes Gebiet.

Klazomenai Koordinaten: 38° 21′ 29″ N, 26° 46′ 3″ O (Karte)

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