Die Ruinen des Tokmar Kalesi bei Silifke

Die Ruinen des Tokmar Kalesi bei Silifke

Nach dem Besuch des Yilan Kalesi bei Ceyhan und der Burg Lambron bei Camliyaila waren wir zurück nach Tarsus gefahren und nahmen dann die Küstenstraße D 400 in Richtung Silifke über Anamur und Gazipasa nach Alanya, eine zwar kurvenreiche Strecke entlang der Küste, die allerdings sensationelle Ausblicke auf das Meer und einige antikeOrte am Weg eröffnet.

Diese Landstrecke zu befahren ist zwar zeitraubend und teilweise aufgrund der unübersichtlichen Kurven auch durchaus gefährlich, der größere Zeitaufwand lohnt sich alle Mal. Wunderschöne Küstenlandschaft mit einsamen Buchten, die zum Baden oder Verweilen einladen, Klippen und Felsen, die das Meer zum Tosen bringen. Unterwegs trifft man bereits auf die sich im Bau befindliche Schnellstraße, die zukünftig Alanya und Silifke, bzw. Adana miteinander verbinden wird.

Ruinenreste des Tokmar Kalesi erwarten uns

Hinter Silifke durchfuhren wir den Fährhafen Taşucu, der vielen Zypernreisenden sicherlich nicht unbekannt sein wird da von hieraus die einzige Autofähre  entlang der Reviera Richtung Zypern ablegt, um etwa 25 Kilometer später einer Straße nach rechts abbiegend zu folgen, die in Serpentinen den Berg zum Tokmar Kalesi hinauf führt. Die auch mit Castellum Novum bezeichnete mittelalterliche Burgruine war das Ziel unseres geplanten Zwischenstopps auf dem Weg nach Alanya. Nach etwa 5 Kilometern sieht man linker Hand bereits die Burgruine Tokmar Kalesi, die auf einer Höhe von 400 Metern über dem Meer liegt. Zwar führt ein befahrbarer Weg bis zur Ruine, wir parkten unser Fahrzeug allerdings direkt an der Auffahrt zur Burg und gehen die 150 Meter bis zur Ruine zu Fuß. Schon während des Fußwegs entlang des Kale Tepesi, wie die Einheimischen den Burg Berg treffend nennen, der sich an einen Höhenzug des Akçalı Dağları anschließt, eröffnet sich uns der Blick auf die Küste und die flache Bucht von Barbaros Köyü. Auch hier gibt es eine weitere Bezeichnung des Ortes bei der lokalen Bevölkerung mit Tahta Limani, was vielleicht mit dem antiken Hafen Palaiai in Beziehung steht, der etwa 4 Kilometer in östlicher Richtung liegt. In der Kleinasienkarte des Historikers Richard Kiepert ist Tokmar Kalesi als Burg Palaea eingetragen, was die Vermutung zulässt, das die Burg einst zum Schutz des Hafens errichtet worden war oder zumindest dies auch als Nebenaufgabe zu erfüllen hatte. In den Aufzeichnungen des Portolan Rizo aus dem Jahr 1490 wird Tokmar Kalesi als Landmarke erwähnt, hier allerdings unter dem Namen „Lo Chastel Chamandrachi“. Da es bislang keinerlei uns bekannten Untersuchungen in der Festung gegeben hat, sind auch die in der lokalen Bevölkerung vorhandenen Angaben zur Burg mit Vorsicht zu genießen.

Vergleichbare Konstruktion wie beim Bau von Yilan Kalesi

Schaut man sich die Festung aus architektonischer Sicht etwas genauer an, sind unschwer Konstruktionsmerkmale und Eigenschaften im Bau aus dem 12. Jahrhundert ersichtlich. Eine gewisse Vergleichbarkeit ergibt sich durchaus auch mit Yilan Kalesi, weshalb diese Festung auch gern der Gruppe der kleinarmenischen Festungen zugeordnet wird. Die polygonalen Festungsmauern von Tokmar Kalesi, die eine Grundfläche von 50 auf 70 Meter umschließen, folgen dem vorgegebenen Gelände wie auch bei anderen Festungen auf Bergspornen üblich. Auf der Nordseite der Festung sind die einstmals der Verteidigung dienenden vier halbrunden Bastionen noch recht gut erhalten, auch wenn die dazwischen liegenden Kurtinen größtenteils eingestürzt sind. Gut erkennbar sind noch die Schießschlitze in den oberen Etagen der Bastionen.

Wie an anderen Festungen auch, sind die Baumaterialien der eingestürzten Teile gern für andere Bauten weiter verwendet worden. So findet man Quadersteine der Burg auch in dem Nachbardorf  Akdere im verbauten Zustand wieder. Die Kurtinen hatten einstmals eine Mauerstärke von etwa 1,50 Meter dicke, das Mauerwerk selbst wurde in zweischaliger Bauweise aus Bossenquadern errichtet. Diese Bauart aus dem Material Kalkstein wurde auch bei den Bastionen eingesetzt. Zinnen und Brustwehren sind im Laufe der Jahrhunderte abgestürzt, auch die Laufgänge kann man lediglich noch vermuten.
Von dem einstmals vorhandenem Zwinger an der Ostseite der Burg sind nur noch die Fundamente der Außenmauern zu erkennen, auch die Haupttorfront und das Tor selbst sind verschwunden. Im Südosten der Festung sind noch Reste eines Wohngebäudes vorhanden, die noch zuzuordnen sind, alle anderen Gebäude sind nur noch als Schutthaufen zu erkennen.

Aus anderen Aufzeichnungen von Historikern vermutet man eine gewisse Identität mit der Burg Norpert, die in den Jahren 1199 und 1210 als Besitztum des Sevasdios Heri erwähnt wird. Der armenische König Leon II soll die Festung, die damals auch mit dem Namen Castellum Novum betitelt wurde, samt der Stadt sowie der Zitadelle von Silifke im Jahr 1210 an die Johanniter übergeben haben. Als Gegenleistung erhielt Leon II bewaffnete Unterstützung von 400 Rittern samt Gefolge im Kampf gegen die Seldschuken sowie eine jährliche Zahlung in unbekannter Höhe. Das Silifke Kalesi ist im Jahr 1226 an die Armenier zurückgegeben worden. Über den weiteren Verlauf des Tokmar Kalesi sind keine weiteren Aufzeichnungen bekannt. Wahrscheinlich ist wohl die Vermutung, dass es sich bei Tokmar Kalesi um eine Adelsburg gehandelt haben muss, die zur Beherrschung des Gebiets westlich von Seleukia am Kalykadnos (Silifke) bis zum Golf von Ovacık, das heutige Yeşilovacık, erbaut worden war. In der Reihe der kleinarmenischen Festungen bildete Tokmar Kalesi das am weitesten westlich gelegene Element.
Geographische Lage     36° 15′ 23″ N, 33° 46′ 14″ O

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