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Burg Lampron bei Çamlıyayla - Yilan Kalesi in der Nähe

Burg Lambron bei Çamlıyayla

Nach dem Besuch der Festung Yilan Kalesi bei Ceyhan und recht interessanten Tagen in Sanliurfa und Göbekli Tepe waren wir auf dem Rückweg in Richtung Alanya in Tarsus angekommen.

Bei dort lebenden Freunden war eineÜbernachtung eingeplant, die neben einem gemütlichen Abendessen und interessanten Gesprächen unter anderem auch zum Thema Kreuzritterburgen oder besser allgemein Burgen und Festungen führte. So lag es denn auch auf der Hand, dass wir am kommenden Vormittag gemeinsam auch die Burg Lampron bei Çamlıyayla aufsuchen wollten. Auch Lambron ist, wie Yilan Kalesi, eine Felsenburg, die allerdings als uneinnehmbar galt.

Da uns die Zeit nicht drängt, wollen wir zunächst die Landstraße D750 in Richtung Aksaray für die Anfahrt zur Burg Lampron nutzen und nicht die Autobahn E90, was ebenfalls möglich gewesen wäre. So geht es also langsam ansteigend bis zur Abzweigung der Çamlıyayla Yolu durch teilweise wunderschöne Landschaft und vorbei an kleinen Bergdörfern auf die Yaila. Von Tarsus aus sind es etwa 60 Kilometer bis zur Burg. Falls Sie unterwegs nach dem richtigen Weg fragen sollten, bedenken Sie bitte, dass die Burg von der lokalen Bevölkerung mit unterschiedlichen Namen bedacht ist, wobei „Lambron“ noch die einfachste Namensabweichung ist. Aus dem Fränkischen existiert nach wie vor der Name „Les Embruns“ wie auch aus dem Arabischen noch der Name „Namrun“.

Lampron Kalesi - Gründung ist bislang wenig erforscht

Wann genau die Festung entstanden ist, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden, denn dazu währen Ausgrabungen im größeren Stil erforderlich. Die ältesten, noch zu besichtigenden Teile sind in jedem Fall byzantinischen Ursprungs. Da Teile der Gewölbe der Wohngebäude noch erhalten sind und diese Räume teilweise mit noch erkennbaren Hypokausten-Heizungssystemen ausgestattet sind, ist die erste Entwicklung der Burg möglicherweise auch noch weiter zurückgehend auf die Römer zurück zu führen. Auch die Lage auf dem Felsen lässt dies zumindest vermuten.

Zwischen 1171 und 1172 soll die Burg aufgrund von innerfamiliären Zwistigkeiten von dem Rubeniden Mleh belagert worden sein. Burgherr zu dem Zeitpunkt war Hethum, der mit einer Nichte von Mleh verheiratet war, diese aber davon gejagt hatte. Aus geschichtlichen Aufzeichnungen weiß man heute gesichert, das die Burg von Abul Gharib, der zu dieser Zeit byzantinischer Statthalter von Tarsus war, im Jahr 1072 an den Hethumiden Oschin verliehen, besser verlehnt  worden ist. Oschin führte zu dieser Zeit, genau wie sein Kontrahent Ruben, den Titel eines „Sebastos“ im östlichen Kilikien. Im Jahr 1183 belagerte Ruben III die Festung Lambron. Hethum bat daraufhin Bohemund von Antiochia um Hilfe, die ihm auch gewährt wurde. Allerdings nicht in Form von Truppen zur Unterstützung im Kampf, sondern durch die Gefangennahme Rubens während eines Festmahls in Antiochia. Ein Bruder Rubens mit dem Namen Lewon setzte die Belagerung von Lampron zwar fort, konnte die Festung allerdings nicht einnehmen.

Mythologie um die Burg Lampron

Nachdem Lewon zum König geworden war, gab er vor, seine Nichte Philippa, die eine Tochter von Rubens war, mit Oschin, dem ältesten Sohn Hethums, zu vermählen. Aufgrund der dann in Tarsus stattfindenden Festlichkeiten war die Burg nur wenig geschützt und Lewon konnte sie einnehmen. Jetzt war er mächtig genug, so dass er Hethum zwingen konnte, in das Kloster von Drazark einzutreten. Aus eigener Erfahrung wusste Lewon, das die Burg Lampron uneinnehmbar war, so scheute er sich davor, einen neuen Vasallen  auf die Burg zu setzen. Sicherlich befürchtete er nicht zu Unrecht, das jeder neue Lehensnehmer über kurz oder lang gegen ihn rebellieren würde. So übergab er die Festung an seine Mutter Rita von Barberon. Intrigen und Verwicklungen, die kein filmisches Drehbuch unserer modernen Zeit hätte besser beschreiben können.

Einem weiteren Mythos entsprechend, soll Samuel von Ani behauptet haben, dass er die Festung von den Sarazenen (gemeint sind wohl die Seldschuken) erobert habe. Die Geschichte erzählt allerdings, dass zu diesem Zeitpunkt die Seldschuken noch nicht bis in den Taurus vorgedrungen waren. Später im 14. Jahrhundert, der genaue Zeitpunkt und die Umstände sind nicht genau bekannt, fiel die Burg an die Mameluken.

Handelswege und Strategie als Begründung

Strategisch und auch landschaftlich war der Standort der Burg an der Kilikischen Pforte von überragender Bedeutung, führten doch die Handelswege von der Küste in das anatolische Hinterland direkt hier vorbei. Hinzu kommt die landschaftliche Situation im Zentrum von hier zusammen stoßenden drei Tälern auf einem schmalen Felssporn des Bulgar Dagi, der etwa 50 Meter über dem Talboden liegt, was erheblich zur Uneinnehmbarkeit beigetragen hat. Im Norden, gegen den Sporn, wird die Burg durch einen in den Fels eingeschlagenen Graben geschützt, der zwischen 15 und 25 Meter breit ist. Die nach Westen ausgerichtete Seite besteht aus terrassiertem Gelände und bietet somit die Flanke, die sich am ehesten für Angriffe eignet. Entsprechend sind hier die Verteidigungsanlagen natürlich auch am stärksten ausgeführt. Hier an der westlichen Flanke befindet sich auch der einzige Zugang zur Burg Lambron. Neben der eigentlichen Burg gibt es auch noch eine Vorburg, die bereits erste Angriffe abfangen soll. In ihrer Form einer Linse ähnelnd, nimmt die Burg eine Gesamtfläche von etwa 330 x 150 Meter ein.

Aufgrund der Höhenlage und der damit verbundenen Kühle in der Sommerzeit ist die Burg Lambron und auch das Dorf Çamlıyayla, das von vielen auch mit Namrun bezeichnet wird, ein touristischer Anziehungspunkt und Aufenthaltsort von Einheimischen von der Küste geworden. Der Eintritt in die Burg ist nach wie vor frei

Koordinaten     37° 10′ 4″ N, 34° 36′ 12″ O

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Michael Bussmann, Gabriele Tröger

Michael Müller Verlag, 504 Seiten, 10. Auflage 2015, farbig, 22,90 EUR (D), 23,60 EUR (A), 33,90 CHF, ISBN 978-3-89953-975-2

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