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Lefkosa - Nikosia - immer noch geteilte Stadt!

  • Geschrieben von Website Editor
Lefkosa - Nikosia - geteilte Stadt!

Im Rahmen unseres Projekts besuchen wir auch Lefkosa / Nikosia, die immer noch geteilte Hauptstadt Zyperns, die gleichzeitig auch die größte Stadt auf der Insel Zypern mit etwa 73.000 Einwohnern ist.

Die Stadt gehört völkerrechtlich in ihrer Gesamtheit zur Republik Zypern, die jedoch seit der Besetzung des Norden Zyperns durch türkische Streitkräfte und der Proklamation der Türkischen Republik Nordzypern im November 1983 de facto keine Hoheitsrechte über Nord-Nikosia ausübt. Seither wird die Stadt durch eine „Grüne Linie“ geteilt, die von Friedenstruppen der Vereinten Nationen, der United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP), überwacht wird.

Lefkosa / Nikosia ist Sitz der Regierung sowie vieler diplomatischer Vertretungen, unter anderen auch Sitz der Vereinten Nationen und der Europäischen Kommission. 
Lefkosa ist die letzte verbliebene Hauptstadt der Erde, die nach wie vor in den nördlichen (türkischen) und den südlichen (griechischen) Teil, geteilt ist. Erst im Jahr 2003 konnten Vereinbarungen erzielt werden, die es zumindest Besitzern mit europäischen Ausweißpapieren ermöglichen, die Grenze “green line” ohne langwierige Genehmigungen zu passieren. Dank stetiger Gespräche gibt es heute vier solcher Grenzstellen, die rund um die Uhr geöffnet sind und die auch eine Passage für Fahrzeuge ermöglicht. Eine dieser Grenzstellen befindet sich im Stadtzentrum von Lefkosa / Nikosia im Stadtteil Ledra Palace, lege ich hier meinen Ausweis oder Reisepass vor und kann den anderen Teil der Stadt solang und so oft besuchen, wie ich möchte.

Enlang der Grenze und auch in einigen anderen Stadtbezirken sind die Schäden des Konflikts von 1974 noch deutlich zu erkennen. Es werden die Bewohner der Hauptstadt sein müssen, die auch diese Grenze letztendlich wieder komplett beseitigen, vielleicht vergleichbar zur Situation zwischen Ost- und Westdeutschland.

Nikosia ist seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen. In der Kition-Stele Sargons wird es als Li-di-ir genannt. Das Prisma des Asarhaddon von 673/672 v. Chr. erwähnt einen König Unasagusu von Lidîr. Der antike Name war Ledra. Der Titel des Visconte von Nikosia war in venezianischer Zeit auch griechischen Adeligen zugänglich, meist gegen eine Zahlung an die Signoria.

Stadtbeschreibung Nikosia durch Herrn Weiseberg

Nach einem ausgiebigen Frühstück um 8 Uhr stehen wir wieder an der Hauptstraße Richtung Girne und stoppen ein Dolmus-Sammeltaxi bis Girne - 0,75 TL. In Girne steigen wir in ein Sammeltaxi nach Lefkosa (griechisch Nicosia) um - 2,50 TL. Mit ca. 2,20 € kommen wir also in die ca. 30 km entfernte Hauptstadt Nord-Zyperns, genau genommen in die nördliche Hälfte der geteilten Stadt Nicosia. Eine ca. 350 m hohe Passhöhe des Fünffingergebirges, das die Mesarya-Ebene vom schmalen Küstenstreifen trennt, ist zu überwinden. Diese Mesarya-Ebene hat ihren Namen wahrscheinlich ihrer Lage zwischen zwei Gebirgen zu verdanken, zwischen denen sie liegt, nämlich dem Besparmak (Fünffingergebirge)- und dem Troodos-Gebirge. Etwa in der Mitte der von Westen nach Osten laufenden Green-Line, seit 1974 die Grenze zwischen zwei Staaten, die Nord-Zypern von Süd-Zypern trennt, liegt Lefkosa.

Unter den fränkischen Lusignans wurde diese Stadt als Nikosia Hauptstadt der Insel. Die sie umgebende venezianische Festungsanlage stammt aus 1567.

Auf einem Terminal stehen viele alte Busse und Taxen ältester Bauart, oft in erbärmlichen Zustand. Wir schließen uns dem Menschenstrom in Richtung alte Stadtmauer zum Girne - Kyrenia -Tor an.

Das Tor steht allein, weil die Briten vor 1960 den angebauten Wall entfernt haben. Unweit davon besuchen wir ein ehemaliges Sufi-Kloster, Mevlevi Tekke, das Kloster der tanzenden Derwische, das unter Atatürk geschlossen wurde. Man sieht in Drehhaltung aufgestellte Figuren und hört eine meditative Trommel- und Flötenmusik. In einem langen Raum sind Kenotaphe verstorbener Scheichs zu sehen.


Über den Atatürk-Platz mit einer Säule aus Salamis, die eine Kugel trägt, kommen wir zum "großen Hof", dem Büyük-Han, eine sehr schön restaurierte Herberge für Pilger und Händler. Es hat schöne Innen- und Außen-Arkaden, in denen sich nun Verkaufsstände befinden. In der Mitte des großen Hofes befindet sich eine kleine zweigeschoßige Brunnenmoschee.

Unweit daneben besichtigen wir einHamam, ein türkisches Dampfbad, einst war es eine katholische Kirche. Es liegt tiefer als das Straßenniveau, denn die umliegenden Gebäude sind auf dem Bauschutt ihrer Vorgänger gebaut worden. Es ist auch bereits 500 Jahre alt und lädt noch immer ein, sich einer Waschung zu unterziehen. Allerdings muss man seine mitteleuropäischen Ansprüche an Ästhetik total vergessen. Ein Angestellter erklärt uns die einzelnen Aktionen.

Bald danach stoßen wir auf die wunderschöne gotische Kirche der Heiligen Sophia (vor 1571) aus dem 13. Jh., seit 1945 die Selimiye- oder Selim-Moschee, benannt nach einem türkischen Eroberer Zyperns. Hier wurden einst die aus den Kreuzzugsheeren stammenden Könige von Zypern gekrönt. 1571 kamen die Türken und seither ist diese prachtvolle Kirche raffiniert zu einer Moschee mit zwei Minaretten umfunktioniert worden. Der gesamte Innenschmuck fehlt, besonders alle bildlichen Darstellungen von Köpfen auf den Kapitellen.

Gebetsnischen wurden eingebaut. Bloß einige Kaligraphien stechen ins Auge, sonst ist alles weiß getüncht bis auf die Säulenkapitelle. Damit scheint die große Höhe etwas gebrochen zu werden. Der Fußboden ist ist mit Teppichen ausgelegt. Dadurch wird diese Riesenhalle sogar wieder wohnlich und lädt zum Aufenthalt ein.

Neben der Moschee ist eine seit 1571 verfallende Kirche, einst dem Heiligen Nikolaus geweiht. Sie hat in der Türkenzeit den Namen Bedesten bekommen, das heißt Markthalle. Heute ist die Ruine Treffpunkt junger Leute, die sich in abgelegenen Winkeln beim Tetatete ungestört fühlen können. Nach dem Verfall übersiedelte dieser Markt gleich daneben in einen neuen typisch orientalischen Basar.

Es wundert einem, dass gerade jetzt so große Hektik beim Straßenbau zu sehen ist. Alle Steige sind offen. Auch das Kanalsystem muss erneuert werden.

Hinter der Selim-Moschee können wir eine kleine, derzeit wegen Restaurierung leere Bibliothek, besichtigen. Sie soll ca. 3000 Bücher in verschiedenen orientalischen Sprachen enthalten. Sehr schöne, dichte kufische Schriftbänder aus dem Koran zieren den Rundbau. Das Holzzierart über den Bücherschränken dürften von einer Ikonostase stammen.

Ein Höhepunkt ist für uns die Haydar-Pascha-Moschee, früher die Hl. Katharinen Kirche aus dem 14. Jh.. Auch sie ist völlig leer, nur ein Motorrad steht darin. Aber gleich ihm gegenüber in der Ecke finden wir eine Wendeltreppe und über diese erklimmen wir das Minarett. Der Taubenkot bis hinauf stört überhaupt nicht, wenn das Ziel einen fantastischen Rundblick auf die Stadt verspricht. Die gotischen Baureste der Stadt treten am stärksten hervor. Nicht verborgen bleiben einem aber auch die ärmlichen Hinterhöfe und die verfallenen Häuser.

In der Nähe gibt es auch ein Lapidarium in einem schönen venezianischen Gebäude aus dem 15. Jh.. Es enthält Bau-Reliquien aus der Kreuzfahrerzeit, Grabplatten, Wappen, Sarkophage. Das Gebäude selbst, besonders ein gotisches Fensterwerk, ist fast sehenswerter als die diversen Steine mit Wappen und stark verwitterten Kapitellen. Einige Wand-Bilder erklären die Bautechnik in alten Kirchen bzw. ergänzen zeichnerisch die verloren gegangenen Teile.

Nun geht es noch mal in Richtung Basar. Hier kann man sehen, was die Leute in dieser Gegend zum Leben brauchen. Sie scheinen sehr bescheiden zu sein: es gibt viele Arten von Gemüse, Käse, Obst und Gewürzen, Fleisch wohl kaum, denn dieser Hallenteil ist fast leer. Nur in den umliegenden Gassen werden Textilien, Kleidung und Mode, vor allem für junge Leute, angeboten.

Entlang der durch militärische Hinweise deutlich erkennbaren Sperrmauer zum griechischen Süden Nicosias kommen wir westwärts durch eine völlig verwahrloste Gegend. In einem Park auf der Roccas-Bastion finden wir einen Kiosk mit schönem Blick auf einen UNO-Beobachtungsturm und weiter nordwärts entlang der hohen Festungsmauer auch auf den angrenzenden griechischen Teil der Stadt. Junge Leute stehen am Maschendrahtzaun und beobachten das dort unten viel lebhaftere Verkehrsaufkommen. Die Burschen, die den Kiosk betreiben, wollen uns den Kaffee schenken, weil wir sie als Gäste aus Österreich offensichtlich ehren. Sie bekommen dafür mehr als den Gegenwert in Euro. Das alles macht uns sehr nachdenklich.

Wir folgen weiter der ehemaligen Stadtmauer mit Blick auf das Ledra-Hotel und kommen wieder zum Kyrenia- oder Girne-Tor. Wir fragen nach einem Internet-Cafe und tatsächlich ist eines gar nicht weit weg. Hotmail ist schnell aufgerufen, aber die türkische Tastatur ist völlig anders als bei uns. Das Sonderzeichen @ kann ich nicht finden. Problematisch sind die zwei i im Türkischen, eines mit und eines ohne i-Punkt. Das Abschicken zweier E-Mails scheint zwar zu gelingen. Aber im Folder der gesendeten E-mails erscheint keine Eintragung. Meine Ahnung sollte sich zu Hause bestätigen, es wird kein E-Mail zu Hause ankommen. So langsam wird uns immer mehr klar, das ist doch ein anderes Land als wir es uns vorgestellt haben. Hier gibt es ja auch kein öffentliches Telefon und vor der Einfahrt in die Altstadt steht auch genug Polizei, die Personenkontrolle durchführt.

Den Rückweg zum Bus-Terminal mussen wir vor 17 Uhr schaffen, denn später geht kein Dolmus-Taxi mehr nach Girne. In zwei Fahrt-Etappen kommen wir wieder gut in Karaoglanoglu an.

Wir bedanken uns für diesen Reisebericht bei Herrn Weisenberg!

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Reiseführer Zypern / Ralph Raymond Braun

Die in eine tür­ki­sche Nord- und eine grie­chi­sche Süd­hälf­te ge­teil­te Insel liegt geo­gra­phisch, eth­nisch und po­li­tisch an der Schwel­le zwi­schen Ori­ent und Ok­zi­dent. Mit ihren viel­fäl­ti­gen Land­schafts­for­ma­tio­nen wie dem zer­klüf­te­ten Hü­gel­land, den Traum­strän­den im Wes­ten oder den rei­chen Wald­be­stän­den im Tródos-Mas­siv ist sie ein Do­ra­do für Na­tur­lieb­ha­ber und Ak­tiv­ur­lau­ber.

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