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Skanderbeg - Albaniens Mythos im Drang nach Freiheit

  • Geschrieben von Portal Editor
Skanderbeg - Albaniens Mythos und Drang nach Freiheit

Schon während des Besuchs im Skanderbeg Museum war der Wunsch nach weiteren Informationen dieses als so mit Mythologien behafteten Kämpfers für Unabhängigkeit und Freiheit strebenden Herrschers gewachsen.

Dabei gilt doch gerade für die Herrscher während des Mittelalters eine gewisse Skepsis als durchaus angebracht, auch wenn sie sich noch so sehr dem religiösem Glauben verschrieben, für die Sache einsetzten und angeblich die Freiheit verteidigten um ihren Bürgern ein besseres Leben vermitteln zu können. Bislang konnte mir niemand auf die Frage, warum denn Kulturgut aus griechisch-römischer Zeit, und dazu zählt auch die Versorgung einer Stadt mit Frischwasser, öffentliche Bäder und Toiletten und selbstverständlich die Entwässerung selbiger Stadt von ihrem Grauwasser und den Fäkalien, für die Römer selbstverständlich, im Mittelalter nicht nur nicht vorhanden sondern auch die dazu notwendigen Techniken sind nicht bekannt. Oder wohin waren demokratische  Grundansätze und Mitbestimmung der Griechen entschwunden?

Doch jetzt zurück zu Skanderbeg, der mit bürgerlichem Namen Gjergj Kastrioti hieß und der jüngste Sohn des Fürsten Gjon Kastrioti I. und dessen Ehefrau Vojsava Branković war. Gjergjs Vater führte seit 1407 fast ständig Krieg gegen die Osmanen. Die Fürstenfamilie hatte vier Söhne und eine Tochter. 1423 wurde der junge Gjergj nach Niederlagen des Vaters mit seinen Brüdern als Geisel an den Hof des Sultans nach Adrianopel geschickt, wo er als Angehöriger der Janitscharen vom christlich-orthodoxen Glauben zum Islam übertrat und die türkischsprachige Form des griechischen Vornamens „Alexander“, İskender, als neuen Namen erhielt. 1438 wurde er von Murad II. als Bey und Wali von Misia, Skuria und Jonima (Hauptort Kruja) ins heimatliche Albanien gesandt.

Als im November 1443 die Ungarn in Niš über die Türken siegten und sein Vater auf Geheiß der Osmanen ermordet wurde, verließ Skanderbeg mit den ihm unterstellten Albanern das Heer des Sultans. Er bemächtigte sich am 27. November 1443 der Festung von Kruja, fiel am folgenden Tag offen vom Sultan ab und konvertierte zum Katholizismus. In der Zeit von 1443 bis 1444 herrschte er über das Fürstentum Kastrioti, das anschließend in ein regionales Verteidigungsbündnis gegen die Osmanen aufging.

1444 verbündete sich der „Türkenkämpfer“ mit albanischen und montenegrinischen Adeligen zur Liga von Lezha. Mit dieser Allianz führte Skanderbeg 18 Jahre erfolgreich Krieg gegen die Osmanen, denen es nicht gelang, sich dauerhaft in Mittel- und Nordalbanien festzusetzen. Kruja wurde von ihnen wiederholt angegriffen, so in den Jahren 1450, 1466, 1467 und 1478.

1451 heiratete Skanderbeg im Kloster Ardenica in Südalbanien Donika Arianiti. Sie war die Tochter des Fürsten von Kanina, Gjergj Arianiti. 1456 wurde sein Sohn Gjon Kastrioti II. aus dieser Ehe geboren, der einzige Nachkomme Skanderbegs.

1461 schloss Skanderbeg einen dreijährigen Waffenstillstand mit Sultan Mehmed II. Obwohl es auch in der Folgezeit zu Scharmützeln kam, wurde im April 1463 in Üsküb (Skopje) ein weiterer Waffenstillstand geschlossen. In dieser ruhigeren Phase des Krieges Anfang der sechziger Jahre war Skanderbeg nach Italien gereist, um Geld und Truppen von seinem Lehnsherrn König Alfons I. von Neapel zu erbitten. Dieser gewährte Skanderbeg eine Pension und schenkte ihm außerdem umfangreiche Ländereien in Süditalien, wohin seine Nachkommen später vor den Osmanen flohen.

Bis zu seinem Tod 1468 verteidigte Skanderbeg Albanien von der Festung Kruja aus gegen das Osmanische Reich. Seine Schwester Mamica half ihm bei der Verteidigung. Sie starb später bei Kämpfen gegen die Osmanen, welche wiederholt versuchten, mit großen Streitmächten die Macht Skanderbegs zu brechen. So belagerten sie mehrfach Kruja, ohne die Festung einnehmen zu können. Die albanischen Truppen waren aber zu schwach, um die Türken komplett zu vertreiben, und die erhoffte Unterstützung von anderen europäischen Herrschern blieb aus.

Skanderbeg starb am 17. Januar 1468 in Lezha an Fieber und wurde dort in einer Kirche begraben. Sein zwölfjähriger Sohn folgte ihm in der Herrschaft nach. Zehn Jahre nach Skanderbegs Tod konnten die Osmanen 1478 Albanien erobern und mehr als 400 Jahre lang beherrschen. Viele Mitglieder der Adelsfamilie der Kastrioti und auch andere Albaner flüchteten danach in die versprochenen Ländereien Süditaliens, deren Nachkommen bis heute die Volksgruppe der Arbëresh bilden. Grab und Kirche Skanderbegs, in der sein Leichnam bestattet worden war, wurden von den Osmanen zerstört beziehungsweise in die Selimiye-Moschee von Lezha umgewandelt. Viele Osmanen sollen Teile seiner Überreste als Talisman mitgenommen haben. Von der Grabeskirche sind heute nur noch wenige Mauerreste zu sehen.

Die Moschee wiederum wurde 1968 zerstört und in den 1970er Jahren darüber ein Denkmal mit Nachbildungen des Helmes und des Schwertes von Skanderbeg errichtet. Die Originale befinden sich im Besitz des Kunsthistorischen Museums Wien und sind in der Hofjagd- und Rüstkammer in der Neuen Burg ausgestellt. Anlässlich des 100. Jahrestages der Ausrufung der Unabhängigkeit der Republik Albanien am 28. November 2012 waren der Helm, das Schwert und weitere persönliche Artefakte für einige Tage im Historischen Nationalmuseum in Tirana ausgestellt.

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