Die antike Pracht der Stadt Stobi in Mazedonien

Detay aus Stobi

Eines der bislang schönsten Erlebnisse während unserer Fahrten durch Mazedonien konnten wir während des Besuchs der antiken Stadt Stobi, direkt neben der Autobahn gelegen, erleben. Hier erwartete uns Goce Pavlovski direkt am Eingangstor, der als Archäologe des Grabungsteams sowie als Repräsentant des National Instituts Stobi fungiert, um uns an diesem Nachmittag in Stobi zu begrüßen und die Ausgrabungen zu erläutern.

Das Theater in Stobi

Schon seitdem wir zum ersten Mal die Ruinen des antiken Stobi passiert hatten, wollten wir zumindest auf einen kurzen Halt und Rundgang durch die historische Stadt stoppen, nicht allein wegen der Ruinen, auch weil ein Zwischenstopp immer für etwas Bewegung des eigenen Körpers sorgt.
Wir hatten schon etwa ein Jahr zuvor die Straßenschilder gesehen, die auf die antike Stadt Stobi verwiesen. Nur einmal, während unserer letzten Passage im Frühjahr, hatten wir kurz angehalten und einen Blick auf das Theater werfen können. Jetzt, mit Goce an unserer Seite, der noch dazu für die Grabungen am Theater verantwortlich ist, konnte wir viele, wichtige Details erfahren.

Das antike Theater in Stobi

So konnte beispielsweise das Theater, das schon im ersten Jahrhundert nach Christus geplant worden war, nie komplett fertig gestellt werden. In der Mitte des zweiten Jahrhundert wurde ein weiterer Versuch unternommen, der allerdings ein geändertes Gesamtkonzept vor sah. Am Ende des dritten Jahrhunderts wurde Renovierungen und Modifizierungen durchgeführt, da heftige Erdbeben wesentliche Bereiche des Theaters zerstört hatten. Zum Ende des vierten Jahrhunderts wurde das Theater komplett aus der städtebaulichen Planung genommen und als Materialquelle genutzt. Ein großer Teil des Materials des Theater wurde für den Bau der östlichen Stadtmauer verwendet.Im sechsten Jahrhundert wurden sogar noch bestehende Reste des Theaters in die neu darauf errichteten Häuser mit integriert.

The building with arches in Stobi

Die Ausgrabungsarbeiten in dem “Gebäude mit den Bögen” dauern, wie auch in anderen Bereichen, immer noch an. Für die halbkreisförmige Grundstruktur des Theaters, die zwischen dem Ende des ersten und dem Beginn des zweiten Jahrhunderts entwickelt wurde, war es ein glücklicher Umstand, dass das Gebäude nach der Zerstörung verlassen wurde und nicht als Materialdepot der Stadt genutzt wurde. Fast die gesamte Dekoration der Wände des Theaters und einige wichtige Architekturelemente wurden in der Stadt gefunden. Bis heute hat man die dann folgende Nutzung des Theaters nicht komplett verstanden. Möglicherweise diente es als riesiges öffentliches Gebäude.

Das kleine römische Bad

Ich kann nur bestätigen, so Goce wenig später, das dies der wohl hübscheste Teil der antiken Stadt ist. Unglücklicherweise haben uns die vorausgegangenen Ausgrabungsarbeiten nur unzureichende Belege über dieses kleine römische Bad hinterlassen. Noch immer klar zu erkennen ist das perfekte Hypokausten Heizungssystem. Es wird unterstellt, das dieses Bad von Frauen genutzt wurde. Nach meiner Auffassung war es definitiv von Frauen und für Frauen konstruiert worden, denn solch ein prachtvolles Bad kann unmöglich von Männern genutzt werden!

Nordbasilika und Volks-Basilika

Da es eines der nördlichsten Gebäude, noch dazu an der nördlichen Stadtmauer gelegen ist, wird diese Kirche mit Nordbasilika bezeichnet. Hier gibt es auch Taufbecken, allerdings sind die Ausgrabungen längst noch nicht abgeschlossen. Direkt im Anschluss an diese Basilika folgt noch eine Volks-Basilika, die überhaupt keine Zeichen der Christianisierung aufweist. In der Konsequenz der Ausgrabungen aus dem Jahr 1970, die seiner Zeit Schichten aus der hellenistischen Periode freigelegt hatten, ist auch dieser Bereich noch weiter ausgegraben worden.

Synagoge Basilika

Im zweiten Jahrhundert nach Christus wurde die erste Synagoge in dem Bereich errichtet, wo auch die hellenistischen Strukturen entdeckt worden waren. Nach einer ersten Zerstörung wurde zwischen dem dritten und dem vierten Jahrhundert eine zweite Synagoge errichtet. Diese beiden Synagogen gelten als sichere Belege, das hier einst auch Gruppen von Juden gelebt haben müssen. Sehr wahrscheinlich ist mit dem Beginn des 5. Jahrhunderts die jetzt sichtbare Basilika direkt auf die Reste der Synagoge aufgebaut worden.

Das Haus der Familie Polycharmos

Das Haus der Familie Polycharmos, die als die Urväter aller Synagogen in Stobi gelten, steht in direkter Verbindung mit dem Synagogen Gebäude, da beide die Südmauer gleichzeitig mit nutzen. Als ein Ergebnis der Ausgrabungen wurde hier vor Ort klar, dass das Haus der Polymarchos zum gleichen Zeitpunkt gebaut wurde wie auch die erste Synagoge entstanden war.

Das öffentliche Bad der antiken Stadt Stobi

.Dies ist das öffentliche Bad der antiken Stadt Stobi, das etwa zum Ende des dritten Jahrhunderts gebaut wurde. Hier gibt es einen Eingang von der Via Axia aus, die die Hauptstraße der Stadt kreuzt. Von hier aus lassen sich sehr gut die Überreste der Hypokaustenanlage erkennen, die einst das zentrale Heizungssystem des Bades war. Von der Feuerungsanlage, die über dem Boden errichtet war, wurde heiße Luft durch die Tunnel der Pfeiler geleitet und von hier aus durch Kanäle in den Wänden und im Fußboden. Es ist immer wieder erstaunlich und überraschend zugleich, das dieses perfekte Heizungssystem der Römer nach dem 5. Jahrhundert in völlige Vergessenheit geraten konnte.

Springbrunnen in Stobi

In der südöstlichen Ecke des Hauses der Peristeria war seiner Zeit eine öffentliche Wasserquelle mit Springbrunnen eingerichtet, die aus dem Material der alten Strukturen hergestellt war. Hier gab es einst einen Kreuzungspunkt zweier belebter Straßen. Gleichzeitig wurde hier Wasser in einem unterirdischen Tunnel unterhalb der Straße zum Brunnen und zum Bad geleitet.

Das Haus der Peristeria

Das Haus der Peristeria, das im Zentrum der Stadt lag, wurde an allen vier Seiten von Straßen umgeben. Nach den uns bislang vorliegenden Informationen, muß das Haus einst ein komplexes Gebäude von mindestens 2 Stockwerken und einer Vielzahl von Zimmern gewesen sein. Die halbkreisförmig gestalteten Räume, die im Foto noch gut zu erkennen sind, waren als Esszimmer für Gäste eingerichtet.

Der Theodosian Tempel

Mitten im Herzen der antiken Stadt Stobi, zwischen den beiden parallelen Hauptstraßen, stand einst der Theodosian Tempel, der nach dem Eroberer Theodosius I benannt wurde, der hier einst im Jahr 388 nach Christus während seines Aufenthalts in Stobi gewohnt hatte. Der wohl eindrucksvollste Teil des Palastes muß einst der nördliche Teil gewesen sein. Eine riesige Halle, die von Säulen und Fluren zu den Korridoren umgeben war, muß mit einer Vielzahl von Mosaiken mit eingelegten Figuren bedeckt gewesen sein.

Die Mosaike von Theodosian Haus

Das Ausgrabungsteam konnte zahllose Mosaike und Rahmenteile auch in benachbarten Strukturen entdecken. Nach der Entdeckung galt es für das Team der Konservatoren, die Mosaike unmittelbar unter Behandlung zum Schutz der Oberflächen zu nehmen. Die Konservierende Behandlung verlangt höchstes Maß an Aufmerksamkeit und Vorsicht und es ist auch unglaublich schwer zu kalkulieren, wieviel Zeit die Rückführung exakt nach Vorlage zurück in das Gebäude in Anspruch nehmen wird. Nach den Vorausberechnungen des Archäologen Goce geht dieser von einer Wiederherstellung der Mosaike an den Originalfundplätzen von etwa Mitte 2015 aus. Wenn nicht noch weitere Entdeckungen diesen Zeitplan zunichte machen werden. Wir freuen uns darauf, dann die vollständigen Mosaike noch einmal zu betrachten.

Die Episkopal Basilika

Die Episkopal Basilika, die das wohl bedeutendste Potential der Christianisierung in der Stadt Stobi zeigt, liegt westlich des Theaters und ihre Existenz kann über zwei verschiedene Epochen verfolgt werden. Für uns ist das Taufbecken der wohl interessanteste Teil der Basilika, hier auch im Foto zu sehen. Die Bodenmosaike, die wir einst schon in der Broschüre von Stobi gesehen hatten und auf die wir erwartungsvoll gewartet hatten, zeigten sich als äußerst eindrucksvoll. Der Mosaikboden, der die Geschichte eines Psalms erzählt, ist mit einem Hirschen und einem Fasan in die Keramik eingefügt. Diese Keramik wird Kantharos genannt und wurde einst zur Bereitstellung von Trinkwasser genutzt.

Flora in Stobi

Nach all den Informationen des Archäologen Goce Pavlovski, der einer der Archäologen unter der Verwaltung und dem Management der Archäologin Silvana Blazevska ist, hatten wir am Abend ein köstliches Essen mit den weiteren Teammitgliedern gemeinsam. ES war ein unvergessliches Erlebnis mit dem gastfreundlichen Ausgrabungsteam von Stobi. Am kommenden Morgen trafen wir uns auf einen Kaffee erneut mit Teammitgliedern und setzten unsere Gespräche mit einigen Neuankömmlingen im Team fort.Wir können nur bestätigen, das wir auf Freunde gestoßen sind, die eine wirkliche Verbundenheit zur antiken Stadt von Stobi von ganzem Herzen aufbauen konnten.

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