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Mainau - blühende Bodenseeinsel im August

  • Geschrieben von Website Editor
Mainau - blühende Bodenseeinsel - auch im August

Die Besprechung gemeinsamer Interessen in der Türkei waren der Grund für Brita und Gerda auf einige Tage nach Augsburg zu kommen, um hier erstmals auch auf Georg zu treffen.

Da wir ihre Vorliebe für romantische Biergärten in idyllischer Atmosphäre kennen, suchten und fanden wir zwei Zimmer in der Abtei Oberschönenfeld als Unterkunft, die neben dem bekanntermaßen guten Essen der Abtei auch die Möglichkeit zum Entspannen und Relaxen bot. Nach ausgiebiger Kaffeepause mit ersten Gesprächen zum Thema Türkei war für den kommenden Tag eine Fahrt auf die Blumeninsel Mainau geplant, die wir vor mehr als 20 Jahren das letzte Mal gesehen hatten.

Am frühen Morgen des folgenden Tags fuhren wir die Landstrasse 300 bis Memmingen, nutzten dann die Autobahn 96 bis Lindau und fuhren dann über Meersburg am Bodensee entlang über Überlingen bis nach Radolfzell, wo wir uns mit Sepp Bögle, dem Steine-Stapler vom Bodensee verabredet hatten. Zu diesem äußerst interessantem Treffen haben wir ja schon einen Bericht online gestellt. Von hier waren es im Anschluss an unser Gespräch mit Sepp lediglich noch 21 Kilometer bis zur Blumeninsel Mainau, die wir bei herrlichem Wetter und wunderschöner Landschaft genießen konnten.

Heute eher als Halbinsel zu beschreiben, denn es führt eine Fahrzeug-Fußgängerbrücke auf die Insel, war schon die Brückenüberquerung ein Erlebnis: Schwärme von Fischen tummelten sich im seichten Wasser des wirklich sauberen Bodensees. Wir waren aufgrund ihrer Größe und Anzahl wirklich überrascht. Wie auch die meisten anderen Besucher richteten wir uns nach dem angebotenen Rundweg, der uns zunächst in die fast mit einer Allee zu beschreibenden Baumreihen von Mammutbäumen führten. Hier, im so genannten Arboretum, das von dem lateinischen Wort Arbor = Baum abgeleitet wurde, gibt es riesige Sammlungen meist exotischer Gehölze, die aus Mammutbäumen, Atlas- und Libanonzedern, Metasequoien und Tulpenbäumen bestehen. Der Reichtum der annähernd 250 Baum- und Gehölzarten im Arboretum  erweißt sich als wirkliches Parkerlebnis, als Ort der Ruhe und Entspannung.

Das Arboretum der Mainau wurde 1853 begründet als Großherzog Friedrich die Mainau erwarb. Nach und nach ließ er fremdländische Gehölze aus fast allen Kontinenten auf dem Hochplateau der Insel anpflanzen, darunter auch das Küstenrotholz (Sequoia sempervirens), das zu den ersten ihrer Art zählte, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Kalifornien nach Europa kamen. Zedern aus schneefreien Regionen des Atlasgebirges (Cedrus atlantica und C. atlantica Glauca), Himalaya-Zedern (C. deodara), Weihrauchzedern und verschiedene Arten von Scheinzypressen (Chamaecyparis). Dazu Riesenlebensbäume (Thuja plicata), die sehr seltene Kalifornische Dufteibe (Torreya californica), mehrere Arten von Tannen (Abies gigantea, A. pinsapo, A. nordmanniana, A. cephalonica) und Fichten (Picea). Für schöne Farbakzente sorgen Magnolien (Magnolia), Japanische Zierkirschen (Prunus). Weitere prachtvolle Exemplare von Taschentuchbaum (Davidia involucrata), Buchen (Fagus), Linden (Tilia), Platanen (Platanus x hispanica), Eichen (Quercus), Nussbäume (Juglans), Katsurabäume (Cercidiphyllum japonicum), Trompetenbäume (Catalpa bignonioides), teilweise mit mächtig ausladenden Schleppenwäldern.

Zwischen den Baumgruppen immer wieder Ansammlungen blühender Blumenfelder, ein herrliches Farbspiel für die Augen, besonders natürlich im Rosengarten am Schloss. Von Ende Mai bis zum ersten Frost zieren 12.000 Rosenpflanzen in mehr als 1.200 Sorten die Bodenseeinsel. Schon Großherzog Friedrich I. von Baden hatte ein Faible für diese edlen Gewächse und lies 1871 aus diesem Grund neben der Schlossterrasse einen Rosengarten anlegen, der in seiner barocken Form bis heute erhalten ist.

Der berühmte Rosengarten der Mainau

Den Anfang der Rosenblüte machen Ende Mai / Anfang Juni die alten Kultursorten wie Apothekerrose, klassische Bourbon-Rose, Moosrose, Kartoffelrose und viele andere mehr. Entlang der so genannten „Promenade der Wild- und Strauchrosen“ veranstalten sie ein wahres Farbspektakel von Gelb über Rosa bis hin zu tiefem Dunkelpurpur. Anders als die meist gefüllten Edelrosen sind die Blüten der Wildrosen einfach und überzeugen weniger durch die Üppigkeit der einzelnen Blüte als durch die Fülle der zarten und schlichten Blüten an den bis 5 m hohen Sträuchern. Wer einmal diesen Weg gegangen ist, wird auch den betörenden Duft aus unzähligen Rosenknospen nicht vergessen. Auch in den Folgemonaten blühen die Rosen entlang des Weges. Dafür sorgen die zahlreichen modernen Züchtungen von öfter- oder Dauer blühenden Strauchrosen.

Nach der Blütenfülle der Wild- und Strauchrosen folgen die Edelrosen, deren Hochblüte bis Mitte Juli reicht. Die meisten Edelrosen gedeihen im „Italienischen Rosengarten“ nahe der Schlossterrasse. Hier zeigt sich die Vielfalt und Schönheit dieser Blumengattung: als reich blühende Büschelrosen auf den Beeten, kunstvoll als Hochstamm gezogen, zu Rosenpyramiden aufgetürmt oder als weit rankende Kletterrose an Pergolen und Rankgerüsten. Im Herbst bringen viele der Rosen noch eine zweite Blüte hervor, manche Sorten öffnen ihre Knospen sogar bis zum ersten Frost.

Auch Liebhaber der exotischen Pflanzenpracht kommen in den Sommermonaten voll auf ihre Kosten. Palmen, Zitronenbäume, fruchtende Bananenstauden, üppig blühende Bougainvilleen und der schwere Duft der Engelstrompeten zeugen davon, dass der Sommer auf seinem Höhepunkt angelangt ist. Doch nicht nur die Exoten bieten eine Sommersinfonie für alle Sinne. In den verschiedenen Blumengärten rund um das Schloss, auf der Italienischen Blumen-Wassertreppe und in den übrigen Beeten lösen ab Mitte Mai Sommerblumen die Frühjahrsblüher ab. Die Gärtner leisten Fleißarbeit, müssen doch mehr als 250.000 Beetpflanzen, darunter viele neue und ausgefallene Züchtungen, herangezogen und ausgepflanzt werden.

Das Schmetterlingshaus zieht uns in seinen Bann

Uns zieht es weiter zum Schmetterlingshaus als einem weiterer Höhepunkt des Mainau-Tages, immerhin das zweitgrößte Schmetterlingshaus Deutschlands. Beim Rundgang durch die exotische Landschaft mit einzigartiger Vegetation kommt echtes Tropenfeeling auf:  Bei einer ca. 90%igen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 25° C und 30° C kann man frei fliegende tropische Tagfalter aus Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika in ca. 120 verschiedenen Arten bestaunen.
Zeitweise sind auch Nachtfalter mit bis zu 30 cm Flügelspannweite zu sehen. 70% der Falter kommen direkt aus den Herkunftsländern, wo sie in speziellen Zuchtfarmen gezüchtet werden. Diese kommen wöchentlich als Puppen auf der Insel Mainau an. Die restlichen 30% vermehren sich direkt im Schmetterlingshaus an den jeweiligen Futterpflanzen.
Dort kann die Entwicklung vom Ei über Raupe (Larve) und Puppe bis zum fertigen Falter beobachtet werden. 
Einige der Schmetterlingsarten im Schmetterlingshaus:
•    Argema mittrei weiblich - Madagaskar Mond Motte
•    Attacus atlas - Atlasspinner
•    Biblis hyperia
•    Chrysiridia croesus
•    Kallima paralekta
•    Morpho achilles
•    Morpho peleides
•    Papilio ophidicephalus
•    Papilio palinurus
•    Papilio rumanzovia

Am Hafen der Insel Mainau angekommen, beschließen wir nach bislang etwa 3 stündigem Rundgang, eine kleine Essenspause einzulegen um danach auch die zweite Parkhälfte zu besichtigen. Brita zeigt besonderes Interesse an der Italienischen Wassertreppe, die sich zu dieser Jahreszeit mit dem Bewuchs durch so genannte Wildblumen und Kräuter prächtig in allen Farben der Natur präsentiert. Kinder nutzen den langen Wasserablauf als Wasserrutsche, die eine Erfrischung  und Spaß gleichzeitig verschafft. Nur wenig weiter finden wir ein Bett, das hoch oben im Baum aufgehängt, als ein fast natürliches Kunstwerk erscheint. Dann treffen wir auf einen Baum, der über und über mit rosa oder weißen Bändern behängt ist. Aus der Türkei ist uns der Ritus des Aufhängens farbiger Bänder als Glücksbringer durchaus bekannt. Auch auf der Insel Mainau gibt es einen solchen Platz. Immer wieder öffnen sich auch die Pflanzen und Bäume am Ufer des Bodensees und erlauben so einen Blick auf den See. So sind nahe der Insel Paddler in ihren Booten unterwegs, die das flache, saubere Wasser am Ufer auch zum Baden nutzen. 
Überhaupt gibt es eine Vielzahl von Aktivitäten auf der Mainau, die ganz speziell auf Kinder und Heranwachsende ausgerichtet sind. So ist es denn auch nicht verwunderlich, das ganze Gruppen von Schülern sich auf der Insel tummeln. Es gibt sogar das Angebot der pädagogischen Arbeit mit den Gruppen, das hier an einem Beispiel aufgezeigt werden soll:

Naturerlebnis mit allen Sinnen

Die Grüne Schule Mainau ist eine außerschulische Umweltbildungseinrichtung und bietet seit mehr als 20 Jahren ein breites Projektangebot für Gruppen und Klassen zu Themen wie Schmetterlingen, Wasser, Gärtnern oder Wald an. Das Team aus Förstern, Sozialpädagogen und fachkundigen Mitarbeitern richtet das Programm nach Wunsch auch individuell auf bildungsplanrelevante Themen des Unterrichts aus. Erfolgserlebnisse und gemeinschaftliche Arbeiten im Freien, zum Beispiel beim Gärtnern oder beim Erkunden des Waldes mit allen Sinnen, wirken sich positiv auf das soziale Verhalten der Kinder aus und fördern den Teamgeist. Die Insel Mainau als Plattform bietet dafür den idealen Rahmen: Mit ihrem tropischen Schmetterlingshaus, ihren Gärten sowie dem Mainauwald auf dem Festland, in dem jede Menge Abenteuer warten. Bei einer naturkundlichen Entdeckungstour über die Insel werden insbesondere genaues Beobachten, Riechen, Hören, Fühlen und Schmecken gefordert. In den Sommerferien Baden-Württembergs bietet die Grüne Schule zusätzlich in Zusammenarbeit mit der Stadt Konstanz je einwöchige Ferienfreizeiten unter einem bestimmten Motto für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren an. Die Grüne Schule Mainau ist Teil des gemeinnützigen Vereins „Gärtnern für Alle e.V.“, die Programme sind ganzjährig buchbar (Tel.:  0 75 31/303 253; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Wald erleben im Erlebniswald Mainau

Auf einer Fläche von 1,6 ha bietet der „Erlebniswald Mainau“ auf dem angrenzenden Festland für Kinder ab zehn Jahren ein unvergessliches Naturerlebnis und spannende Herausforderungen. Er beinhaltet Elemente eines Kletterwalds und Hochseilgartens, einen Sinnespfad, einen aufgeständerten Rundweg sowie einen Baumwipfelweg in bis zu 28 Metern Höhe und naturnahe Baumhäuser. An Seilen und Karabinern gesichert klettert der Besucher in unterschiedlichen Höhen über frei schwingende Astteile, balanciert über eine gespanntes Seil, geht über Hängebrücken und klettert auch mal senkrecht nach oben. Dazu gibt es Elemente wie Schaukeln, Lianen, Kletternetze, eine unglaubliche Vielfalt an Übungen. An einer 80 Meter langen Seilrutsche rauscht der bewegungshungrige Besucher durch die grüne Blattwelt. Daneben erfährt er im Parcours, wie wichtig der Wald für Natur, Mensch und Tier ist. Der Erlebniswald Mainau ist ab dem 26. April bis zum Herbst täglich ab 10.00 Uhr geöffnet und bietet unter anderem auch erlebnisorientierte Veranstaltungen für Schulklassen und Jugendgruppen. Die Teilnehmer müssen mindestens 1,40m groß sein.

Wir sind nach weiteren Stunden des Erkundens der Insel Mainau begeistert von der Arbeit der Gärtner und des sonstigen Angebots, das kaum Wünsche offen lässt, so abwechslungsreich und vielfältig ist das wechselhafte Gesicht der Insel. Ein Wiederkommen zu einer anderen Jahreszeit ist bereits eingeplant. Einfach toll, was Menschen hier geleistet haben.

Bodensee (6. Auflage 2015)

Hans-Peter Siebenhaar

Michael Müller Verlag, 336 Seiten + herausnehmbare Karte (1:250.000), 6. Auflage 2015, farbig, 17,90 EUR (D), 18,40 EUR (A), 26,90 CHF, ISBN 978-3-95654-024-0

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