Nürnberger Christkindlesmarkt - Corona schließt den Markt

Nürnberger Christkindlesmarkt

Leider fällt ja der Weihnachtsmarkt aus, so greifen wir in diesem Fall auf einen aktualisierten Vorjahrestext zurück. Nach einigen obligatorisch-arbeitsreichen und hektischen Tagen der Vorweihnachtszeit, hatte Brita sich den Nachmittag freigenommen, um mit uns von Iphofen nach Nürnberg zum Christkindlesmarkt zu fahren.

Aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Parkplatzsituation im Zentrum Nürnbergs während  der letzten Jahre und auch aufgrund des angekündigten Witterungsumschwungs mit fallenden Temperauren und möglichem Regen, lag es auf der Hand, nicht mit dem eigenen PKW in die Innenstadt zu fahren, sondern das Angebot der Bundesbahn zu nutzen, zumal der Hauptbahnhof Nürnberg direkt im Stadtzentrum unweit des Christkindlesmarktes liegt. Über das Internet hatten wir uns die Abfahrtzeiten am Bahnhof von Iphofen beschafft, so dass wir zeitnah dort eintrafen. Nach etwa 1-stündiger und entspannter Fahrt im wirklich modernen Zug erreichten wir dann den Bahnhof von Nürnberg.

Nach Nürnberg mit dem Zug - einfach entspannend

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_bayern_nuernberger-christkindl-markt-5.jpgJetzt ging es durch die Bahnhofspassage direkt in die Fußgängerzone  der Innenstadt hinein. Neben der festlichen Beleuchtung in den Straßen fielen uns auch die  Stadtmauer und der Festungsturm ins Auge, womit auch gleich einige erste Nachfragen nach der Historie der Nürnberger Innenstadt auftauchten. Auf jeden Fall wird es von unserer Seite im kommenden Jahr auch einen Rundgang durch die Altstadt von Nürnberg geben, dann allerdings bei hoffentlich wärmeren Temperaturen. Zur Besichtigung der Altstadt war es jetzt im Dezember einfach zu kalt.  Schon gab es rechts und links der Straße erste weihnachtlich geschmückte Buden, die auf den Christkindlesmarkt hinwiesen.  Wir hatten schon vorab  von dem starken Besucherandrang  auf einen der größten Weihnachtsmärkte Deutschlands gehört, zu denen zweifellos der Christkindlesmarkt zählt und waren jetzt überrascht, das die Straßen zwar gut gefüllt, aber doch nicht  so extrem überlaufen waren.  Wahrscheinlich noch zu früh am Tag, waren die engen Gassen zwischen den Markbuden noch angenehm zu passieren. Statistiken erzählen von jährlich knapp zwei Millionen Besuchern, worunter allein 7.000 Übernachtungen japanischer Weihnachtsmarktbesucher fallen. Die Japaner stellen damit die größte Gruppe ausländischer Touristen in der Vorweihnachtszeit dar.

Der gesamte Marktplatz ist mit etwa 180 Holzbuden bestückt, die zum Beinamen „Städtlein aus Holz und Tuch“ des Christkindlesmarktes geführt haben. Entsprechend viele Händler bieten ihre Waren feil, sind es hier Köstlichkeiten wie Nürnberger Lebkuchen, Früchtebrot, Glühwein und logischer Weise Nürnberger Rostbratwürstchen, so sind es andererseits typischer Christbaumschmuck vom Rauschgoldengel bis zur Glaskugel. Auch die „Nürnberger Zwetschgenmännla“ fehlen natürlich nicht. Die traditionellen Figuren aus getrockneten Pflaumen werden mit dem Spruch: „Suchst an Moh, der dich nicht ärgern ko, kaufst der hald an Zwetschgermoh" beworben.

Christkindlsmarkt - einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_bayern_nuernberger-christkindl-markt-1.jpgAuch wenn es aus der Entstehungszeit des Christkindlesmarktes kaum Überlieferungen gibt, trifft man doch überall auf „Vergangenes“. Der älteste Nachweis des Marktes datiert aus dem Jahr 1628 in Form einer Schachtel aus Nadelholz, auf deren Boden sich die folgende Inschrift nachlesen lässt: „Regina Susanna Harßdörfferin von der Jungfrau Susanna Eleonora Erbsin zum Kindles-Marck überschickt 1628“, die im Germanischen Nationalmuseum zu sehen ist. Aber es gibt aus den Aufzeichnungen der Stadtgeschichte auch die folgende Anmerkung aus dem Jahr 1610 als „Ratsverlass“ mit dem Hinweis auf „Beschlagnahme unzüchtiger Artikel“ zur Weihnachtszeit des Jahres. Ob sich diese Anordnung  allerdings auf den Christkindlesmarkt bezieht, bleibt unklar. Sehr wahrscheinlich hat sich auch der Nürnberger Weihnachtsmarkt aus einem Wochenmarkt heraus entwickelt, was durch geänderte Schenkungspraktiken nach der Reformation durch Martin Luther ergeben hat. War es bislang der Nikolaustag, an dem Geschenke verteilt wurden, wandelte sich dieser Tag der Bescherung mehr und mehr zum Heiligen Abend. Eine Aufzeichnung aus dem Jahr 1737 zeigt eine Liste von 140 Personen aus dem Kreis der Nürnberger Handwerker, die berechtigt waren, auf dem Markt ihre Produkte anzubieten.

Von Hand gefertigte Produkte soweit das Auge reicht

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_bayern_nuernberger-christkindl-markt-6.jpgNach dem Krieg wurde der Christkindlesmarkt erstmalig im Jahr 1948 wieder eröffnet, zu dem der Chefdramaturg des Theaters, Herr Friedrich Bröger, einen Prolog verfasst hatte, der seit dieser Zeit vom jeweilig gewählten Christkind zur Eröffnung gesprochen wird. Waren zunächst zwei Schauspielerinnen zur Übernahme der Rolle des Christkinds bestimmt (von 1948 bis 1960 Sofie Keeser, bis 1968 Irene Brunner), sind es jetzt immer Mädchen aus der Stadt Nürnberg, die zwischen 16 und 19 Jahre alt sein müssen und von einem Gremium in verschiedenen Zusammenstellungen, letztendlich aber von der Bevölkerung selbst, gewählt werden. Der Prolog wird heute noch vom Christkind gesprochen, das von Schulchören musikalisch begleitet wird. Auch ein Bläserchor der Stadt nimmt an der feierlichen Eröffnung teil.

Im Mittelpunkt des Marktes steht nach wie vor das in Handarbeit hergestellte Krippengebäude aus handbehauenen Holzbalken, das mit einem Strohdach bedeckt und mit dem leuchtenden Weihnachtsstern dekoriert die Weihnachtsgeschichte nacherzählt. Etwa 30 gedrechselte Holzfiguren von jeweils etwa 50 Zentimeter Größe bilden, überwiegend in fränkischer Tracht, dabei den Rahmen der Weihnachtsgeschichte, der mit den Tierfiguren von Schafen, Kamelen, Ochsen und Eseln abgerundet wird. Der Bildhauer Max Renner hatte gemeinsam mit der Malerin Bertl Kuch die Figuren geschaffen, was auf eine Anregung des Stadtbaudirektors Paul Seegy im Jahr 1934 zurückgeht. Im Jahr 1948 zur Wiedereröffnung des Christkindlesmarkt hatten Renner und Kuch alle Figuren noch einmal restauriert. Der Prolog zur Eröffnung ist mittlerweile etwas modernisiert und endet mit der folgenden Strophe:

Ihr Herrn und Frau´n, die Ihr einst Kinder wart,
Seid es heut´ wieder, freut Euch in ihrer Art.
Das Christkind lädt zu seinem Markte ein,
Und wer da kommt, der soll willkommen sein.

Mit der Zeit konnte der Christkindlmarkt sogar erweitert werden

b_450_450_16777215_00_images_deutschland_bayern_nuernberger-christkindl-markt-2.jpgMit der Erweiterung des Marktes im Jahr 1998 wurden erstmalig auch die Nürnberger Partnerstädte mit in den Christkindlesmarkt einbezogen. So sind seitdem die Stände der Partnerstädte Antalya aus der Türkei, Atlanta aus den USA, Charkiw aus der Ukraine, Gera aus Thüringen, Glasgow aus Schottland, Kavala aus Griechenland, Krakau aus Polen, Nizza aus Frankreich, Prag aus Tschechien, San Carlos aus Nicaragua, Shenzhen aus China, Skopje aus Mazedonien und Venedig aus Italien auf dem Markt vertreten.

Ein Jahr später wurde dann der Erweiterung auch noch der Nürnberger Kinderweihnachtsmarkt auf dem Hans-Sachs-Platz hinzugefügt. Hier werden unter anderem Krippen verschiedener Epochen präsentiert, die aus der Geschichte erhalten geblieben sind. Auch ein buntes Programm, das zur Teilnahme auffordert, gehört zum Kinderweihnachtsmarkt dazu, so werden Kerzen gezogen, Glasarbeiten ausgeführt und Weihnachtskekse gebacken. Nebenher gibt es viel Musik, Theater und Zauberei im Sternenhaus, kurz ein rundes Programm auch für die ganz Kleinen.

Langsam füllt sich das Marktgelände trotz eisiger Kälte mehr und mehr. Nach einem wohl mit typisch zu bezeichnendem Essen von Sauerkraut mit Rostbratwürstchen, das mit einem zünftigen Glühwein abgerundet wurde, beenden wir den Besuch des Christkindlesmarktes in Nürnberg. Uns erschien sowohl Größe als auch Andrang zu unpersönlich und überlaufen. Aber das kann wohl nur derjenige sagen, der selbst den Besuch erlebt hat. Interessant war es alle Mal.

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