Zum Weihnachtsmarkt nach Kaufbeuren

Zum Weihnachtsmarkt nach Kaufbeuren

Am späteren Nachmittag machten wir uns mit unseren Gastgebern Lydia und Georg auf den Weg nach Kaufbeuren. Am Tag vor dem 1. Advent hatte der Weihnachtsmarkt in Kaufbeuren bereits geöffnet und so war ein kurzer Rundgang durch die Altstadt mit abschließendem Besuch des Weihnachtsmarktes in der historischen Altstadt geplant.

 

In der Vorweihnachtszeit werden in vielen Orten die Straßen und Häuser weihnachtlich dekoriert und bilden so mit dem meist im historischen Stadtkern eines Ortes gelegenen Weihnachtsmarkt einen festlichen Rahmen mit Lichterketten und funkelnden Dekorationen. Je nach Region unterschiedlich mit Christkindlmarkt, Weihnachts-, Advents- oder auch Glühweinmarkt  bezeichnet, geht der Ursprung dieses heute festlichen Marktes weit bis in das Mittelalter zurück. Zu Beginn der kalten Jahreszeit sollte den Bürgern der Städte noch einmal die Möglichkeit zum Einkauf von Dingen gegeben werden, die zum Überwintern dringend benötigt wurden. Weihnachtsmärkte basierten also ursprünglich auf der reinen Notwendigkeit der Schaffung eines Markt- und Handelsplatzes zur Eindeckung mit Bedarfsgütern der lokalen Bevölkerung.

Erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wandelten sich die Märkte mehr und mehr zu einem Bestandteil des vorweihnachtlichen Geschehens. Auch die Angebotspalette der Waren veränderte sich kontinuierlich. Waren es zuerst Dinge des täglichen Bedarfs zum Lebensunterhalt, wurden nun Dekorationsprodukte, Schmuck und weihnachtlicher Bedarf angeboten. Auch die ursprünglichen Markstände veränderten sich mehr und mehr.
Heute besteht ein typischer Weihnachtsmarkt in der Regel aus einer Anzahl von Verkaufsbuden, die oftmals kleinen historischen Gebäuden oder Hütten aus Holz nachempfunden, in meist historischer Umgebung aufgebaut sind, so das im Zusammensein mit festlicher Beleuchtung und weihnachtlicher Dekoration eine publikumswirksame Kulisse entsteht. Neben dem Verkauf von Weihnachtsdekoration werden oftmals regionale Spezialitäten wie Printen, Lebkuchen, Spekulatius, Christstollen, gebrannte Mandeln, heiße Maronen oder warme Speisen angeboten. Hier in Kaufbeuren waren es Zimtwaffeln, die heiß aus dem Waffeleisen kommend, herrlich duftend nach Abnehmern verlangten. Auch eine Vielzahl von warmen Getränken gehört zum Angebot eines Weihnachtsmarktes, als da sind Glühwein, Feuerzangenbowle, Glühmost oder Punsch, die gerne auch zum Aufwärmen in dieser frostigen Zeit genutzt werden. Mittlerweile ist der Besuch des Weihnachtsmarktes nach der Arbeit, meist gemeinsam mit einigen Kollegen, fast schon zur Tradition geworden. Leider ist es aber gerade der Alkoholkonsum, der dann wiederum negativ im sonst so festlichen Umfeld auffällig ist und eigentlich überhaupt nicht dem weihnachtlichen Gedanken entspricht. Vielerorts wird deshalb der Alkoholausschank bereits reglementiert.

In den Verkaufsständen gibt es natürlich fast die gesamte Bandbreite weihnachtlicher Dekoration im Angebot. Neben den farbenprächtigen Glaskugeln, den Adventssternen und dem Lametta sind es auch wieder regional unterschiedliche Produkte wie Krippen, dem sogenannten „Schwibbogen“ aus dem Erzgebirge, die Weihnachtspyramide oder die breite Palette der Räuchermännchen. Hinzu kommen dann oftmals in Handarbeit hergestellter Schmuck, Pullover oder Schals, Dekorationsmaterialien der unterschiedlichsten Fertigungen. Ein buntes Bild, das immer wieder neue Besucher anlockt, selbst wenn es nur wenige Marktstände gibt.

Häufig wird der Weihnachtsmarkt auch mit einem kulturellem Rahmenprogramm erweitert. So erscheint der Weihnachtsmann, das Christkind oder der Nikolaus um, vor allen den jüngeren Gästen, mit kleinen Präsenten die Vorweihnachtszeit zu verkürzen. An einigen Orten werden handgefertigte Weihnachtskrippen zur Jesusgeschichte oder ergänzende Figurengruppen aufgestellt, manchen Orts gar mit lebenden Tieren wie Schafen und Eseln „dekoriert“. Auch Aufführungen als Krippenspiel sind durchaus üblich, ob nun auf dem Weihnachtsmarkt selbst oder in den Gemeinderäumlichkeiten.
Das wohl wichtigste Dekorationselement stellt allerdings der Weihnachtsbaum dar, der festlich geschmückt und beleuchtet die besondere Attraktion des Marktes ist. Gerade in der doch dunklen Jahreszeit ist die festliche Beleuchtung in den Bäumen eine wunderbare Kulisse, die den Weihnachtsmarkt in der Stadt erweitert, so werden heute nicht nur Tannenbäume festlich beleuchtet.

In der Altstadt von Kaufbeuren war uns der riesige Adventskranz aufgefallen, der den Stadtbrunnen mit der Neptuns Figur fast verschwinden lässt. Mit immerhin acht Metern Durchmesser gilt dieser Adventskranz als der größte, echte Adventskranz der Welt, denn er besteht tatsächlich aus echten Tannenzweigen, die zum Kranz gebunden sind. Die Marketingabteilung der Stadt sorgt mit der Fertigung dieses riesigen Kranzes immer wieder für ein interessantes Spektakel, sind doch allein die etwa 1,50 Meter hohen und bis zu 150 Kilogramm schweren Wachskerzen schon eine Anreise wert. Die typisch roten Stoffbänder des Kranzes nutzen die Neptuns Gabel als Aufhänge Punkt des Kranzes, so dass der Eindruck entsteht, der Adventskranz hänge an Neptuns Gabel. Vom ersten Advent bis zum Dreikönigstag bildete der Neptuns Brunnen mit dem Adventskranz das Zentrum der Stadt. Mit der Segnung durch den evangelischen und katholischen Stadtpfarrer in gemeinsamer Mission wird feierlich die erste Kerze entzündet. Bis Weihnachten wird jetzt allabendlich am Adventskranz gesungen, Geschichten vorgelesen und Süßigkeiten an die jüngeren Teilnehmer verschenkt.

Wir wünschen allen Lesern eine besinnliche Vorweihnachtszeit.

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