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Das Fahrradprojekt „Ciclovia Alpe Adria Radweg“

  • Geschrieben von Portal Editor
Fahrradrojekt „Ciclovia Alpe Adria Radweg

Nach unseren Tagen in Venedig und am Gardasee war als nächste Station mit mehrtägigem Aufenthalt die antike Römerstadt Aquileia und deren Umgebung in der italienschen Provinz Udine als Anfahrtsort eingeplant.

Neben der Besichtigung der Grabungsstätten von Aquileia und Grado hatten wir allerdings im Rahmen unseres Projekts noch ein weiteres, interessantes Besuchs- oder besser Tätigkeitsprogramm geplant, das uns im Rahmen der Internetrecherche als interessante Outdoor-Aktivität unter dem Begriff "Ciclovia Alpe Adria Radweg" einige Male aufgefallen war. Schließlich sind wir immer auf der Suche nach attraktiven Outdoor-Möglichkeiten, die sich ohne immense finanzielle Aufwendungen auch in anderen Regionen Südosteuropas umsetzen, die antiken, kulturell interessanten Städte und Orte dabei mit einbinden und so sanften Tourismus entstehen lassen.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_alpe-adria-route.jpgVernetzungen von Fahrradwegen, die kulturell bedeutsame Plätze und Orte mit einbinden, sind natürlich nichts Neues, in vielen Ländern sind die Fahrradnetzwerke längst etabliert und werden von Tausenden von Fahrradwanderern teilweise mehrfach im Jahr genutzt. Allein unsere Gespräche in Stobi / Mazedonien, die wir mit den dortigen Archäologen führen konnten, haben uns deutlich gemacht, das allein eine gut durchdachte und umgesetzte Grabung, eine wissenschaftlich fundierte Restauration antiken Kulturguts und der dann folgenden Öffnung für den interessierten Touristen noch lange nicht zur Platzierung von sanftem Tourismus im Sinne von Beschäftigung und Broterwerb im Umfeld führt. Wenn dann sogar der Archäologe selbst noch für ausbleibenden Tourismus verantwortlich gemacht wird, ist gehörig etwas falsch gelaufen.

Nach unseren Erfahrungen ist es heute unbedingt notwendig, wenn es um die Bewahrung und die Sicherung von Kulturgut geht, was durch sanften Tourismus zumindest gefördert werden kann, dass immer auch ein attraktives Angebot für den Kulturreisenden daneben angeboten werden muss, um den Aufenthalt am Kulturgut auszuweiten. So gibt es in Stobi, bis auf, man verzeihe den Ausdruck, eine imposante Grabungsstätte mit hervorragend restaurierten Kathedralen, Stadien und Mosaiken wenig, was den Kulturtouristen zum Bleiben motivieren kann. Vielleicht könnte schon ein eingerichteter Stellplatz für Caravan und Wohnmobil, erste angelegte Rad- und Wanderwege und ein wenig Infrastruktur ein erster Schritt sein. Wobei durchaus natürliche Pfade und Wege der Ursprung sein können, wie oft sind wir selbst entsprechenden Ziegenpfaden gefolgt. Wenn dann auch noch die Anbindung an ein Fahrrad- oder Wandernetzwerk wie z.B. entlang der Via Egnatia gelingt, ist ein weiterer Schritt geschafft. Spätestens jetzt kann die lokale Bevölkerung auch einen Nutzen ziehen, in dem sie Unterkünfte, lokale Produkte oder auch Dienstleistungen anbietet. Die Umsetzung dieser Ansatzpunkte zu ergründen, gute Beispiele zu finden, zu erkunden und zu verbreiten, hier liegt eines unserer Projektaufgaben.

Fahrradrojekt „Ciclovia Alpe Adria Radweg“

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_alpe-adria-route-2.jpgWas für Stobi heute noch gilt, galt auch einmal für Aquileia und weitere kulturell bedeutende Städte entlang der alten Römerstraßen Alpe Adria, die einst den Norden Europas mit dem Mittelmeer verband. Dieses bereits vorhandene, wenn auch immer wieder unterbrochene Netzwerk zu nutzen, war der Grundgedanke eines Radwegesystems, das eine grenzüberschreitende Anbindung der entstehenden Radwegenetze der Adria mit denen in Mitteleuropa umsetzen sollte.

Am Anfang stand hinter dem italienisch-österreichischen Projekt „Ciclovia Alpe Adria Radweg“ der gemeinsamer Wunsch der drei teilnehmenden Länder Friaul Julisch Venetien, Kärnten und das Salzburger Land: Ein grenzüberschreitender Radweg, der die Alpen überwindet und das mitteleuropäische Radwegenetz direkt mit der Adria verbindet.

2008 ging das Projekt in die Vorbereitungsphase, in der die Route Salzburg-Villach-Udine-Aquileia / Grado festgelegt wurde. Der Vorteil dieser Route bestand darin, in relativ kurzer Zeit befahrbar zu sein, weil bereits über längere Abschnitte Radwege vorhanden oder im Bau waren und für die restlichen Teilstrecken verkehrsarme Nebenstraßen zur Verfügung standen.

Das riesige Projekt, dessen Kosten sich auf insgesamt 1,2 Mill. Euro belaufen, ging als Sieger der Ausschreibung, die ihm Rahmen des europäischen Programms zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Interreg IV Italien-Österreich 2007-2013 durchgeführt wurde, hervor. Die Stärke des Projekts liegt in der Zusammenarbeit zwischen den Projektpartnern bei der Realisierung der infrastrukturellen Arbeiten (Radwegebau) und den gemeinsamen Marketingmaßnahmen.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_alpe-adria-route-1.jpgDie infrastrukturellen Arbeiten sind bereits abgeschlossen: Dank der Kofinanzierung der Europäischen Union konnten drei wichtige Teilstücke des Alpe Adria Radweges realisiert werden:
Werfen im Salzburger Land
Arnoldstein – Thörl Maglern in Kärnten
Cervignano – Grado in Friaul Julisch Venetien

Ein erstes, grenzüberschreitendes Event fand bereits statt: Im Juni 2010 wurde die Etappe Arnoldstein – Thörl Maglern im Beisein der beiden Landeshauptmänner von Kärnten und Friaul Julisch Venetien eröffnet. Sie wurden auf der Strecke von Villach über Arnoldstein und Coccau bis Tarvis von Hunderten von Radlern aus Österreich, Italien und Slowenien begleitet. Eine weitere Eröffnung fand im Frühjahr 2014 in Friaul Julisch Venetien statt.

Radweg - Ein Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit ...

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_alpe-adria-route-3.jpgDas Projekt „Ciclovia Alpe Adria Radweg (CAAR)“ ist ein gutes Praxisbeispiel für von der EU-geförderte Kooperationen, die nicht nur auf eine Verbesserung der grenzüberschreitenden Verbindungen und die Entwicklung der Grenzregionen abzielen. Ganz wesentlich ist auch die Steigerung der nachhaltigen Mobilität als konkrete Maßnahme im Hinblick auf die von der Europäischen Union eingegangene Verpflichtung, die Emissionen an Treibhausgasen bis 2020 um 20 Prozent zu senken.

Das bereits genannte Teilstück Cervignano bis Grado in Friaul Julisch Venetien haben wir dann auch selbst zurückgelegt, dabei unsere Gedanken durch Stichworte und Bilder fixiert, Anmerkungen und Ideen notiert, auf Besichtigungen während der ersten Tour allerdings weitestgehend verzichtet, die wir später in Einzelberichten allerdings noch nachliefern werden.

... und Minderung des CO2-Ausstoßes

Unser "Einstiegsort" in den Ciclovia Alpe Adria Radweg war das kleine Städtchen Cervignano del Friuli, etwa auf halber Strecke zwischen Palmanova und Aquileia gelegen, etwa 19 Kilometer waren es dann entlang der Landstraße 352 bis Grado. Als Ausgangsstandort, wir hatten den Wohnwagen auf dem Platz des Camper Club "La Foce Dell Ísonzo" in Staranzano abgestellt (wir werden den Platz noch gesondert vorstellen, da er ein gutes Beispiel für die Gesamteinrichtung gelten kann). Einzig der Weg bis an die Fahrradroute heran, war teilweise problematisch, da keine abgetrennten Radwege zur Verfügung standen. Dies galt besonders für die Brückenüberquerung des Isonzo, wo einfach der Tagesverkehr zu stark war. Es sei an dieser Stelle aber angemerkt, das sich weitere Camping- oder Stellplätze auch nahe des Ciclovia Alpe Adria Radweg befinden, bzw. man am Ausbau des Radwegesystems bis Staranzano plant.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_alpe-adria-route-4.jpgDer Fahrradweg ist, von Cervignano aus, komplett neu asphaltiert, was das Radeln durch das sowieso flache Gelände sehr einfach macht. Ohne es jetzt groß zu beachten passierten wir dann das ca. 115 Meter lange Forum von Aquileia mit seinem rekonstruierten Säulenreihen. Vorbei ging es auch am Zelt der Tourismusorganisation, die uns dankenswerterweise mit Plänen des Radwegenetzes versehen hatten. Schon wenig später waren wir auf dem schmalen Verbindungsdamm zwischen Aquileia und Grado angekommen. Eine Vielzahl von Inseln rechts des Dammes weckte unser Interesse dabei genauso, wie wenig später der moderne Teil des Ortes Grado, den man ohne Zweifel als El Dorado für Wasserfahrzeuge umschreiben kann.

Von hier aus geht es auf dem Schutzdamm direkt am Meer weiter, bis sich ein riesiges Naturschutzreservat, das sich bis zum Mündungsdelta des Isonzo-Flusses und parallel zu seinem Verlauf anschließt. Ein riesiges Areal, das unzähligen Vogelarten Schutz und Überlebensmöglichkeiten bietet. Vogelbeobachter aus vielen Ländern kommen hierher zum "birds watch". Jetzt, im November, war aufgrund der starken Regenfälle der Fluss in weiten Bereichen über seine Ufer getreten, so das der eigentliche Lauf kaum noch zu erkennen war.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_alpe-adria-route-5.jpgGetrost können hier die Räder auch abgestellt werden und man setzt zu Fuß den Weg in das Mündungsdelta fort. Am Rand der Lagune trafen wir auch auf ein kleines Fischerdorf, das fast noch als mittelalterlich einzustufen gewesen wäre, hätte es nicht teilweise Außenbordmotoren im Einsatz gegeben.

Für uns war es eine sehr interessante Erfahrung, dieses Teilstücks des Radwegs zu befahren, zeigt er doch einmal mehr, wie stark davon auch die antiken Stätten oder interessanten Ortsteile profitieren können. Entspannt kann man sich die Tagesrouten einplanen, so das für die Besichtigungen unterwegs ebenfalls Zeit genug verbleibt. Wir werden auch den Weg in Richtung Udine noch erkunden, der über die künstliche Militärstadt Palmanova führt.

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