Calais – Migrantenhafen am Weg nach England

Calais – französischer Fährhafen am Weg nach England

Nach vielen Jahren Abstinenz hatte es uns einmal wieder nach England getrieben, so kurz vor dem wie ein Damoklesschwert über der Insel hängenden Austrittsversuch aus der EU, wo noch niemand wirklich weiß, was in der Folge alles noch passieren wird.

Typisch für unsere Zeit allerdings, dass immer noch Menschen glauben, sie könnten das Rad der Zeit mit nationalistischen Gedanken und Taten zurückdrehen oder auch nur aufhalten. Den klare Blick nach vorn gerichtet, ist dies wohl nur mit Augenwischerei und Perspektivlosigkeit in der eigenen Gedankenwelt zu erklären, zu verstehen ist es nicht. Globalisierung ist die Chance, nicht das Gegenteil davon.

So führte uns der Weg zwangsläufig zu einem Fährhafen und wir entschieden uns für die Überfahrt dieses Mal für Calais, einer kleinen Stadt mit allerdings wichtigem Fährhafen in Nordfrankreich im Departement Pas-de-Calais. Calais überblickt die Straße von Dover, die engste Stelle des Ärmelkanals, die hier nur 34 km breit ist und die nächstgelegene französische Stadt auf dem Weg nach England ist. Die weißen Klippen von Dover sind an klaren Tagen von Calais aus gut zu sehen. Calais ist wohl der wichtigste Hafen für Fähren zwischen Frankreich und England. Allerdings verbindet seit 1994 der Kanaltunnel das nahe gelegene Coquelles mit Folkestone auf der Schiene.

Altstadt und Neustadt Calais mit markanten Wahrzeichen

b_450_450_16777215_00_images_allgemeines_aktuelle_nachrichten_calais-1.jpgDie Altstadt, Calais-Nord, liegt auf einer künstlichen Insel, die von Kanälen und Häfen umgeben ist. Der moderne Stadtteil St-Pierre liegt im Süden und Südosten. Im Zentrum der Altstadt befindet sich der Place d'Armes, auf dem der Tour du Guet, ein Wachturm von stattlicher Größe steht. Ein Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert, das bis 1848 als Leuchtturm diente und damit schon auf die geschichtsträchtige Bedeutung der Stadt verweist.

Südöstlich des Ortes befindet sich die Kirche Notre-Dame, die während der englischen Besetzung von Calais erbaut wurde. Es ist wohl die einzige Kirche in ganz Frankreich, die im englisch-senkrechten Stil erbaut wurde. In dieser Kirche heiratete der frühere französische Präsident Charles de Gaulle seine Frau Yvonne Vendroux. Südlich des Place und gegenüber dem Parc St Pierre befindet sich das Hôtel de Ville (Rathaus) und der Glockenturm aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert. Heute wird Calais jährlich von mehr als 10 Millionen Menschen besucht. Calais ist nicht nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, sondern auch ein bemerkenswerter Fischereihafen und ein Zentrum für Fischvermarktung.

 

Die Römer nannten es Caletum

Die Kenntnisse über die frühe Geschichte der Besiedlung in der Region sind begrenzt. Die Römer nannten die Siedlung Caletum und Julius Caesar versammelte hier einst 800 bis 1.000 Segelboote, fünf Legionen und etwa 2.000 Pferde, um Britannia anzugreifen. Vor dem 10. Jahrhundert war Calais ein flämischsprachiges Fischerdorf an einem von Kieselsteinen und einem Bach gesäumten Sandstrand mit einem natürlichen Hafen am Westrand der frühmittelalterlichen Mündung des Fluss Aa. Als sich der Kies- und Sandkamm von Calais nach Osten erstreckte, entwickelte sich der Hafen dahinter zu einem Moor, während sich die Mündung zunehmend mit Schlick und Torf füllte.

Migranten in Calais – zurück nach vorgestern?

b_450_450_16777215_00_images_allgemeines_aktuelle_nachrichten_calais-2.jpgSeit 1999 oder auch schon früher kamen immer mehr illegale Migranten und Asylbewerber in der Nähe von Calais an, die dann im so genannten Dschungel von Calais lebten, wie eine Reihe der provisorischen Lager genannt wurde. Die Menschen lebten dort unter schrecklichen Bedingungen auf dem Weg ins gelobte Land, das für sie Verbesserung von Lebensbedingungen und Einkommen bedeutete. Um in das Vereinigte Königreich einzureisen wollten sie jede Möglichkeit nutzen, indem sie sich in Lastwagen, Fähren, Autos oder Zügen versteckten, die durch den Hafen von Calais oder den Eurotunnel Calais Terminal nach England fuhren. Die Menschen waren eine Mischung aus Asylbewerbern und Wirtschaftsmigranten aus Darfur, Afghanistan, Syrien, dem Irak, Eritrea und anderen unterentwickelten Ländern. Wer hat diese Länder auf der Suche nach Rohstoffen und Ressourcen ausgebeutet und wundert sich jetzt, dass auch diese Menschen aus diesen Ländern am Leben teilhaben wolle.

Die Migrantenkrise in Calais führte im Sommer 2015 zu einer Eskalation der Spannungen zwischen Großbritannien und Frankreich. Das Vereinigte Königreich warf Frankreich vor, nicht genug getan zu haben, um Migranten am Betreten des Tunnels zu hindern, oder versucht zu haben, Zäune entlang der Grenze zu erklimmen. Der britische Premierminister David Cameron veröffentlichte eine Erklärung, wonach illegale Einwanderer aus Großbritannien abgeschoben würden, selbst wenn sie die Insel erreichten. Um Migranten und Flüchtlinge davon abzuhalten, auf Zugshuttles in Calais zu springen, lieferte die britische Regierung Zäune für den Eurotunnel, in dem die Fahrzeuge auf Zugshuttles in Calais verladen werden.

Am 26. Oktober 2016 gaben die französischen Behörden bekannt, dass das Lager geräumt wurde. Ob damit ein Problem gelöst wurde?????

Denken wir an die Situation im Mittelmeer heute. Führt nationaler Egoismus zu Lösungen oder werden die Probleme eher verschärft?

Bitte lesen Sie auch:

Alle Wege führen nach Rom
Umsiedeln nach Hermannstadt - heute Sibiu in Siebenbürgen

Geschichte

Kultur

Leben | Outdoor