90 Jahre - Türkischer Nationalfeiertag in Bremen

90 Jahre - Türkischer Nationalfeiertag im Bremer Rathaus

Die starken Verbindungen zwischen Türkenund Deutschen, zumindest was die zwischenmenschlichen Beziehungen angeht, zeigten sich einmal mehr sehr präsent aus Anlass der 90-Jahr-Feier zum Bestehen der Türkischen Republik, die in Bremen im Rahmen einer Feierstunde im Festsaal des Rathauses stattfand.

Seit Jahren bereits gibt es enge Kooperationen zwischen den türkischen Vereinen und Organisationen mit der Stadtverwaltung der Hansestadt Bremen, die während der verschiedenen Grußworte entsprechend gewürdigt wurden. Nicht zuletzt sei an dieser Stelle noch einmal auf die Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Izmir verwiesen, die in diesem Jahr mit dem Besuch des Bremer Oberbürgermeisters Jens Böhrnsen während des Deutsch-Türkischen Freundschaftsfestes in Izmir einen Höhepunkt fand.

Im wohl bedeutsamsten Raum des Rathauses, der Oberen Halle, die mit ihren Ausmaßen von 41 Metern Länge und 8 Metern Breite bei einer Raumhöhe von 8 Metern zu den größten stützenlosen profanen Hallen des Mittelalters in Nordeuropa zählt, war ein wahrlich würdiger Raum für die Feierstunde gefunden worden. Schon beim Betreten der Halle bleibt der Blick unwillkürlich an Decke, den Wänden, überhaupt an der gesamten Raumausstattung fasziniert hängen. Die flache, ornamental bemalte Holzdecke, gehalten von einer kunstvollen Konstruktion aus mächtigen Eichenstämmen ist ein Beispiel exzellenter Handwerkskunst. 33, allerdings 1857 übermalte Kaisermedaillons, von Karl bis Sigismund, zieren die reich ornamentierte Decke und propagieren damit den Status einer unmittelbar dem Reich untergebenen Stadt. Von der Decke herab hängen Modelle von Orlogschiffen (Kriegsschiffe, die die Konvois der Kaufleute begleiteten) aus den Jahren 1545, 1650, 1770 und 1779. Mit den Miniaturkanonen einiger Schiffe wurden früher sogar Böllerschüsse bei Festen abgeben. Der Kronleuchter mit dem Doppeladler war 1869 ein Geschenk aus dem Schütting. Allein Ausstattung und Historie der Oberen Halle reichen für einen ausgiebigen Besuch, den wir später sicherlich noch einmal vornehmen werden.

Den festlichen Teil des Abends begann die Bürgermeisterin der Freien Hansestadt Bremen Karoline Linnert mit der Begrüßung der Gäste und einem kleinen Rückblick auf die langjährige Kooperation zwischen türkischen und deutschen Bürgern in der Stadt Bremen, die nicht zuletzt durch viele politische Maßnahmen unterstützt und gewürdigt wurden. Insbesondere der Staatsvertrag zwischen der Stadt und den hier lebenden Muslimen, der u.a. die drei islamischen Feiertage mit dem Buß- und Bettag gleichstellt, wurde in ihrer Begrüßungsrede erläutert. Es folgte ein Grußwort von Mehmet Günay, Generalkonsul der Republik Türkei, der neben der Betonung der positiven Zusammenarbeit auch in einem kurzen Referat auf Zahlen und Daten zur Republikgründung einging. Zwischen den Vorträgen sorgte die Grup Pamukkale für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung. Die Honorarkonsulin der Republik Türkei, Yasemin Vierkötter, ging in ihrer abschließenden Rede auf weitere Ziele der Zusammenarbeit ein, bevor das applaudierende Publikum die historische Obere Halle verließ, um sich am Büfett bei türkisch-deutscher Konversation zu stärken.

Zur Geschichte der Republik Türkei

Die Geschichte der Republik Türkei begann am 29. Oktober 1923 mit deren Ausrufung durch Mustafa Kemal Pascha und der Verlegung der Hauptstadt von İstanbul nach Ankara. Vorausgegangen waren der faktische Zusammenbruch des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg, der türkische Befreiungskrieg und die AbsetzungSultan Mehmeds VI. Dessen Nachfolger Abdülmecid II. trug nur noch den Titel des Kalifen. Mit seiner Absetzung am 3. März 1924 war die osmanische Dynastie endgültig entmachtet.

Im Laufe seiner Amtszeit führte Atatürk tief greifende Reformen im politischen und gesellschaftlichen System durch, die dieTürkei in einen modernen, säkularen und am Westen orientierten Staat verwandeln sollten. Im Jahre 1922 wurde das Sultanat abgeschafft und am 29. Oktober 1923 das Kalifat. Am 20. April 1924 trat eine neue Verfassung in Kraft, durch die unter anderem die religiösen Gerichte abgeschafft wurden. Im Jahr 1925 wurden im Zuge einer Hut Reform der Fez (traditionelle türkische Kopfbedeckung der Männer) verboten. Später wurde der Schleier für die Frau verboten und die Koedukation eingeführt. Im selben Jahr wurden sowohl die islamische Zeitrechnung als auch der parallel verwendete Rumi-Kalender abgeschafft und durch den Gregorianischen Kalender ersetzt. Zudem wurde das metrische System eingeführt.

In den folgenden Jahren wurden ganze Rechtssysteme aus europäischen Ländern übernommen und den türkischen Verhältnissen angepasst. 1926 wurde zunächst das Schweizer Privatrecht mit dessen Quellen – Zivilgesetzbuch und Obligationenrecht – und damit die Einehe, das Scheidungsrecht und die Gleichstellung von Mann und Frau übernommen. Es folgten das deutsche Handelsrecht und das italienische Strafrecht. Durch Verfassungsänderungen in den Jahren 1928 und 1937 wurden Säkularisierung und Laizismus in der Verfassung verankert und 1928 die arabische Schrift durch die Lateinische ersetzt. Am 11. Dezember 1934 bekamen Frauen durch das Gesetz Nr. 2599 das aktive sowie passive Wahlrecht.

Türkischer Nationalismus, Laizismus, Republikanismus, Etatismus, Revolutionismus und Populismus.

Grundlage Atatürks Handelns war die Ideologie des Kemalismus, der auf sechs Prinzipien basiert: türkischer Nationalismus, Laizismus, Republikanismus, Etatismus, Revolutionismus und Populismus.

Die Reformen wurden von traditionalistischen Kräften nicht ohne Widerstand hingenommen. So kam es am 13. Februar 1925 zu einem Aufstand der kurdischen Minderheit unter Scheich Said. Sie bildete eine Mischung aus kurdischem Nationalismus und einem Widerstand der Geistlichen gegen die Säkularisierung der Türkei. Der Aufstand wurde wie andere Aufstände durch das Militär gewaltsam niedergeschlagen.

Atatürks Reformen haben einen tief greifenden sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Wandel erreicht, der das Land bis heute prägt. Gleichwohl hatte er Elemente des Osmanischen Reiches beibehalten, wie z. B. die autoritäre Staatsführung oder die Vorherrschaft des Militärs und der Beamtenschaft.

Nach dem Tode Atatürks im Jahre 1938 wurde sein Weggefährte İsmet İnönü Staatspräsident. Inönü war bestrebt, die Modernisierung der Türkei fortzuführen und die außenpolitische Neutralität beizubehalten. Er erreichte auf diplomatischem Weg die letzte territoriale Veränderung: Hatay (Sandschak Alexandrette), seit 1920 französisches Mandatsgebiet, wurde 1938 unabhängige Republik und 1939 türkische Provinz (Hauptstadt: İskenderun).

Ein Beispiel der Deutsch-türkische Freundschaft: Ehrung für Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat den diesjährigen Kybele-Preis 2013 erhalten. DieDeutsch-Türkische Föderation (DTF) ehrt mit dieser jährlichen Auszeichnung in diesem Jahr Angela Merkels "Anstrengungen bei der Integration". "Wir stehen für eine harmonische und friedliche Koexistenz der Völker in unserer Gesellschaft", sagte Cihan Sendan, Bundesvorsitzender des Vereins. Mit dem Preis wolle die DTF Merkel und ihrem Amt Respekt entgegenbringen, so Sendan.

Die CDU-Vorsitzende forderte, "immer wieder deutlich zu machen", wie groß der Respekt vor den türkischstämmigen Menschen in Deutschland sei. Das Land müsse Zuwanderer stärker als bisher integrieren. "Es reicht nicht aus, ein Land zu sein mit einer hohen Migrationsquote, sondern wir müssen auch zu einem Integrationsland werden", sagte Merkel. Zunehmende Vielfalt bedeute Bereicherung, Integration stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In Deutschland lebten etwa 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, das sei dauerhafte Realität. Darum müssten die Integrationsanstrengungen verstärkt werden.

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