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Thessaloniki - Metropole - Moderne und Historie

  • Geschrieben von Portal Editor
Thessaloniki - Griechische Metropole

Nach unseren ersten Erkundungen in Thessaloniki, die bei uns für einige, nicht erwartete Aha-Erlebnisse gesorgt hatte, ist es an der Zeit, eine erstes Zwischenbilanz unseres Besuchs in Thessaloniki zu ziehen.

Aufschlussreich und unerwartet waren wir auf das Fahrradewegenetz gestoßen, um nur ein Beispiel zu nennen. Auf der einen Seite sind da die aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts so typischen Plattenbauten, die auch an der herrlichen Uferpromenade des Thermaischen Golf dominieren, dann öffnen sich inmitten der Häuserschluchten plötzlich tiefe Ausgrabungsfundorte antiker Bauten aus der römischen Kaiserzeit. Freiräume, die Platzcharakter aufweisen und in ihrer Bebauung architektonisch an die Gründerzeit erinnern neben engen, fast komplett zu geparkten Straßenzügen, die aber mit dichten, Schatten spendendem Baumbestand in Form von Alleen natürlich grün erscheinen. Traditioneller Wochenmarkt mit Fisch- und Fleischtheken im Außenbereich des Modiano Marktes neben hypermodernen Bars und Restaurants an manchmal unscheinbaren Örtlichkeiten. Eine überaus junge und quirlige Stadt, so zumindest das Straßenbild, die sich ihrer Kultur und Geschichte aber durchaus bewusst ist.

Im Laufe der Geschichte hat Thessaloniki vor allem aufgrund der Lage an der Via Egnatia nie an Bedeutung für Handel und Wirtschaft verloren, trotz der wechselhaften "Führungskräfte" von Römern und Byzantinern und fungierte hinter Konstantinopel als das zweitgrößte Handels- und Kulturzentrum des byzantinischen Reichs. Thessaloniki wuchs zu einer der Metropolen des Byzantinischen Reichs heran, die durch ihre mächtigen und stetig wachsenden Stadtmauern beinahe allen feindlichen Angriffen von slawischer Seite standhalten konnte. Lediglich im Jahre 904 wurde Thessaloniki von den Sarazenen erobert und ausgeraubt. Erst zu Zeiten der Kreuzzüge gegen Ende des 12. Jahrhunderts ist das Byzantinische Reich durch innere Konflikte geschwächt, bevor bis 1261 verschiedene Besatzer wie u.a. die Venezianer über die Stadt herrschten, Venedig erhielt dann sogar ein eigenes Stadtviertel.

Im 10 - 13. Jahrhundert blühte Thessaloniki durch den regen Handel der Venezianer wirtschaftlich allerdings auf, was sich unter anderem auch durch den Bau vieler Kirchen ausdrückte. Für Thessaloniki begann eine glanzvolle Epoche, von der auch heute noch zahlreiche Kirchenbauten zeugen, die Hagia Apostoloi, die Hagia Ekaterini, das Vlatades-Kloster oder auch die große Mole, die den Hafen schützte und von der ein Teil bis heute erhalten ist. Man hat manchmal den Eindruck, dass man das Alter der Gebäude tatsächlich daran erkennen kann, wie tief es im heutigen Geländeniveau gegründet ist. Allein die Funde der römischen Via Egnatia direkt an der modernen Straße Egnatia liegen etwa 5 Meter unter heutigem Straßenniveau.

Thessaloniki fühlte sich als ein Zentrum der Wissenschaft: Thomas Magister (1270–1325), Demetrios Triklinios (1280–1340), der heilige Gregorios Palamas (1296–1359) oder Demetrios Kydones (1324–1397) wirkten hier.

Am 29. März 1430 eroberten, nach fast zweimonatiger Belagerung durch Sultan Murad II., die Türken Thessaloniki und fügten es ihrem Osmanischen Reich ein, aus Thessaloniki wurde Selânik. Im 17. Jahrhundert war Selânik wichtigstes Handelszentrum des Balkans. 1821/1822 schlugen osmanische Truppen den aufflammenden griechischen Befreiungskampf nieder, der im Süden Griechenlands erfolgreich war und dort zur Gründung des Königreichs Griechenland führte. Doch auch diese lange Periode der osmanischen Fremdherrschaft, die immerhin in Teilen des Landes bis 1913 andauerte und somit auch tiefe Spuren hinterließ, konnte nichts daran ändern, dass Thessaloniki die größte und wichtigste Stadt auf dem heutigen griechischen Terrain war. 1869 wurden die südlichen Teile der byzantinischen Stadtmauer niedergerissen, um Platz für die Stadterweiterung zu schaffen. Am 6. Mai 1876 töteten verärgerte Muslime bei einem Tumult den deutschen und den französischen Konsul, was die diplomatischen Beziehungen zum Osmanischen Reich erheblich belastete.

1871 wurde die Eisenbahnlinie nach Skopje gebaut und 1888 über Belgrad an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen, sowie 1896 nach Osten bis Dedeağaç, dem heutigen Alexandroupolis fortgeführt. 1893 wurde die erste Straßenbahn installiert, die von russischen und ungarischen Pferden gezogen wurde und zur weiteren Expansion der Stadt beitrug. In dieser Zeit wurde auch das einzige bulgarische Gymnasium im osmanischen Reich, das zunächst unter dem Namen Bulgarische Männerschule „Gymnasium Kyrill und Method“ bekannt war, errichtet. Später folgte auch eine Frauenschule. 1888 entstand die Deutsche Schule Thessaloniki, die 1915 bis 1924 und 1944 bis 1956, also infolge der Weltkriege, geschlossen war.

Im 19. Jahrhundert dann erlebte Thessaloniki einen wahren Wachstumsschub. Binnen 30 Jahren (1865 bis 1895) verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf mehr als 120.000 Einwohner, darunter auch Persönlichkeiten wie den späteren türkischen Republikbegründer Mustafa Kemal Atatürk, der 1881 in Thessaloniki geboren wurde (sein Geburtshaus ist heute Museum und Teil des türkischen Konsulats). Im Jahre 1908 nahm die Jungtürkische Revolution mit İsmail Enver und Mustafa Kemal von Thessaloniki aus ihren Anfang. 1909 verbannten die Jungtürken den abgesetzten Sultan Abdülhamid II. nach Thessaloniki und stellten ihn in der Villa Alatini unter Hausarrest. Thessaloniki blieb bis zu den Balkankriegen unter osmanischer Herrschaft.

Nach den beiden Balkan-Kriegen in 1912 und 1913 wurde noch im Jahre 1913 Thessaloniki zusammen mit großen Teilen Makedoniens Griechenland zugesprochen wurde. Dies hatte zur Folge, dass fast alle Moscheen abgerissen oder wieder zu Kirchen zurück gebaut wurden.

Die Stadt wurde am 4. September 1890 durch ein komplexes Feuer schwer beschädigt, welches 20.000 Menschen, überwiegend Juden, obdachlos machte. Unter anderem brannten das europäische Viertel mit dem britischen und dem griechischen Konsulat, das griechische Krankenhaus, die Sophienkirche, die byzantinische Kirche mit dem Regierungsarchiv, die Metropolitenkirche und sieben Synagogen nieder.

Nachdem Vitaliano Poselli sich erfolgreich als Architekt in Thessaloniki etabliert hatte, folgte um 1890 sein Landsmann Pierro Arigoni, die beide zahlreiche private und öffentliche Bauten entwarfen und wesentlich das Bild der Stadt prägten, darunter auch die Straßenzüge am Aristoteles Square bis hinauf zur Egnatia.

Im zweiten Weltkrieg dann waren es die Deutschen, die die Stadt nicht nur besetzt hielten und die größte sephardische Judengemeinde Europas (50.000 Menschen) nahezu vollständig deportierten und auslöschten, was für viele Griechen bis heute unvergessen ist. Nach dem griechischen Bürgerkrieg, nur 4 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, war es Ziel vieler Griechen, eine Bürgerabstimmung über die Staatsform und den Abzug sämtlicher noch in Griechenland stationierter Alliierter zu erreichen Endlich konnte mit dem Wiederaufbau Thessalonikis begonnen werden und auch die Wirtschaft wurde wieder angekurbelt. Heute ist Thessaloniki mit rund einer Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt Griechenlands und das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Makedoniens.

Obwohl die Stadt viele interessante Sehenswürdigkeiten vorzuweisen hat und urban geprägt ist, wird sie oft nur als Durchreisestation zu den Touristengebieten auf der Halbinsel Chalkidiki genutzt. In Ladadika, das ehemals das Viertel der Olivenölhändler war, findet man einen Stadtteil mit vielen traditionellen und auch preiswerten Tavernen und Ouzerien. ES gibt noch vieles zu entdecken. Bleiben Sie neugierig.

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