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Wanderung Kloppstockquelle und zum Bismarckturm

Wanderung zur Kloppstockquelle und zum Bismarckturm

Nach dem Besuch der Landesschule Pforta und dem etwas besserem Kennenlernen eines seiner „Meisterschüler“, Friedrich Gottlieb Kloppstock (wir berichten im Anschluss an die Einführung), wollten wir auch den an der Schule beginnenden Rundwanderweg zum Bismarckturm erwandern, der auch an die nach dem Schriftsteller benannten Quelle vorbei führt.

Direkt vor dem imposanten Torportal der Landesschule halten wir uns rechts und erreichen nach etwa 50m einen Wanderweg, den wir erst nach rechts gehen um kurz danach links auf den Höhenweg abzubiegen. Auf der Höhe folgen wir diesem nicht nach rechts, sondern suchen uns den geradeaus führenden Pfad, der direkt bis zum Bismarckturm führt. Auf dem Weg zurück nehmen wir den Grottenweg, der unmittelbar hinter dem Grundstück des Bismarckturmes abzweigt. Kurz vor der Ankunft an der Landesschule passieren wir noch kurz die Klopstockquelle, deren Wasser den Geist wie einst den des Friedrich Gottlieb Kloppstock erfrischen soll.

Als ein Teil verschiedener Wanderwege kann dieser Rundweg auch als Teil des Finne Wanderwegs angesehen werden, so auch seine Wanderung entlang der kleinen Saale bereits in Bad Kösen seine Wanderung beginnen.

Jugendjahre Kloppstocks in Schulpforte

b_450_450_16777215_00_images_kultur_literatur_f-g-kloppstock-schulpforte.jpgFriedrich Gottlieb Klopstock wuchs als ältestes von 17 Kindern in einer pietistischen Familie auf. Nach dem Besuch des Quedlinburger Gymnasiums kam Friedrich Gottlieb Klopstock im Alter von 15 Jahren auf die Fürstenschule in Schulpforte, in der er eine gründliche humanistische Schulausbildung erhielt. Klopstock las die griechischen und lateinischen Klassiker: Homer, Pindar, Vergil und Horaz. Hier machte er außerdem die ersten eigenen dichterischen Versuche und verfasste einen ersten Plan zum Messias, einem religiösen Epos.

1745 begann er ein Studium der evangelischen Theologie in Jena und verfasste dort auch die ersten drei Gesänge des Messias, die er zunächst in Prosa anlegte. Nach der Übersiedlung nach Leipzig wurde im folgenden Jahr das Werk in Hexameter umgearbeitet. Das Erscheinen der ersten Teile 1748 in den Bremer Beiträgen erregte großes Aufsehen und wurde zum Vorbild der Messiaden-Literatur seiner Epoche. In Leipzig schuf Klopstock auch die ersten Oden. Nach beendetem Theologiestudium nahm er in Langensalza eine Hauslehrerstelle an. In den zwei Jahren seines Aufenthaltes in Langensalza erlebte Klopstock die leidenschaftliche Liebe zu dem Mädchen Maria-Sophia Schmidt, den Rausch der Hoffnung, die Enttäuschung und schließlich die Elegie der Entsagung. Das führte dazu, dass er in diesen zwei Jahren die schönsten seiner früheren Oden für die unnahbare Geliebte dichtete.

Erste Erfolge und Einladung an den dänischen Königshof

b_450_450_16777215_00_images_kultur_literatur_f-g-kloppstock-quelle-1.jpgDie Veröffentlichung der Oden entfachte einen Begeisterungssturm unter den Gegnern der bis dahin vorherrschenden „vernünftigen“ Poetik Johann Christoph Gottscheds. Es war die Geburtsstunde der reinen Dichtung.

Es wurden Kontakte zu Johann Jakob Bodmer geknüpft, der Klopstock nach Zürich einlud, wohin dieser 1750 reiste. Nach acht Monaten ging er auf Einladung König Friedrichs V. nach Dänemark. Durch Friedrichs Unterstützung konnte er seine erdsten Werk vollenden. König Friedrich gewährte ihm eine Lebensrente von jährlich 400 (später 800) Talern. Drei Jahre seines Lebens verbrachte er in Dänemark.

Als ein Vater des deutschen Nationalstaatsgedankens war Klopstock ein Befürworter der Französischen Revolution, welche er in dem Gedicht von 1789 Kennet euch selbst als „edelste Tat des Jahrhunderts“ bezeichnete; die Deutschen rief Klopstock ebenfalls zur Revolution auf. 1792 nahm ihn die französische Nationalversammlung als Ehrenbürger auf. Später geißelte er jedoch die Auswüchse der Revolution in dem Gedicht „Die Jakobiner“ von 1793. Hier kritisierte er das Jakobinerregime, das aus der Französischen Revolution hervorgegangen war, als Schlange, die sich durch ganz Frankreich windet.

Keine Volkssouveränität – eher Aldermänner an der Macht

b_450_450_16777215_00_images_kultur_literatur_f-g-kloppstock-quelle.jpgKlopstocks aufgeklärte Utopie „Die deutsche Gelehrtenrepublik“ (1774) ist ein Konzept, das für die als regierungsunfähig angesehene Fürstenherrschaft eine gebildete Elite in die Macht einsetzt. Die Republik soll von „Aldermännern“, „Zünften“ und „dem Volke“ regiert werden, wobei den ersteren – als den gelehrtesten – die größten Befugnisse zukommen sollte, Zünften und Volk entsprechend weniger. Der „Pöbel“ hingegen bekäme höchstens einen „Schreier“ auf dem Landtage, denn Klopstock traute dem Volk keine Volkssouveränität zu. Bildung ist in dieser Republik das höchste Gut und qualifiziert ihren Träger zu höheren Ämtern. Entsprechend dem gelehrsamen Umgang geht es in dieser Republik äußerst pazifistisch zu: Als Strafen zwischen den Gelehrten veranschlagt Klopstock Naserümpfen, Hohngelächter und Stirnrunzeln. Dies stellte besondere Erfordernisse an die Vollstrecker:

„Wer ihrer einer werden will, muß hauptsächlich zwey Eigenschaften haben, nämlich eine grosse Geschiklichkeit, sich sehr ausdrückend zu gebehrden; und dann ein gar besondres Larvengesicht, wobey vornämlich die Grösse und Gestalt der Nase mit in Betrachtung kommen. Der Hohnlacher muß ausser diesem (er kriegt aber auch mehr verewigte Maculatur zur Besoldung als die andern) eine sehr starke, und zugleich rauhe Stimme haben. Man pflegt wol den Schreyer von der Landesverweisung loszusprechen, und ihn zum Hohnlacher zu erheben, wenn seine Nase die erforderlichen Eigenschaften zu dieser Verrichtung hat.“

Ihnen viel Spaß auf dem Weg durch die Geschichte der Literatur und zur Kloppstockquelle.

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