Adventskranz – Dekoration oder religiöses Symbol?

Adventskranz – dekoratives Tischelement oder religiöses Symbol

In fast allen Häusern und Wohnungen Europas erfreuen sich die Bewohner an den Adventskränzen, die während der Vorweihnachtszeit als dekoratives Tischelement oder hängend in den Wohnungseingängen zu bestaunen sind.

Überwiegend aus geflochtenen Tannenzweigen bestehend und mit vier, häufig roten Kerzen bestückt, oft zusätzlich mit roten Bändern versehen, werden nacheinander die Kerzen vom ersten Adventssonntag an, gezündet. So das übliche Ritual, das für viele Familien zur Adventszeit einfach dazu gehört. Bleibt die Frage, welchem Gedankengut der Adventskranz eigentlich entstammt.  Grund genug, die Recherche über das Internet ein wenig voran zu treiben.

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Entsprechend einer Legende aus Hamburg soll der evangelisch-lutherische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern (1808–1881) sich einiger in Armut lebender Kinder angenommen haben. Zur besseren Versorgung und Betreuung der Kinder bezog Wichern gemeinsam mit ihnen ein altes Bauernhaus, das mit „Rauhe Haus“ bezeichnet wurde. Wie in allen Familien zur Weihnachtszeit üblich, waren auch die Kinder im Haus Wichern sehr ungeduldig, wann denn nun endlich das Weihnachtsfest mit der Bescherung erfolgen würde. So kam der Theologe und Erzieher Wichern auf die Idee, den Kindern ein Hilfsmittel zur Zeitplanung zu bauen. Er nahm ein altes Wagenrad, das nur noch aus Holzkranz und Speichen bestand und befestigte auf dem Holzkranz 20 rote Kerzen sowie vier weiße Kerzen. Treffenderweise entzündete Wichern mit dem Beginn der Adventszeit die erste Kerze und lies dann jeden Tag eine weitere Kerze folgen. Nun war es kein Problem mehr für die Kinder, einfach die noch fehlenden Tage bis zur Bescherung abzuzählen. Noch heute hängt ein, dem Beispiel Wicherns folgender Adventskranz, im Kirchenraum der Sankt Michaelis Kirche in Hamburg sowie auch im immer noch bestehenden „Rauhen Haus“.

Der Adventskranz mit vier roten Kerzen

Diese Geschichte gilt als Ursprung der gesellschaftlichen Einführung des Adventskranzes im Jahr 1839 im überwiegend protestantischen Teil der Bevölkerung Norddeutschlands. Langsam breitete sich der Adventskranz über das Land aus, doch erst Mitte des folgenden Jahrhunderts war er auch in überwiegend katholischen Gegenden anzutreffen. Parallel entstand dabei der Adventskranz mit nur vier Kerzen, für den jeweiligen Adventssonntag je eine Kerze. Die Anzahl der Kerzen des traditionellen Kranzes von Wichern war entsprechend der Anzahl der Tage vor dem Heiligen Abend immer unterschiedlich, minimal 18 rote Kerzen, wenn der Heilige Abend mit dem vierten Adventsonntag zusammen fiel, bis zu maximal 24 roten Kerzen wenn der Heilige Abend auf einen Samstag fällt. Zusätzlich waren für die Adventssonntage immer vier weiße Kerzen vorhanden. Etwa um 1860 begann man den Adventskranz aus Tannengrün zu fertigen. Erstmalig wurde im Jahr 1925 ein Adventskranz in einer katholischen Kirche in Köln aufgehängt, fünf Jahre später erstmalig ein Adventskranz in München.

Allerdings gibt es ein Gedicht von Hermann Claudius (1878 – 1980), das einen Adventskranz beschreibt. Dieses Gedicht wurde zunächst immer dem Großvater Matthias Claudius (1740 – 1815) zugesprochen, was bedeutet hätte, das Wicherns Adventskranz nicht der Ursprung des Gedankens hätte sein können. Heute weiß man aufgrund weiterer Schriften den Autor exakt zu bestimmen, es war Hermann Claudius.

Seit der flächendeckenden Eroberung der Wohnzimmer durch den Adventskranz versucht man allerdings auch eine gewisse Symbolik in den Kranz hinein zu deuten. Unsere Recherchen konnten dabei allerdings keine verlässlichen Quellen entdecken. So versuchen vor allem einige kirchliche Deutungen, die am besten mit Zunahme des Lichts (jeweils eine Kerze mehr) als Ausdruck steigender Freude und Erwartung auf die Geburt Jesu Christi als „Licht der Welt“ versucht wird. Ähnliche Deutungsversuche gibt es auch hinlänglich der Kreisform des Kranzes, hinlänglich der verwendeten Farben der Kerzen und Schleifen sowie auch wegen des verwendeten Tannengrüns. Die Kreisform soll dabei auf die Symbolik durch die mit der Auferstehung gegebene Ewigkeit des Lebens verweisen, wie auch Grün die Farbe der Hoffnung und des Lebens ist. Auch der Bezug zum Erdkreis und die damit verbundenen vier Himmelsrichtungen werden durch die Kreisform symbolisiert.

Violett statt rot - die Farbe der Katholiken

In der katholischen Kirche und auch einigen überwiegend katholischen Landstrichen findet man teilweise Adventskränze mit drei violetten und einer rosa Kerze. Die rosa Kerze wird an diesen Kränzen dann am jeweils dritten Adventssonntag entzündet, der in der katholischen Kirche eine besondere Bedeutung hat. Dieser Sonntag, der mit „Gaudete“ aus dem lateinischen für „Freuet euch“ zu übersetzen ist, soll mit der rosa Kerze besonders betont werden. Die am Adventskranz verwendete Farbsymbolik der Kerzen hat oftmals aber auch Bezug zu den liturgischen Farben der Paramente. So ist die typische Farbe des Advents grundsätzlich das Violett. In der katholischen Kirche gibt es aus dem Benediktionale auch einen Ritus für die Segnung des Adventskranzes.

Im katholischen Teil Irlands besetzt man den sonst ähnlich gestalteten Adventskränzen gar mit fünf Kerzen. Ähnlich wie in Deutschland verwendet man auch drei violette Kerzen zum Zeichen der Adventszeit am ersten, zweiten und am vierten Adventssonntag, die vierte Kerze in Rosa am Sonntag Gaudete (dritter Adventssonntag) und als fünfte Kerze eine weiße Kerze für den Heiligen Abend. Im überwiegend protestantischen Norwegen werden die traditionellen Farben aller vier Kerzen in violett genutzt, in Schweden dagegen ist die Kerze des ersten Adventssonntags weiß. Alle Weiteren sind violett. Warum in Deutschland überwiegend rote Kerzen eingesetzt werden, ist uns bislang unbekannt.

Es gibt auch die Sitte, das vier verschieden farbige Kerzen in violett, rot, rosa und weiß eingesetzt werden. Dies geschieht oftmals auch unter Nutzung der aus der Liturgie stammenden Bezeichnung der jeweiligen Adventssonntage, so heißen die Kerzen dann Isaiaskerze, Johanneskerze, Marienkerze, usw. Auch sollen die Kerzen immer nebeneinander, nicht gegenüberliegend, entzündet werden, so die Tradition. Auch sollen Adventskerzen am Kranz immer entgegen der Uhrzeigerrichtung entzündet werden. Trotz vieler Nachfragen, konnte wir das „warum“ nicht beantwortet bekommen.

Es ist ein wunderschöner Brauch, so unser Eindruck, der Festlichkeit und Ruhe, Besinnlichkeit und Wärme, ausstrahlt. Freuen wir uns immer wieder auf die Vielfältigkeit der meist in kreativer Handarbeit im Kreise der Familie fertiggestellten Adventskränze in der ansonsten überwiegend grauen Jahreszeit.

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