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Freilichttheater Giebelstadt - Die Macht des Blutes

  • Geschrieben von Portal Editor
Freilichttheater Giebelstadt - Die Macht des Blutes

Die fränkische Kleinstadt Giebelstadt ist wahrscheinlich nach der alemannischen Adelssippe der Gibule benannt und wurde im Jahr 820 erstmals urkundlich erwähnt.

Im 13. und 14. Jahrhundert verfügten die Ministerialengeschlechter der Familien Geyer und Zobel hier über Grundbesitz und Lehen und übten im Dorf gemeinsam die mittelalterlichen Herrschaftsrechte der Kirche und Kirchenfürsten aus. Von dieser Zeit zeugen heute noch die Ruine des Geyerschlosses, die jetzt das Bühnenbild der Freilichttheateraufführung bildete. Später wurden die Familien von Geyer und Zobel Gefolgsleute der Bischöfe von Würzburg, von denen sie ihren Stammsitz, das Untere Schloss von Giebelstadt und weitere bedeutende Güter in der Umgebung als Lehen erhielten.

Einer der bekanntesten Vertreter der Familie war Florian Geyer, ein fränkischer Reichsritter, Truppenführer im Dienst des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Ansbach und Diplomat, der um 1490 geboren wurde. Er unterstützte die aufständischen Bauern während des Bauernkrieges finanziell und militärisch und übernahm im Bauernkrieg 1525 die Führung des so genannten Tauberhaufens. Dies ist im Groben der Hintergrund der Aufführung der Episode "Die Macht des Blutes" aus dem Leben des Ritters Florian Geyer, die wir im Freilichttheater in Giebelstadt erleben durften. Laienschauspieler aus dem Ort und der näheren Umgebung spielen die üblen Geschichten des grausigen Mittelalters um Intrigen und Komplette, um Unterdrückung und Ausbeutung in historischen Gewändern sehr farbenprächtig nach. Die Aufführung wird durch die immer wieder zum Einsatz kommenden Pferdepassagen wirklich zeitnah lebendig. Vielleicht einige weitere Details zur Hintergrundgeschichte:

Aus dem fränkischen Adelsgeschlecht Geyer von Giebelstadt stammend, wurde Florian Geyer als jüngster von drei Brüdern geboren. Nachdem sein Vater Dietrich und seine beiden älteren Brüder gestorben waren, erbte er schon sehr jung ein beachtliches Vermögen und umfangreiche Ländereien, die ihm fortan ein von finanziellen Sorgen freies Leben erlaubten.

Von 1512 bis 1513 führte ihn eine Reise zu Heinrich VIII. 1517 wurde er nach einem Zinsstreit mit dem Kollegiatstift Neumünster, das eine 350 Jahre alte Forderung ohne Beleg von ihm einforderte, exkommuniziert und blieb bis zu seinem Tode im Bann.

1519 diente er als Lehnsmann des Markgrafen Kasimir von Ansbach im Heer des Schwäbischen Bundes als Landsknechtsführer in einer Strafexpedition gegen Herzog Ulrich von Württemberg und unter anderem auch gegen dessen Amtmann in Möckmühl, Götz von Berlichingen.

Ebenfalls in diesem Jahr trat Geyer auf Bitte seines Lehnsherrn in die Dienste von dessen Bruder, dem Hochmeister des Deutschen Ordens Albrecht von Brandenburg-Ansbach, um ihn bei einer drohenden Auseinandersetzung mit dem Königreich Polen als erfahrener Hauptmann zu unterstützen. Bis 1523 stand er als Truppenführer im Dienst des Hochmeisters, für den er, als sich die militärische Lage ungünstig entwickelte, in diplomatischer Mission die Höfe Europas besuchte.

Er führte 1520 die Waffenstillstandsverhandlungen mit Polen und nahm 1523 an den Verhandlungen des Schweinfurter Rittertages teil. Im gleichen Jahr begleitete er seinen Fürsten zu einem Gespräch mit Martin Luther in Wittenberg.

Florian Geyer war bei Ausbruch des Bauernkrieges im Jahr 1525 als Berater und Verhandlungsführer der Tauberbauern tätig.

Er unterstützte die Organisation des Bauernheeres und half bei der Erarbeitung strategischer Grundsätze. Es gelang ihm als Unterhändler, mehrere kleinere Städte, unter anderem Rothenburg ob der Tauber, zu gewinnen. Er führte Verhandlungen mit Würzburg und dem Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth. Sein Ziel im Kampf gegen das Landesfürstentum war eine auf Bauern- und Bürgertum gegründete Reichsreform, vor allem die Beseitigung der geistlichen und adligen Vorrechte mit der lutherischen Lehre als moralischer Grundlage. Geyer vermochte sich bei den radikalisierten Bauern mit seiner gemäßigten Anschauung jedoch nicht durchzusetzen und stieß wegen seiner adeligen Herkunft oft auf Misstrauen.

Erst als die Truppen des Schwäbischen Bundes unter Georg Truchsess von Waldburg-Zeil sich gegen die Bauern in Marsch setzten und ihnen erste schwere Niederlagen beibrachten, wurde auf Anraten Geyers der Versuch gemacht, einen Frieden unter Vermittlung seines einstigen Lehnsherrn auszuhandeln. Geyer reiste nach Rothenburg, um die Eskorte Kasimirs zu erwarten. Nach der Niederlage der Bauern in der Entscheidungsschlacht bei Ingolstadt in Unterfranken und Königshofen wurde der noch auf die Eskorte wartende Geyer vom Stadtrat aus der Stadt Rothenburg ausgewiesen und ritt allein nach Norden.

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1525 soll Geyer von zwei Knechten Wilhelm von Grumbachs im Gramschatzer Wald bei Würzburg ausgeraubt und erstochen worden sein; eindeutige Belege hierfür sind jedoch nicht bekannt. Der Verbleib seines Leichnams sowie die Lage seines Grabes sind unbekannt.

Gerhart Hauptmann schuf 1894/1895 das Drama "Florian Geyer".

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