Thalheim – Projekt Bienenfreundliche Gemeinde

Thalheim – Projekt Bienenfreundliche Gemeinde

Zunächst ein kurzer Blick auf ein Eckgrundstück an belebter Straße in Thalheim bei Wels, fast direkt am Ufer des Flusses Traun.

Ein zweiter Blick wurde notwendig, da das Gehirn wohl nicht glauben wollte, was das Auge gerade an Informationen weitergeleitet hatte: ein Restgrundstück wird im Sinne eines großzügigen Bienenhotels mit Infrastruktur zur Verfügung gestellt und dem Bienenleben angepasst ausgebaut! Klar, die kleinen Bienenhotels für den eigenen Garten sind nicht nur hundertfach im Einsatz, man findet sie auch in städtischen Gärten. Hut ab Thalheim, ein Beispiel zum Nachahmen.

Neu für uns, die komplette Anlage eines für Bienen gerechten Gartens mit Pflanzen, Totholzbereichen, erläuternden Tafeln und Ruhezone für Mensch und Tier, in der Komplexität uns bislang unbekannt. Keine Frage: Die Bestäubung von Pflanzen ist für Mensch und Umwelt äußerst wichtig, denn ungefähr 70 Prozent der rund 150 wichtigsten Nutzpflanzen weltweit profitierten laut Expertenangaben davon. Und klar auch, dass Bienen-, bzw. Insektensterben betrifft uns alle und ist mehr als übel, denn noch immer nicht erkennt die Politik, dass sich der Landbau wieder den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen anzupassen hat und nicht nur dem Profitstreben der Agrarindustrie. Es ist schon eine Schande, wenn noch kurz vor dem Wechsel vom Amt des Landwirtschaftsministers ein seit vielen Jahren bekanntes "Unkrautvernichtungsmittel" seine Existenzverlängerung quasi durch die Hintertür erhält.

Bienen und andere Bestäuber von existenzieller Bedeutung

b_450_450_16777215_00_images_leben_fauna_thalheim-bienenfreundlich-1.jpgDabei sind Bienen längst nicht die einzigen Bestäuber. Auch Fliegen, Wespen, Käfer, Schmetterlinge und Motten tragen Pollen von Blüte zu Blüte. Natürlich sind auch nicht alle Bienenarten zugleich bedroht vom Aussterben bedroht. Immer wieder wird in der Debatte um das Bienensterben suggeriert, es ginge nur um Honigbienen. Das Problem daran ist: die Honigbienen gehört weit weniger zu den gefährdeten Arten, denn sie sind Nutztiere, werden von Menschen in Bienenstöcken gehalten und pfleglich umsorgt. Hier gilt eher: Sinkt das Interesse und der Profit, sinkt auch die Zahl der Bienen.

"Die Honigbiene wird das letzte Insekt sein, das ausstirbt", sagte einmal Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim dem "ZEIT Magazin". "Sie ist nicht bedroht, solange es Imker gibt."

Bedroht sind viele Wildbienen, die kaum jemand kennt

b_450_450_16777215_00_images_leben_fauna_thalheim-bienenfreundlich-3.jpgÄrgerlich ist das Missverständnis, weil dadurch das eigentliche Problem in den Hintergrund gedrängt wird. Tatsächlich bedroht sind viele Wildbienenarten. Sie leben meist allein statt in Völkern, sind vielen Menschen kaum bekannt und trotzdem äußerst wichtige Bestäuber. Allein in Österreich gibt es etwa 690 Arten, nur eine davon ist die Honigbiene, was sehr anschaulich auf den Schautafeln nachzulesen ist. Laut Internationaler Naturschutzunion ist in Europa ungefähr jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht. Bei mehr als der Hälfte der Arten gibt es noch nicht einmal verlässlichen Daten zu den Beständen.

Hinzu kommt, dass die Zahl der - teils bestäubenden - Insekten insgesamt zurückgeht. Das genaue Ausmaß des Insektensterbens ist nicht bekannt, weil der Bestand nur in Einzelfällen über lange Zeiträume hinweg dokumentiert wurde. Auch über die Gründe herrscht Uneinigkeit. Forscher gehen davon aus, dass große Felder und Monokulturen in der Landwirtschaft sowie schwindender Lebensraum durch die Ausbreitung von Städten eine gewichtige Rolle spielen.

Monokulturen in großflächigem Anbau und Pestizide als Ursache?

b_450_450_16777215_00_images_leben_fauna_thalheim-bienenfreundlich-2.jpgUmweltschützer nennen immer wieder einzelne Pestizide wie beispielsweise Glyphosat als Ursache für das Schwinden und werden dabei oftmals als grüne Spinner abgetan. Denn eigentlich richtet sich das Mittel doch gar nicht gegen Insekten, sondern gegen Pflanzen, denn es wird zur Unkrautbekämpfung genutzt. Unkraut, was ist das denn? Und ist das „Unkraut“ nicht mit seiner Blütenvielfalt auch eine Nahrungsgrundlage im Leben der Insekten?

Unabhängig von politischen Maßnahmen, die meist nur wirtschaftlichen Interessen dient, können Privatleute Bienen das Leben erleichtern - zum Beispiel, indem sie es mit dem Gärtnern nicht zu genau nehmen. Eine bunte Blumenwiese statt englischem Rasen kann Bienen vom Frühjahr bis zum Herbst Pollen liefern. Wildbienen benötigen zudem Löcher in Ästen oder Höhlen im Boden, um Nester zu bauen. Ihnen kann ein Insektenhotel Rückzugsmöglichkeiten bieten, wie hier im Projekt der Stadt Thalbach sehr einprägsam aufgezeigt wird.

Nochmals Hut ab, liebe Gemeinde Thalheim! Ein ganzes Grundstück für die Bienen und Insekten ohne der Profitgier (Veräußerung des Grundstücks) Folge zu leisten. Sicherlich war es nicht, ein Grundstück nicht dem Profitstreben zu opfern. Aber Danke dafür.

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