Der Olivenbaum - geschichtliche Betrachtung

kulturgeschichtliche Betrachtung des Ölbaumes

Während unserer Rückfahrt von Istanbul über die Dardanellen in Richtung Izmir passierten wir auch die Region um das Touristenstädtchen Ayvalik.

Wie fast überall in der Türkei boomt auch hier die Baubranche und häufig kommt es gerade deshalb zu gravierenden Kahlschlägen in der Natur, auch wenn diese "nur" aus riesigen Hainen tausender Olivenbäume besteht. Ayvalik ist eines der Zentren türkischer Olivenplantagen, berühmt für exzellente Qualität nativen Olivenöls, das aufgrund seiner Inhaltstoffe so gesund ist. Noch bestehen die meisten der Haine, die Flächen bis zum Horizont bedecken und im Vorbeifahren das Auge immer wieder auf die immer grünen, teilweise uralten Bäume lenken.

Die Kulturgeschichte der auch mit Ölbaum bezeichneten Olive reicht bis weit in die Antike zurück, allein das Alter mancher Bäume beträgt viele Jahrhunderte, wie sich anhand knorriger Stämme schnell und einfach belegen lässt. In archäologischen Grabungen hat man Funde von Olivenkernen gemacht, die weit über 9.000 Jahre alt sind. Natürlich handelt es sich hier um Früchte wilder Oliven, denn zu der Zeit war landwirtschaftlicher Kulturbau noch nicht bekannt, die damaligen Menschen waren überwiegend Sammler und Jäger. Wilde Oliven wuchsen weit verbreitet an den Küsten des Mittelmeeres. Wann Olivenbäume erstmalig als Kulturpflanzen angebaut wurden, ist bislang wissenschaftlich umstritten. Man vermutet, dass eventuell auf Kreta aber vor allem in Syrien um die Jahre um 4.000 vor Christus erstmals Olivenbäume zur Nutzung kultiviert wurden. Die dann eingewanderten Israeliten fanden den Olivenbaum schon vor. Die Könige David und Salomo förderten seinen Anbau. Man benutzte das Öl zu Speisen, bei Opfergaben, als Brennöl und zum Salben des Haars und des ganzen menschlichen Körpers.

Es gibt es Vielzahl von Hinweisen zur Nutzung des Baumes und seiner Früchte in den Aufzeichnungen der antiken Frühzeit. Aus Homers Erzählungen in der Ilias weiß man, dass Olivenöl zum Salben des Körpers genutzt wurde, was aber der "Oberschicht" vorbehalten war:

„Doch der Atreid’, ausziehend das Schwert voll silberner Buckeln, sprang auf Peisandros hinan. Der hob die schimmernde Streitaxt unter dem Schild, die ehrne, geschmückt mit dem Stiele von Ölbaum, schön geglättet und lang; und sie drangen zugleich aneinander.“ (Homer: Ilias, 13. Gesang, 610–613).

„Innerhalb des Gehegs war ein weit umschattender Ölbaum, stark und blühenden Wuchses; der Stamm glich Säulen an Dicke. Rings um diesen erbaut’ ich von dicht geordneten Steinen unser Ehegemach, und wölbte die obere Decke und verschloss die Pforte mit fest einfugenden Flügeln. Hierauf kappt’ ich die Äste des weit umschattenden Ölbaums und behaute den Stamm an der Wurzel, glättet’ ihn ringsum künstlich und schön mit dem Erz, und nach dem Maße der Richtschnur; schnitzt’ ihn zum Fuße des Bettes, und bohrt’ ihn rings mit dem Bohrer, fügte Bohlen daran, und baute das zierliche Bette, welches mit Gold und Silber und Elfenbeine geschmückt war und durchzog es mit Riemen von purpurfarbener Stierhaut.“ (Odyssee, 23. Gesang, 190–201).

Homers Beschreibungen umfassen allerdings mehr das Holz der Olive, das aufgrund seiner Festigkeit zur Herstellung von Stielen für Werkzeuge und Äxte genutzt wurde. Der griechischen Sage entsprechend, hatten die Götter Athene und Poseidon einst einen Wettstreit ausgetragen. Als Gewinner sollte derjenige gelten, der den Bewohnern von Athen das sinnvollere Geschenk überbringt. Athene setzte sich mit dem von ihr erschaffenen Olivenbaum durch, der den antiken Griechen als heilig galt. In zahlreichen, damaligen griechischen Stadtstaaten war es sogar gesetzlich verboten, Olivenbäume zu fällen.

Auch die Erwähnungen in der Bibel deuten auf die große Bedeutung des Olivenbaumes hin:

„Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: ‚Sei du unser König.‘ Der Ölbaum sagte zu ihnen: ‚Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?‘“ (Buch der Richter, 9, 8-9).

„Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noah, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.“ (Genesis, 8, 11).

„Ob aber nun etliche von den Zweigen ausgebrochen sind und du, da du ein wilder Ölbaum warst, bist unter sie gepfropft und teilhaftig geworden der Wurzel und des Safts im Ölbaum, so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmst du dich aber wider sie, so sollst du wissen, dass du die Wurzel nicht trägst, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römerbrief, 11, 17-18).

Vergleichbare deutbare Aufzeichnungen zur Bedeutung des Ölbaums gibt es auch im Koran:

„Und "ER" ist es, der aus dem Himmel Wasser nieder sendet; damit bringen wir alle Arten von Pflanzen hervor; … und Oliven- und Granatapfel-(Bäume) …“ (Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim, Sure 6:99 „Das Vieh“).

„Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist gleich einer Nische, in der sich eine Lampe befindet: Die Lampe … Angezündet (wird die Lampe) von einem gesegneten Ölbaum, der weder östlich noch westlich ist, dessen Öl beinahe leuchten würde, auch wenn das Feuer es nicht berührte.“ (Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim, Sure 24:35 „Das Licht“).

„Alsdann spalteten wir die Erde in wunderbarer Weise und ließen Korn in ihr wachsen … und Ölbäume…“ (Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim, Sure 80:26–29 „Er runzelte die Stirn“).

Schon diese wenigen Textauszügen zeigen die Bedeutung des Olivenbaums in aller Deutlichkeit auf. Im trockenen Klima des Nahen Ostens stellte das Öl der Olive bald ein wichtiges und gesundes Grundnahrungsmittel dar, war damit auch zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Die Ölfrucht bildete einen bedeutenden Teil des Reichtums und war neben dem Feigenbaum und Rebstock damit zum Bild des Wohlstandes und bürgerlichen Glückes geworden.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam der Olivenbaum auch nach Italien. Wie schon in Griechenland war ein Kranz aus Ölzweigen die höchste Auszeichnung des um das Vaterland hoch verdienten Bürgers, sowie der höchste Siegespreis (Kranz aus Zweigen vom kotinos kallistephanos) bei den Olympischen Spielen. Der Ölzweig war das Symbol des Friedens, und Besiegte, die um Frieden baten, trugen Ölzweige in den Händen.

Auch im alten Christentum ist die Taube mit dem Ölzweig ein Symbol des Friedens. Der Bibel zufolge schickte Noah nach der Sintflut eine Taube los. Sie kehrte mit einem Ölzweig im Schnabel zurück (Gen 8,11 EU): die Erde grünte wieder, das Leben war zurück. Jesus hielt zwischen Olivenbäumen im Garten Getsemani kurz vor seiner Kreuzigung Zwiesprache mit Gott (Mt 26,36-46 EU). Paulus illustrierte das Verhältnis zwischen Heidentum und Judentum mit einem wilden und einem edlen Ölbaum (Röm 11,13-24 EU).

In frühbyzantinischer Zeit bedeutete der Export von Olivenöl die wirtschaftliche Grundlage für ihre Blütezeit ab dem 4. Jahrhundert, denn der Olivenbaum wächst in allen Gebieten um das Mittelmeer und zum Teil auch um das Schwarze Meer, wenn keine extremen Klimabedingungen eintreten. Er kann große Hitze ertragen, leidet aber leicht durch Frost in kalten Wintern, wodurch nicht nur die Ernte einzelner Jahre, sondern der Bestand ganzer Plantagen bedroht ist. Er gilt damit auch als Charakterpflanze der mediterranen Pflanzenwelt.

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