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Schon die Römer nutzten das Holz der Elsbeere!

  • Geschrieben von Portal Editor
Römer nutzten Holz und Früchte der Elsbeere

Gleich zu Beginn unserer Projektreise hatten wir in Wien den verantwortlichen Koordinator und Organisator des Römerfestes in Brunn am Gebirge, Herrn Dr. Krickl, kennen gelernt, der uns im Verlauf der weiteren Kontakte und der gemeinsamen Interessen auch in das kommende Römerfest des Jahres 2015 in Brunn einbinden wird.

Genaue Informationen zur Art und Umfang des Festes sowie unserer Aktivitäten werden zeitgemäß noch folgen.

Jetzt schreibt uns Dr. Krickl von einem Ereignis, das gerade auch im Hinblick auf das Römerfest des kommenden Jahres zu einem wichtigem Ereignis in 2013 durchgeführt werden konnte. In Brunn am Gebirge gibt es seit nunmehr 15 Jahren eine schöne Tradition: Für alle neugeborenen BürgerInnen eines Jahrgangs wird ein Baum gepflanzt. Eine Tradition, die in vielen Ländern praktiziert wird. Mittlerweile ist daraus fast schon ein kleiner Wald geworden - der Lebensjahrbaumkreis - der sich auf einer Lichtung am Brunner Berg befindet. Aber lassen wir Herrn Krickl selbst berichten:

"Nachdem diese Tradition schon ein wenig eingeschlafen war, wurde im Zuge der Brunner Römertage von 13. bis 15. September 2013, ein besonderer Schwerpunkt auf die Elsbeere - den Baum des Jahres 2012 - gelegt. Denn obwohl dieses Wildobst bei uns heimisch ist, ist es weitgehend unbekannt. Die ersten ausführlichen Beschreibungen stammen von römischen Autoren, was ebenso auf einem eigenen Stand und bei Führungen erläutert wurde, wie auch die mannigfaltige Verwendung von Früchten, Blüten und Holz. Zu dem Lebensjahrbaum der Kinder des Jahrgangs 2012, der hier heimischen Elsbeere, gab es eine eigene Infostation, die viel Hintergründiges bot und von den ersten ausführlichen Beschreibungen römischer Autoren berichtete. Höhepunkt war ein Gruppenfoto mit den Neugeborenen des entsprechenden Jahrgangs mit ihrem Lebensjahrbaum:

Nach dem großen Zuspruch wurde nun heuer - anlässlich des Jubiläums - eine größere Veranstaltung organisiert: Am Samstag, 6. September 2014 wurden alle Kinder der letzten vier Jahrgänge zur Enthüllung ihrer Lebensjahrbäume und -tafeln eingeladen. Für sie war eine Kirsche (2010), eine Zirbe (2011), besagte Elsbeere (2012) und eine Eibe (2013) gepflanzt worden. Nach Ansprachen des verantwortlichen Gemeinderates DI (FH) Dieter Zelber und des Brunner Bürgermeisters Dr. Andreas Linhart, wurde von ihnen zu Speis und Trank geladen und alle Altersgruppen unterhielten sich prächtig - auf Bänken sitzend, auf Picknickdecken zwischen den Bäumen liegend oder auf der Wiese umhertollend. Für Interessierte gab es von mir Führungen und auf Stationen mit Anschauungsmaterial viel Hintergründiges und Unterhaltsames zu den Lebensjahrbäumen - häufig auch wieder mit Verweisen auf die Römer."

Es war eine sehr gut besuchte und allseits als äußerst schön empfundene Veranstaltung. Diese Tradition möchten wir auch im nächsten Jahr bei den Römertagen in Brunn am Gebirge weiterführen.

Das Holz der Elsbeere ist eines der härtesten europäischen Hölzer. Es ist zerstreut porig, der Kern zeigt sich normalerweise nicht farblich abgesetzt. Es "arbeitet" und wirft sich beim Trocknen sehr, ist zäh und gleichzeitig elastisch. Durch seine Ähnlichkeit zur Birne wird Elsbeere unter der Handelsbezeichnung Schweizer Birnbaum verkauft. „Schweizer Birnbaum“ wurde von vielen europäischen Herstellern (u.a. Aristo, Faber-Castell, Albert Nestler Zeichentechnik) für die Herstellung hochwertiger hölzerner Rechenschieber verwendet.

Das Holz erzielt sehr hohe Preise, ist im frischen Zustand hell mit samtiger Oberfläche (Seidenholz) und dunkelt rötlich nach. Das Furnier der Elsbeere wird für die Möbelschreinerei verwendet.

Die kleinen, apfelartigen Früchte sind essbar, jedoch adstringierend, was aus dem Lateinischen stammend für adstringere „anziehen, zusammenziehen, festschnüren“ steht. Hierfür ist u. a. das Tanin verantwortlich. Adstringierend wirken Mittel, die beim Auftreffen auf Haut oder Schleimhaut durch Eiweißfällung austrocknend, blutstillend und entzündungshemmend wirken und zur Verdichtung des kolloiden Gefüges führen.

Adstringentien werden ärztlich verwendet, um Blutungen aus kleinen Blutgefäßen zu stillen (Alaunstift) oder in der Behandlung von entzündlichen, nässenden und juckenden Hauterkrankungen, was auch bereits den Römern bekannt war.

Erst wenn die Früchte der Elsbeere überreif oder gekocht sind, ist das Tannin komplett abgebaut. Überreife Früchte sind bei Vögeln sehr beliebt. Deshalb ist es wichtig, die Früchte rechtzeitig zu ernten. Dies muss von Hand erfolgen, die Früchte sind nicht abschüttelbar.

Noch heute wird im Elsass aus den Früchten der Elsbeere unter dem französischen Namen Alisier ein im Geschmack dem Schlehenschnaps ähnlicher Schnaps hergestellt. In Österreich nennt er sich neben Elsbeerenbrand auch Adlitzbeerenschnaps (dial. Oadlatzbeerschnaps). Die Ausbeute ist allerdings sehr gering: Für 2 Liter Schnaps benötigt man 100 Liter Maische. In Österreich wird der Elsbeerenbrand mit der Heimat in Niederösterreich auch im Register der Traditionellen Lebensmittel geführt. Der Wiesenwienerwald, eine Region im westlichen Wienerwald, wo die Elsbeere auch zu verschiedenen Produkten wie Marmelade oder Honig verarbeitet oder beigegeben wird, wird touristisch und kulinarisch unter der Marke Wiesenwienerwald Elsbeere vermarktet.

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