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Aizanoi – antike Römische Metropole bei Kütahya

  • Geschrieben von Website Editor
Aizanoi – Römische Metropole bei Kütahya

Wir waren auf dem Weg zur bekannten Porzellanausstellung von Kütahya (hier erfolgt später ein gesonderter Bericht), der 214.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz.

Kütahya war in den Jahren 1896, 1930, 1944 und 1970 von starken Erdbeben heimgesucht worden.

Allein beim letzten großen Erdbeben gab es 1100 Todesopfer. Von Afyonkarahisar hatten wir, während unserer Reise die D 650 nutzend, wir die Ebenen des anatolischen Hochlandes auf etwa 930 Metern Höhe über NN passiert, als wir auf die Hinweisschilder zur antiken Stadt von Aizanoi stießen. Bereits aus der etwa 5.000 jährigen Geschichte der Stadt Kütahya ist bekannt, dass es auch hier ein Wechselspiel unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen gegeben hat. Neben den Hethitern und Phrygern waren die Perser und Makedonier hier genauso sesshaft geworden wie später die Römer, die Byzantiner, das Sultanat der Seldschuken, die Armenier, die Griechen, die Germiyan und die Osmanen.

Die griechisch-römische Stadt Aizanoi

Etwa 50 Kilometer südwestlich von Kütahya im Gebiet des türkischen Landstädtchens Çavdarhisar befindet sich die antike griechisch-römische Stadt Aizanoi, die als ausgedehnte Ruinenstätte durch den sehr gut erhaltenen Zeus Tempel aus der Zeit des Kaisers Domitian (81 – 96 nach Christus) von besonderer Relevanz ist. Bereits in den Jahren 1926 und 1928 waren hier erste Ausgrabungen im Auftrag des DAI durch die Herren D. Krenker und M.Schede durchgeführt worden. Seit den 70er Jahren finden kontinuierlich weitere Grabungen in Kooperation mit der Universität Freiburg unter der Leitung von Prof. R. von den Hoff statt. Die Ausgrabungsstätten in den weitläufigen Ruinenfeldern liegen teilweise inmitten des ursprünglich alt-türkischen Dorfes mit seinen wirklich stimmungsvollen Gehöften der jetzigen Bewohner. Hinzu zählt auch ein Siedlungshügel der frühen Bronzezeit mit hellenistischen Siedlungsresten. Der Siedlungsort Aizanoi mit seinen Spuren aus eisenzeitlicher, hellenistischer und früh-römischer Zeit wurde durch die Römer zur Stadt ausgebaut. Thermen, ein Theater, das Stadion, Brücken und Plätze sowie der bereits erwähnte Zeus Tempel wurden im Verlauf der Kaiserzeit errichtet.

Um 200 vor Christus gelangte die Gegend, in der Aizanoi liegt, als Phrygia epiktetos („hinzuerworbenes Phrygien“) an das Königreich Pergamon; zeitweilig gehörte die Stadt auch zu Bithynien. Die Könige von Pergamon siedelten hier Söldner an, die wohl aus Makedonien stammten. Zusammen mit ihrem ganzen Reich ging die Stadt nach 133 vor Christus in die römische Provinz Asia ein.

Römer legten zwei Brücken über den Pekala an

Der in der Antike mit Pekalas bezeichnete Fluss verlief einst durch das Stadtzentrum und wurde von drei durch die Römer erbauten Brücken überspannt. Aizanoi liegt im Tal des Pekalas, der jetzt mit Kocaçay bezeichnet wird und  einer der Quellflüsse des Rhyndakos ist. Noch heute sind zwei dieser Brücken aus dem Jahr 157 nach Christus, wenn auch auf türkische Bauweise modernisiert, für den Verkehr freigegeben. Allein diese Brücken sind durchaus eine Anreise wert. Etwa Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus wurde ein Tempel der Artemis Hagiotate errichtet. Zu den weiteren Attraktionen der antiken Stadt Aizanoi zählen auch die beiden Thermenanlagen, das Theater, das Stadion und die Nekropolen. Weiter im Osten des Siedlungsgebiets und oberhalb des Flusses liegt die Kulthöhle der Meter Steunene, die bereits von Pausanias in seinen Aufzeichnungen erwähnt wird.

Seit dem späten 3. Jahrhundert vor Christus sind Kontakte Aizanois zur Metropole von Pergamon nachgewiesen. Durch den dann erfolgten schrittweisen Ausbau der Stadt an beiden Ufern des Pekalas und vor allem mit der Errichtung des ionischen Tempels zu Ehren des Kaisers Domitian und dem Zeus geweihten Tempel wurde Aizanoi selbst zur Metropole. Das Heiligtum des Zeus, des Hauptgottes der Stadt, wurde in Form eines Pseudodipteros erbaut.  An den Wänden der Cella finden sich Reste umfangreicher Inschriften aus der Zeit Kaiser Hadrians, die sich auf den Landbesitz des Heiligtums beziehen. Bemerkenswert ist ein darunter liegendes Tonnengewölbe mit Lichtfenstern, das vermutlich als Kult Raum diente.

Eurycles - Abgesandter zum Panhellenion in Athen

Von recht ungewöhnlicher Bauart sind Stadion und Theater errichtet, die miteinander verbunden sind. Für römische Architektur eine ungewöhnliche Konstellation. Noch dazu lassen sich einzelne Bauphasen im Theater recht deutlich erkennen. Aus Aufzeichnungen weiß man, das sich besonders einige reiche Familien um den Ausbau der Stadt bemüht haben, hierzu zählt auch Ulpius Appuleianus Flavianus und dessen Sohn Ulpius Appuleius Eurycles. Eurycles war auch Abgesandter zum Panhellenion in Athen, das Hadrian eingerichtet hatte. In dieser Zeit entstand ferner eine große Bad- und Gymnasion-Anlage sowie eine wohl dorthin führende Wasserleitung. Weitere öffentliche Bauten waren ein Rundbau, der als Macellum (Marktgebäude) diente und an dem eine Kopie des Höchstpreisedikts von Diokletian angebracht war.

Zur Regulierung des Strömungsverhaltens des Pekalas wurde bereits zu römischer Zeit ein Staudamm östlich Aizanois durch römische Wasserbauexperten erbaut. Im 5. Jahrhundert, als Aizanoi zum Bischofssitz aufstieg, wurde aus abgetragenen, antiken Bauwerken eine Säulenstraße errichtet, die heute teilrekonstruiert ist.

Im 11. Jahrhundert erbaute man auf den Ruinen des antiken Tempelhofes eine byzantinische Festung, die allerdings nur wenige Jahre überstand. Wiederum wurden große Mengen des Baumaterials aus den Ruinenresten entnommen. Erst im Jahr 1824 erkannte die Wissenschaft, das es sich bei dem osmanischen Städtchen Çavdarhisar um das antike Aizanoi handeln müsse. Allerdings erst rund 100 Jahre später begannen die Ausgrabungen in wissenschaftlich fundierter Art und Weise.

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