Antakya - Petrus, Paul und Barnabas wirkten in Antiochia

Antakya - das biblische Antiochia

Unsere Reise durch Südostanatolien führte auch in das biblische Antiochia (Antakya) am Asi, dem Fluß, der in der Antike mit Orontes bezeichnet wurde und in biblischen Aufzeichnungen genannt wird.

Die heutige Stadt Antakia war einst Hauptstadt der Seleukiden, die für ihren Wohlstand und Luxus berühmt waren. Die entsprechend kulturelle und kommerzielle Blüte der Stadt hatte auch unter den Römern noch weiter bestanden. Das damals äußerst fruchtbare Land der Region galt als Kornkammer und bildete aufgrund des Handels die Basis für den Wohlstand. Die Schwemmlandebene des Asi (des antiken Orontes) am Fuße des Berges Habib Necar (des alten Mons Silpius) verfügte so über weitreichende Handelsbeziehungen in die Levante.

Die Gründung des historischen Antochia geht vermutlich auf Seleukos I. Nikator zurück. Der einstige General Alexanders des Großen war Begründer eines der Nachfolge Reiche, nachdem das Alexander Reich zerfallen war. Der Name Antiochos taucht in erhaltenen Aufzeichnungen häufig unter den Nachkommen von Seleukos I. Nikator auf. Für das Christentum ist die Region Antiochien von größter Bedeutung, denn hier haben die heiligen Petrus, Paul und Barnabas gewirkt und die Anhänger Jesu wurden hier zum ersten Mal Christen genannt.

Die Stadt nahm in der Geschichte des Christentums einen bedeutenden Platz ein. Aus Antiochia stammte Nikolaus, einer der ersten Sieben Diakone. Nach der Überlieferung versammelte sich in der St.-Petrus-Grotte, einer Höhlenkirche im Nordosten der Stadt, die erste christliche Gemeinde um Paulus, Barnabas, Petrus und dann die ersten Bischöfe der Stadt. Hier sollen die Jünger Jesu erstmals „Christen“ (Christianoi) genannt worden sein.

Während der Christenverfolgung durch Kaiser Decius (249–251) erlitt Babylas, Bischof von Antiochia, 250 das Martyrium. Seit dem 4. Jahrhundert förderten die nunmehr christlichen Kaiser die Kirchen Antiochias. Unter Gallus wurden die Gebeine des Babylas in Daphne an der Quelle Kastalia bestattet, Julian ließ sie zurück nach Antiochia bringen. Die Kaiser Konstantin der Große (306–337) und Constantius II. (337–361) schenkten der Kirche von Antiochia wertvolle liturgische Gegenstände.

Als 362 der Apollotempel in Daphne abbrannte, wurden die Christen von Kaiser Julian der Brandstiftung beschuldigt. Ammianus Marcellinus (22, 13, 1–3) macht aber den Philosophen Asklepiades verantwortlich, der bei einem nächtlichen Besuch mit einer Kerze versehentlich die Gardinen in Brand gesetzt habe. Julian, der letzte Nichtchrist auf dem Kaiserthron, ließ daraufhin zeitweilig die Hauptkirche von Antiochia schließen und die liturgischen Geräte bestatten. Er befahl zudem die Erneuerung des Heiligtums in Daphne, die allerdings wegen seines frühen Todes nicht erfolgte.

Mit der Etablierung der christlichen Kirche wurde Antiochia, das offenbar bereits um die Mitte des 4. Jahrhunderts recht weitgehend christianisiert war (siehe die Reaktion auf den Besuch Julians 362), Sitz eines der ursprünglich drei, später fünf altkirchlichen Patriarchate, gemeinsam mit Rom, Konstantinopel, Alexandrien und Jerusalem. Wie Rom berief es sich auf den Apostel Petrus als Gründerbischof, der nach katholischer Tradition erst später nach Rom ging und dort das Martyrium erlitt. Heute beanspruchen mehrere Kirchen die legitime Nachfolge dieses Patriarchats (siehe hierzu Patriarchat von Antiochien).

Einst mächtige Handelsmetropole ist Antakya heute Verwaltungsstadt

b_450_450_16777215_00_images_turkey_turkish_riviera_adana_antioch-st-pierre-kirche.jpgVon der einstmals mächtigen Handels- und Kulturmetropole Antiochia der hellenistischen und römischen Welt ist nicht mehr viel übrig geblieben, das moderne Antakya verfügt weder über einen Eisenbahnanschluss noch über große Hafenanlagen, kurz der einst blühende Handel kam zum Erliegen. Heute ist Antakya von ausgedehnten Ölbaumhainen umgeben, die für ein tristes Auskommen sorgen. Der Arbeitgeber "Verwaltung" als Provinzhauptstadt, eine Garnison und der Durchgangsverkehr zu den Levanteländern sichern der Stadt eine bescheidene Lebensgrundlage.

Das heutige Antakya mit ca. 155.000 Einwohnern, die im äußersten Südosten des Landes, etwa 30 km vom Mittelmeer entfernt liegt, gelangte erst durch den Bürgerkrieg in Syrien wieder in den Blick der Öffentlichkeit.

Zu den absoluten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört die Vierbogen-Brücke des Kaisers Diokletian (284-305) über den Asi, der französische Basar und als wirkliches Highlight das archäologische Museum mit seiner Mosaikenausstellung, der bedeutendsten Sammlungen römischer Mosaike weltweit. 

Neben den Moscheen gibt es mehrere christliche Kirchen. Die bekannteste Kirchenstätte dürfte die St.-Petrus-Grotte sein, die etwas außerhalb an einem Berghang zu finden ist. Sie wurde vom Vatikan offiziell zur ältesten Kirche der Christenheit erklärt und soll der Legende nach vom Apostel Petrus eingeweiht worden sein.

Harbiye - der Mythos um Daphne und Apollo hatte hier seinen Ursprung

b_450_450_16777215_00_images_turkey_turkish_riviera_adana_daphne-antioch-ortelius.jpgSüdlich von Antakya liegt die Stadt Harbiye - das antike Daphne - welches heute zu einem beliebten Ausflugsziel der Umgebung geworden ist. Wir lernen einen Steinmetz kennen, der in Antakya arbeitet und ausstellt und uns nun begleitet. Er führt uns auf dem Weg durch einzigartige Haine von Lorbeerbäumen, Eichen und Zypressen durch die eine Kaskade von Wasserfäden über die Felsen zieht. Dieser Ort lädt absolut zum Verweilen ein.

Entsprechend der griechischen Sage wurde die spröde Nymphe Daphne von Apollo bis hierher verfolgt und von Zeus auf ihre Bitte hin in einen Lorbeerbaum verwandelt. Auch soll einst Kleopatra an diesem Ort geheiratet haben.

Etwas weiter, auf der Straße nach Amandag, biegen wir in Uzunbag direkt hinter der Brücke nach Süden ab und folgen einer Staubstraße bis auf den Berggipfel südlich des Musa Dag. Hier erhebt sich die Basilika des heiligen Simeon Stylites d. J. der nach dem Vorbild seines Namensvetters (Qaalat Siman / St. Simeons in Syrien) sein Leben auf einer Säule verbracht haben soll, genau dort, wo heute die nach ihm benannte Kirche steht.

Nur etwa 30 km westlich liegt das Mittelmeer mit zahlreichen Buchten und Stränden.

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