Kilise Tepe - Kirchenberg am Göksu Fluss

Kilise Tepe - Kirchenberg am Göksu Fluss

Unsere Einladung durch die Gemeinde Mut, hier insbesondere durch den Kaymakam Mustafa Sahin beinhaltete ein weiteres Abenteuer als wir zum Kirchenberg fuhren, der etwa 25 Kilometer außerhalb von Mut liegt. Immer dem Verlauf des Flusses Göksu folgend, verließen wir nach geraumer Zeit die Landstraße und bogen in einen Feldweg ein.

Dann war auch der zu Ende und es ging quer Feld ein den Hügel hinauf, wo uns schon eine Gruppe von Leuten erwartete. Einer von ihnen war der örtliche Muhtar, der in der Lage war, einige der Ausgrabungen zu erklären. Fast direkt neben den Fundamenten der antiken Kirche fanden die Archäologen Spuren weitaus älterer Siedlungen, die sich auf bis auf die Hettiter zurück datieren ließen. So war es ein Anliegen unsererseits, hier weitere Nachforschungen über das Internet anzustellen und wir wurden fündig mit der Information, das die Universitäten Cambridge und Newcastle für die Ausgrabungen am Kilise Tepe (Kirchenberg) verantwortlich sind:

Der Grabhügel des Kirchbergs überragt das gesamte Tal des Göksu Flusses (die antike Calycadnus Region), der auf seinem Weg durch die am südlichsten gelegenen Taurusausläufer Richtung Mittelmeer bei Silifke, etwa 45 Kilometer in Richtung Süd-Ost, hier in Jahrtausenden das Gebirge durchschnitten hat. Aufgrund seiner Lage erlaubt Kilise Tepe dem Betrachter zu verschiedenen Zeiten einen erstklassigen Beobachtungsstandort auf die wechselhaften Beziehungen zwischen dem Hochland von Anatolien und der Küste zu garantieren. Als die Anlage durch die Ansiedlung eines Staudamms zur Gewinnung von Elektrizität etwas Flussabwärts bedroht wurde, gründete ein Team der Universität von Cambridge zusammen mit dem Museum von Silifke in den Jahren um 1990 ein erstes fünf Jahres Rettungsprojekt, dessen Ergebnisse 2007 veröffentlicht wurden. Im gleichen Jahr wurde ein weiteres auf fünf Jahre ausgelegtes Projekt der Universitäten Cambridge und Newcastle aufgelegt. Wir, die Universitäten, haben bis jetzt in den folgenden Jahren 2007, 2008 und 2009 weitere Grabungen vorgenommen und die Ergebnisse der Vorklassischen Zeit in unserer Website veröffentlicht. Die Aufzeichnungen der „Ausgrabungen am Kirchberg 1994 – 1998“ können Sie am McDonald Institute erhalten. 

Direktoren: Prof. Nicholas Postgate der Universität Cambridge und Dr. Mark Jackson der Universität Newcastle, der auch der den Bereich des Byzantinischen Teils des Projekts leitet.
Assistent der Direktion: Dr. T.E. Şerifoğlu, Çanakale Onsekiz Mart Universität
Forschungsmitarbeiter (AHRC): DR. Carlo Colantoni, Universität Cambridge

Die Arbeiten am Kilise Tepe wurden im Zeitraum 2007 – 2010 vom Britischen Institut in Ankara gefördert und das Team der Cambridge Universität hat ebenfalls großzügige finanzielle Hilfe von der Britischen Akademie im Jahr 2007, dem Institut für Forschungen in der Ägäis im Jahr 2007 – 2009, der National Geographic Society (2007 – 2008), the McDonald Institute für archäologische Untersuchungen (2007 – 2009) und dem Cary Robertson Fund (Trinity College) erhalten. Für die Jahre 2010 – 2012 wird das gesamte Projekt durch die Senior Research Fellowship durch Prof. Postgate des Leverhulme Trust finanziell unterstützt.

Historischer Hintergrund

Obgleich der weitaus größte geschichtliche Anteil des Göksu Tales immer im direkten Zusammenhang mit dem Mittelmeer und damit zu den Städten von Kilikien wie Mersin und Tarsus, bestand, hatte sich jedoch das Hettitische Großreich in der späten Bronzezeit von seiner Hauptstadt Hattuscha ausgehend soweit in seiner politischen Einflussnahme nach Süden ausgedehnt, das es bis nach Kilikien (damals unter dem Begriff Kizzuwatna bekannt) reichte und damit auch deutlichen Einfluss auf die gefundenen Stufe III Keramiken des Kilisi Tepe genommen hat. Später, im letzten Jahrhundert des hettitischen Großreichs war sogar ein großes Territorium im Süden Anatoliens, das unter dem Namen Königreich Tarhuntassa bekannt war, vom hettitischen König Hattusili III an seinen Neffen Kurunta als untergeordnetes Königreich übertragen worden. Die Örtlichkeiten der östlichen Grenzen von Taruntassa sind immer noch Anlass zu heftigen Diskussionen der Hettitologen, allerdings sehen die meisten das Göksu Tal innerhalb dieser Grenzen.

An einem der entscheidenden Wendepunkte der Geschichte der Alten Welt kollabierte die Dynastie von Hattuscha wie auch andere Königreiche aufgrund der Störungen die mit den Seevölkern um 1190 vor Christus einhergingen und sehr wahrscheinlich hat auch die Dynastie Tarhuntassa diese Vorgänge nicht lange überlebt. Überall in Anatolien wurde die strenge zentrale Steuerung und Kontrolle durch örtliche Machtstrukturen ersetzt und Plätze wie Kilise Tepe, wo der Großteil der Bevölkerung wahrscheinlich Luwisch gesprochen hat, sind mit untergegangen oder wurden Teil eines Flickwerks von kleinen lokalen Zentren. Schriftliche Fixierungen gibt es nicht mehr wohl aufgrund der fehlenden Bürokratie dieser Zeit und historische Aufzeichnungen tauchen erst wieder in Inschriften des 8. – 6. Jahrhunderts durch die Assyrer und Babylonier auf, die damit auch das Vorhandensein von nur bruchstückhaften politischen Systemen mit lokalen Anführern als Besatzern bestätigten.
Die gegenwärtigen Schwerpunkte der Arbeiten der Universitäten konzentrieren sich entsprechend auf den Zeitraum dieses Hauptwandels. Im Besonderen möchten wir die drei bisher bekannten und ans Tageslicht beförderten Zeitstufen tiefer ergründen: die Architektur, die Keramik und die grundlegende Basis, die sich aus der Tier- und Pflanzenhaltung der Zeit ergibt. Das es Veränderungen gravierender Art gab, liegt klar auf der Hand. Und wenn wir tiefer in die Materie vordringen können, hoffen wir auf Erkenntnisse zu stoßen, die Rückschlüsse erkennen lassen, ob es Einflüsse durch die Präsenz einer zentralen Regierung gegeben hat, um daraus Rückschlüsse herzuleiten, wie sich das Leben der Bewohner verändert hat, auch im Hinblick auf weiter entfernt liegende Ereignisse.

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