Menu

alaturka

Rottweil – Kinzigtalstrasse und Dominikaner Museum

  • Geschrieben von Sam Rohlfs
Schwarzer Turm bei Rottweil

Da wir bereits am Samstagmittag in Zürich zum Interview und am Abend zum Konzert mit Loreena McKennitt sein müssen, beschließen wir am Donnerstagabend, gemeinsam mit Patrick, Strasbourg über die Rheinbrücke in Richtung Rottweil entlang der ehemaligen Römerstrasse durch das Kinzigtal, zu verlassen.

Seit einigen Wochen haben wir Kontakt zu Frau Christiane Frank sowie weiteren Mitarbeitern von der Geschäftsstelle der Römerstraße Neckar – Alb – Aare und dem Dominikanermuseum (Frau Meyr), die ebenfalls Interesse an unserer „Verständigungs- und Kulturreise entlang Römischer Strassen“ bekundet haben und auf unser Eintreffen in Rottweil zwecks Vorstellung des Konzepts warten. Via Internet hatten wir ein nettes Zimmer mit Balkon bei Frau Ingrid Niebling buchen können, das wir sicherlich noch weitere Male nutzen werden. Patrick verbrachte die Nacht, wie immer, in seinem Campingmobil.

Die Landstrasse durch das Kinzigtal ist landschaftlich wunderbar gelegen allerdings aufgrund der vielen LKW an diesem Tag sehr verstopft. So dauert es doch bis gegen 12 Uhr, als wir endlich in Rottweil angekommen sind. Auch das Dominikaner Museum und damit Frau Christiane Frank sind schnell gefunden.

In einem Nebenraum breiten wir die mitgebrachten Karten unserer geplanten Reiseroute aus, stellen die Grundzüge des Konzepts vor und sind schnell in einem ausführlichen Gespräch vertieft. Viele gemeinsame Denkansätze sowie erste Ideen zur Einbindung des Projekts in hiesige Veranstaltungen entlang der Römerstraße Neckar – Alb – Aare werden angedacht und erläutert. Weitere Treffen sollen kurzfristig erfolgen, sobald das Gesamtkonzept terminlich klar ist.

Wir nutzen natürlich die Möglichkeit auch zu einem ausführlichen Rundgang durch das Dominikaner Museum, das eine Vielzahl römischer Artefakte aufzuweisen hat. Sehr sachlogisch und gut überschaubar präsentiert, gibt es eine Vielzahl von Artefakten, die den Besuch im Museum sehr interessant werden lassen.

Besonders die Darstellungen und Details aus dem römischen Badewesen haben uns beeindruckt, wo sonst gibt es schon eine 2.000 Jahre alte „Mischbatterie“ zur Regulierung von Warm- und Kaltwasserstrom. Auch die gefalteten Bleirohre sowie die Darstellung der Hypokausten Heizung waren sehr anschaulich präsentiert. So wurde unser Rundgang noch mit einigen wirklich interessanten Details gespickt.

Natürlich wollten wir die Zeit in Rottweil auch nutzen, uns in der ältesten Stadt Baden Württembergs etwa 90 Kilometer vor den Toren Stuttgarts ein wenig umzusehen. Relativ überschaubar gelangten wir schnell in die Innenstadt mit Ihrer Fußgängerzone, die aufgrund des herrlichen Wetters auch stark frequentiert war. Wir nutzen auch die Chance auf ein leckeres italienisches Eis, müssen uns aufgrund des Andrangs regelrecht anstellen. Aber das Warten lohnte sich absolut. Lecker, nach so langer Zeit. Von der Tourismusinformation erhielten wir den Schlüssel zum Hochturm, der uns schon von weitem ins Auge gefallen war und als Aussichtsturm sicherlich einen schönen Rundblick gewähren würde. Auch der Weg dorthin zeigte ein interessantes Bild mittelalterlicher Bebauung im Stadtkern, das einen gepflegten und gut erhaltenen Eindruck machte.

Als typisch ist das Erscheinungsbild der traufständigen Bürgerhäuser mit den zahlreichen Erkern für Rottweil zu nennen. Von der ehemaligen Stadtbefestigung Rottweils aus dem Mittelalter ist jedoch nur der Hochturm, der Pulverturm und das Schwarze Tor erhalten geblieben. Der mit immerhin 54 Metern Höhe recht stattliche Turm wurde als staufisches Buckelquadermauerwerk errichtet, der spätgotische Aufbauten hat. Zeitweilig als Gefängnis genutzt, kann man in zwei ehemalige Gefängniszellen hinein, nachdem man den Aufstieg über hölzerne Treppen geschafft hat. Wie erwartet ist der Blick wirklich herrlich.

Unter Kaiser Vespasian wurde Rottweil im Jahr 73 nach Christus unter dem Namen Arae Flaviae gegründet, der mit dem Bau der Römerstraße durch das Kinzigtal beschäftigt war. Aus dem lateinischen übersetzt, bedeutet Arae Flaviae soviel wie „Altäre der Flavier“, was schon darauf hineist, das hier ein Zentrum des Kaiserkults der herrschenden Familie Flavia entstehen sollte. Neben den Anlagen der Militärlager war die Stadt Arae Flaviae auf einer Größe von insgesamt 18 Hektar geplant und sollte die Rechtsstellung eines Municipiums erhalten und damit eine der bedeutenden römischen Städte in Südwestdeutschland werden.

Trotz der Verlagerung bzw. Reduzierung der Militärlager aufgrund der Grenzverschiebung in Richtung Norden zum heute bekannten germanisch-rätischen Limes, nahm die Blüte der Stadt stetig zu. Dies war vor allem dem Kreuzungspunkt der beiden Römerstrassen „Kinzigtalstrasse“ und der Süd-Nord-Verbindung von Vindonissa (Windisch) nach Grinario (Köngen) zu verdanken, womit Arae Flaviae zu einem wirtschaftlichen wichtigen Standort aufsteigen konnte. Und das trotz der Tatsache, das die Stadt nicht im geplanten Rahmen mit der angestrebten Einwohnerzahl ausgebaut wurde. Als dann um 260 nach Christus die Römer ihre Vorherrschaft in der Region komplett an die Alemannen verloren, ging auch die römische Stadt Arae Flaviae fast mit unter. Nur eine wenig bedeutende Siedlung blieb erhalten, aus der sich dann später Rottweil entwickelte.

Mit dem Entdecken einer Schreibtafel in einem Brunnen im Jahr 1950 konnte erstmals belegt werden, das es sich bei Rottweil um die ehemalige römische Stadt Arae Flaviae handeln muss. Bei dem Fund handelt es sich um ein Schreibtäfelchen, das ursprünglich mit Wachs überzogen war und da sich das darauf Geschriebene in das Holz durchgedrückt hatte, war die Schrift noch gut zu erkennen. Auf dieser Holztafel wurde ein rechtlicher Vorgang beurkundet, worin es in einem Streitfall ums liebe Geld ging. Die Beurkundung fand in Arae Flaviae statt. Das Besondere auf dieser Tafel war, das neben der namentlichen Nennung auch der Zusatz „municipo“, das heißt „Stadt mit römischem Stadtrecht“ vermerkt war. Nirgendwo sonst im Südwesten Deutschlands gibt es einen vergleichbaren Nachweis, worauf man in Rottweil natürlich besonders stolz ist. Aufgrund dieses Fundes bezeichnet sich Rottweil auch als die älteste Stadt Baden-Württembergs.

Sehr bekannt ist auch die sogenannte Peutinger Karte, einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte, die heute als Orientierung für den Verlauf der Touristikstraße „Römerstraße Neckar-Alb“ gilt. Vom Legionslager Vindonissa (Windisch) führte sie über Tenedo (Zurzach, Hochrhein) und Iuliomago (Schleitheim, Kanton Schaffhausen) nach Brigobanne (Hüfingen), im Anschluss folgt Arae Flaviae (Rottweil) über Sumelocenna (Rottenburg) nach Grinario (Köngen).

Für die Uhrenfreunde sei noch erwähnt, das Rottweil an der Deutschen Uhrenstraße liegt und folgende Uhren aufweisen kann:

- Steinerne Sonnenuhr am Heilig-Kreuz-Münster

- Sonnenuhr auf Wappenscheibe Zit im Saal des alten Rathauses

- Sonnenuhr am Stadtarchiv in der Engelgasse 13

- Salinenuhr im Salinenmuseum (Turmuhr aus dem 18. Jahrhundert)

Bitte lesen Sie auch:

Dalkinger Limes Tor und Wachturm im Mahdholz

Deutschland

Kultur

Leben | Outdoor

Aktuell sind 1322 Gäste und keine Mitglieder online