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Dalkinger Limes Tor und Wachturm im Mahdholz

  • Geschrieben von Sam Rohlfs
Dalkinger Tor Ellwangen

Während des ausgiebigen, gemeinsamen Frühstücks mit Norbert, Lothar und Ursel in Ellwangen ist das Gespräch schnell beim Besuch des Alamannen Museums vom Vortag angelangt.

So ist es nur ein kleiner Schritt bis wir über das Thema Alamannen und alte Kulturen der Region auch bei den Römern und dem Verlauf des Limes angelangt sind.

In der Umgebung von Ellwangen gibt es eine Vielzahl von Spuren auch aus der Römischen Zeit und so beschließen wir, trotz des regnerischen Wetters, einen kleinen Ausflug zu den kulturhistorisch interessanten Plätzen am Obergermanisch-Raetischen Limes und den Römerbauten in der unmittelbaren Umgebung zu machen.

Wir verlassen Ellwangen auf der Kreisstraße 3319 und fahren in Richtung Dalkingen wo wir nach rechts in den Limes Weg abbiegen. Auf dem engen und kurvigen Feldweg geht es direkt bis zum neuen gläsernen Schutzgebäude für die Überreste des Dalkinger Limes Tores, das vor wenigen Jahren über die noch vorhandenen Grundmauern errichtet worden ist. Die Gebäudekonstruktion aus Stahl und Glas ist absolut sehenswert und allein aus architektonischen Gründen schon einen Besuch wert. Neben den einzelnen freigelegten baulichen Phasen im Verlauf des Ausbaus der Grenzbefestigung, die recht aufschlussreich durch metallische Platten im Boden auch die Veränderungen der Grundmauern des Limes Tores wiederspiegeln, sind ein römischer Meilenstein sowie eine Gedenktafel zu Ehren Kaiser Caracallas nach seinem erfolgreichem Feldzug gegen die Germanen aus dem Jahr 213 nach Christus zu sehen.

Eine Vielzahl von Schautafeln erläutert anschaulich den Verlauf der Obergermanisch-Raetischen Limes Grenzbefestigung der Römer zum Schutz ihres Reiches, wobei der Grenzzaun zunächst ein einfacher Palisadenzaun aus Holz war, der dann immer weiter in Stein ausgebaut und neben den meist hölzernen Wachtürmen auch stark befestigte Tore aufwies. Das Dalkinger Tor war dabei eine der Tor Öffnungen, wo sich in der Regel auch erste Ansiedlungen von Händlern bildeten, die dann oftmals zu Siedlungen oder gar Ortschaften führten, was hier in Dalkingen bislang nicht nachgewiesen werden konnte.

Allerdings lassen sich am Dalkinger Tor die einzelnen Ausbaustufen sehr gut nachvollziehen, wobei das besondere Augenmerk nach dem Sieg des Kaisers Caracalla gegen die Germanen darin bestand, das in der Folge das Dalkinger Tor mit einer imposanten Fassade ausgestattet wurde. Da die Fassade nur zum Teil rekonstruiert werden konnte, half man sich mit einer großen Leinwand, die anschaulich die wahre Größe des Tores von etwa 13,00 auf 9,50 Meter veranschaulicht. Das Dalkinger Limes Tor war, nach dem Vorbild des Stadttores der marokkanischen Stadt Volubilis, das in den Jahren 216 / 17 zu Ehren Carallas und seiner Mutter Julia Domna errichtet worden war,  etwa zu Beginn des 3. Jahrhunderts in Dalkingen kopiert worden. Auch der besondere Bezug zwischen Germanen und Römern wird in Text und Bild im gläsernen Schauhaus ausführlich erläutert.

Wir sind aufgrund gemeinsamer Kenntnisse im Vergleich des Umgangs mit Kulturgut zwischen Deutschland und der Türkei schnell bei dem Punkt angelangt, das anstatt ständiger Ansprüche auf Rückgabe von einzelnen Kulturgütern durch Teile der türkischen Regierung, die bei Nichterfüllung durch deutsche Museen mit der Bestrafung von nichterteilten Grabungsgenehmigungen für deutsche Archäologen geahndet werden, das sich diese Herren lieber auf den Schutz der immer noch reichlich vorhandenen Kulturschätze in der Türkei konzentrieren sollten um deren Schutz massiv voranzutreiben.  Ein zwar heikles Thema, aber letztendlich auf unserer Erfahrung beruhend, was die eigentliche Prägnanz in der Thematik darstellt. Schmutz und Unrat, sinnlose Zerstörung wertvollen Kulturguts und Missachtung internationaler Interessen sind immer noch an der Tagesordnung, hier jetzt einzelne Beispiele aufzuzählen wäre ein Leichtes. Zu oft sind wir selbst in diese Diskussionen mit involviert gewesen, sei es am Staudammprojekt von Hasankeyf oder am Göbekli Tepe bei Sanliurfa. Von Archäologen zu verlangen auch für die Pflege des Rasens, den Bau  von befestigten Wegen oder den Schutz des Kulturguts durch Wächter zu fordern, ist schon fast als dreist zu bezeichnen. Hier könnte bei doch so erfolgreichem Wirtschaftsfortschritt in der Türkei, die Regierung selbst ein gutes Beispiel geben und Aktivitäten vor Ort zeigen.

Wir haben während unseres ersten Besuchs in Tralleis bei Aydin unterhalb des großen Torbogens fein säuberlich gestapelt einen etwa 1,50 Meter hohen Stapel römischer Wasserleitungsrohre gesehen, die nur ein Jahr später zerstreut und zerstört auf dem Boden herum lagen, trotz Einfassung des Geländes mit einem Zaun und trotz vorhandener Wächter. Hier sind die Regierenden gefordert in der Aufklärung und Unterrichtung aktiv zu werden, Maßnahmen zu ergreifen, das bereits in der Schule auf den Schutz des Kulturguts verwiesen wird.

Am Beispiel des Limes Tores von Dalkingen könnte man sich ein Beispiel nehmen, wie Schutzbauten für antike Bauwerke zu den Tourismus anziehenden und damit der lokalen Wirtschaftsstruktur förderlichen Funktionen beitragen können.

Nur wenige Kilometer vom Limes Tor Dalkingen entfernt befindet sich der Nachbau eines römischen Wachturms im Mahdholz.  Sehr eindrucksvoll lassen sich hier Bauabschnitte des Turms von der Aufschichtung erster Balkenlagen, deren Füllung mit steinernem Baumaterial zum Schutz gegen schnelle Zerstörung sowie des Turmaufbaus mit Dachkonstruktion einsehen. Klever und intelligent haben die Römer selbst diese Wachtürme bereits mit wichtigen Hilfskonstruktionen versehen, die es nur wenigen Wachposten ermöglichten, sich selbst und damit die Grenzlinie zu schützen. Durch Leitern allein konnte der Turm erklettert werden, um in das Innere zu gelangen.

Immer auf Sicht in Kontakt mit dem nächsten Wachturm, konnten so bei Tag und Nacht feindliche Aktivitäten schnell erkannt und an den nächsten Posten weiter vermeldet werden, um eigene Truppen zu alarmieren. Sehr anschaulich sind an diesem Wachturm Schnitte durch die Balkenlagen offen gelassen, so das selbst der Laie die Bautechnik schnell erkennen kann. Auf den beigefügten Schautafeln werden mit Text und Bild weitere Informationen anschaulich vermittelt. Direkt neben dem Wachturm befinden sich noch Reste der ehemaligen Limesbefestigung in Stein sowie auch die Grundmauern eines weiteren Turms.

Da der Himmel in der Zwischenzeit erste blaue und damit wolkenlose Flecken zeigt, kommen auch erste Fahrradtouristen am Wachturm an. Von Norbert erfahren wir, das viele der Sehenswürdigkeiten heute so gut in das Netzwerk der Fahrradwege integriert sind, das kaum Hauptverkehrswege überquert werden müssen. Auch ein gutes Beispiel, wie man attraktive Ziele in den sanften Tourismus einbinden kann. Da unser Zielort für den Nachmittag in Wädenswil bei Zürich liegt, ist es Zeit zum Aufbruch.

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