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Das Alamannenmuseum in Ellwangen

  • Geschrieben von Sam Rohlfs
Alamannen Dorf Modell

Am Samstag trafen wir etwa gegen 13.00 Uhr in Ellwangen ein. Dank der exzellenten Satelliten Navigation war es leicht auch den großen, öffentlichen Parkplatz im Stadtzentrum an der B 290 zu finden, von dem aus es nur wenige Meter bis zum Alamannen Museum in der Haller Straße 9 sind, Zeit genug noch einen kurzen Rundgang durch die Stadt einzufügen.

Im Gebäude der mittelalterlichen Nikolauspflege wurde nach den einmaligen Funden durch die Ausgrabungen im Jagst aufwärts gelegenen Lauchheim ein neues Museum zur frühen Siedlungsgeschichte der Alamannen eröffnet. Seit September 2001 sind im Alamannen Museum von Ellwangen archäologische Funde aus ganz Süddeutschland ausgestellt, die einen historischen Überblick über fünf Jahrhunderte Alamannen Kultur, beginnend mit dem 3. Jahrhundert nach Christus, ermöglichen.

Durch einen Zufall war man im Jahr 1986 im Zuge von Bauarbeiten auf den bisher größten gefundenen alamannischen Friedhof sowie der dazugehörigen alamannischen Siedlung mit Herrenhof und reich ausgestatteten Hofgrabbeigaben gestoßen, der dann während der nächsten 10 Jahre unter der Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege Baden Württemberg ausgegraben wurde. Ein Großteil der Funde konnte in den nachfolgenden Jahren wissenschaftlich ausgewertet werden, wobei die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Einzig im Alamannen Museum von Ellwangen sind Funde zu den Alamannen so ausführlich dargestellt und dokumentiert, das dieses Museum zu etwas einzigartigem werden lässt. Neben der reinen Ausstellung werden zeitliche Abläufe und Geschehnisse so ausführlich beschrieben, das der Besucher sich ausgezeichnet in das Leben und Wirken der Alamannen zurück versetzen kann.

Themenschwerpunkte sind:

-    Weben und Textilhandwerk der Alamannen
-    Holzhandwerk der Alamannen
-    Alamannische Gold- und Silberschmiedearbeiten
-    Die Alamannen als erste Christen in Süddeutschland

Mit unserer Ankunft im Museum trafen wir auch auf die Vorbereitungen eines Infotreffens zu der geplanten kulturellen Bildungsreise „Die römischen Stätten am Donaulimes“, die über Wien und auf der Donau zu der römischen Siedlung am „Heidentor“ von Carnuntum führen sollen. Im Café des Museum war man mit den Vorbereitungen auf die Einführungsveranstaltung bei Kaffee und Kuchen beschäftigt,  die vom 29.8. - 2.9.2012 mit Standquartier in Wien durchgeführt werden soll. Unter der Leitung des Architekten Werner Wittmann, der an verschiedenen Ausgrabungen beteiligt war und auch die Museumsfahrten der Jahre 2007 und 2010 organisiert hatte, sollen weitere archäologische, bau- und kunsthistorische Kleinode besucht und erläutert werden. Den diesjährigen Höhepunkt der kulturellen Reise sollen das römische Carnuntum sowie eine Schifffahrt auf dem Neusiedler See bilden, die mit einem bunten Programmausklang in Wien beendet werden.


Auch für die kommenden Jahre sind ähnliche Touren geplant. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Museumsleitung in Ellwangen.
www.ellwangen.de

Gegen 14.30 Uhr trafen wir dann im Alamannen Museum mit dem Leiter des Hauses, Herrn Andreas Gut zusammen, der sich die Zeit nahm, selbst einen kurzen Rundgang mit entsprechenden Erläuterungen für uns durchzuführen. Bereits in der Eingangssituation stießen wir auf die erste Inszenierung einer alamannischen Lebenssituation, denn in Originalgröße war der Hüttenaufbau in Form einer Grubenhütte mit einem Webstuhl als Arbeitsplatz dokumentiert. In lockeren Abständen erfolgten Ausstellungen von archäologischen Originalfundstücken und interaktiven Medien, die mit Hilfe von Bildschirmen und bewegten Bildern anschaulich das Leben und Wirken der Alamannen darstellten. Text- und Schautafeln der geschichtlichen Nebenschauplätze, hier vor allem das Nebeneinander der verschiedenen Volksgruppen, vervollständigten das Bild.

Beginnend mit dem rekonstruierten Grubenhaus aus Lauchheim bietet der vom Archäologen Andreas Gut konzipierte Museumsrundgang einen anschaulichen Überblick über die Zeit der Alamannen beginnend mit der Frühzeit im Erdgeschoss, der Zeit der Völkerwanderungen bis hin zur Zeit der Merowinger, als Alamannien zu einem fränkisches Herzogtum wurde.

Mit besonderem Stolz zeigte uns Herr Andreas Gut auch die aus dünner Goldfolie hergestellten Goldblattkreuze, die wohl als die ersten christlichen Symbole in ganz Süddeutschland zu werten sind. Auch auf gefundene Baumsärge, die sogenannten Totenbäume, wies Herr Andreas Gut besonders hin, da sie zum Teil an den Enden mit doppelköpfigen Schlangen verziert waren. Eine sehr gut erhaltene Grabeinfassung aus massivem Eichenholz war ein weiterer Höhepunkt während des Rundgangs.

Zum Museum zählt auch der Museumsgarten und die dahinter befindliche mittelalterliche Nikolauskapelle, die durch ihren Gemüsegarten der Alamannenzeit und dem rekonstruierten Getreidespeicher aus Lauchheim gut in das Gesamtkonzept mit eingebunden sind. Ein wirklich gelungenes Konzept um anschaulich einen Überblick über die Alamannen zu erhalten. Ein Besuch lohnt sich absolut, zumal das Museum schnell von der Autobahn Würzburg –Trier aus zu erreichen ist, immer einen Zwischenstopp wert.

Wir verabschiedeten uns von Herrn Andreas Gut und hoffen auf Beibehaltung des Kontakts besonders im Hinblick auf unser Projekt „Kulturelle Reise entlang Römischer Straßen“, da es eine Vielzahl weiterer Highlights in der Umgebung gibt. Wir hatten uns für später mit Norbert und Lothar verabredet, so das dieser Abend in Ellwangen zugebracht wurde. Im Garten des architektonisch wirklich gelungenen Hauses verbrachten wir einen netten gemeinsamen Abend, der auch eine Planung für den kommenden Sonntag hinsichtlich weiterer Besuche attraktiver Ziele enthielt.

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