Zum Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee

Ein Besprechungstermin in Zürich am frühen Vormittag hatte die Fahrt in die Schweiz notwendig gemacht und spontan wollten Lydia und Johannes die Möglichkeit nutzen, sich ein wenig in Konstanz umzusehen.

Schon einige Male waren wir von Augsburg kommend in Richtung Zürich gefahren und hatten dabei die Fährüberfahrt über den Bodensee nach Konstanz zu schätzen gelernt. Zwar ist die Fahrtzeit aufgrund der teilweise engen und kurvigen Landstraßen mit viel Verkehr etwas länger, die Landschaft und Natur entschädigt dafür aber alle Mal. Auch die kurze Fährüberfahrt bringt ein wenig Abwechslung und Entspannung sowie herrliche Ausblicke auf den Bodesee und die Alpen im Hintergrund.

Von Konstanz aus waren es zum Termin nur 80 Kilometer, die schnell über die Autobahn zurück gelegt waren. Da auch die Besprechung glatt über die Bühne ging, waren wir bereits nach gut zweieinhalb Stunden zurück in Konstanz und konnten dank der Handyverbindung auch Lydia und Johannes problemlos wieder treffen. Lediglich das Parken gestaltete sich als wirkliches Problem, wenn man nur kurz auf jemanden warten muss. Die beiden hatten sich das Aquarium angesehen und berichteten begeistert vom Tunnel durch die Unterwasserwelt.
Wir hatten vorab bereits besprochen, das wir im Anschluss an den Termin in Zürich zum Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen fahren wollten, so das wir uns zurück zur Fähre Richtung Meersburg begaben.

Kurz vor Unteruhldingen machten wir eine kurze Essenspause, die wir auch zur Erkundigung des weiteren Vorgehens bei unserem Gastwirt nutzten. Immer etwas schwierig ist das Parken im Ort, so das uns gleich auch ein Parkplatz angeboten wurde und wir den kurzen Weg bis zum Pfahlbaumuseum zu Fuß bewältigten. Es sind wohl über die Jahre auch die vielen Fernsehberichte mitverantwortlich für den relativ hohen Bekanntheitsgrad des Pfahlbaumuseums, denn immerhin verbrachten ganze Familien zwecks Selbsterfahrung hier einige Zeit, um das Leben unserer Urahnen nachzuvollziehen. Dabei kann auch das Museum selbst bereits auf eine lange, eigeneGeschichte verweisen, denn bereits 1922, im Jahr der Eröffnung, zählte das seiner Zeit kleine Museum bereits mehr als 6.000 Besucher.

Schwerpunkt des Museums war und ist die Präsentation archäologischer Funde aus der Stein- und Bronzezeit in den Nachbauten einstiger Gebäude von Pfahldörfern. Heute kann das Museum stolz auf 23 dieser Pfahlnachbauten verweisen, zählt es doch dank des angeschlossenen wissenschaftlichen Forschungsinstituts zu den anerkannten Toppadressen unserer Vorgeschichte. Mit der Anerkennung als Weltkulturerbe der UNESCO und Aufnahme in die Liste der schützenswerten Elemente im Jahr 2011 wurden die Überreste der zahlreichen historischen Funde der umgebenden Pfahlbauten, darunter auch das etwa 500 Meter vom Museum entfernte Pfahldorf Unteruhldingen-Stollenwiese, besonders ausgezeichnet.

Durch das moderne Museumsgebäude betreten wir die Anlage in Unteruhldingen, wo wir zunächst in einen Rundbau geleitet werden, der in einer Art 360° Grad Kino anschaulich die Arbeit der Archäologen dokumentiert. Fast fühlt man sich eins mit den Tauchern, die auf dem Boden des Sees in den Überresten der Pfahlbauten forschen. Jetzt öffnet sich ein Teilelement der "Kinoleinwand" und man betritt das antik wirkende Häuserensemble, das untereinander mit Stegen aus Baumstämmen und Ästen verbunden ist. So fällt es leicht, sich in die Vergangenheit zurück versetzt zu fühlen, denn unter jedem Tritt schwingen auch die Brückenkonstruktionen immer ein wenig mit.

Von Hausgruppe zu Hausgruppe führen die Holzsteg und wir machen unsere Fotos, erhalten zusätzliche Informationen durch filmische Beiträge und textliche Informationen. Alles wird anschaulich präsentiert, so das man die verschiedenen Entwicklungsepochen der Siedler gut verfolgen kann.

Die Steinzeithäuser Riedschachen

Nach einem Vortrag Hans Reinerths zu den Ausgrabungen antiker Pfahlbauten am Federsee während der 20er Jahre des vorherigen Jahrhunderts hatte der damalige Bürgermeister Georg Sulger die Idee zur Errichtung von Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee. Unterstützung erhielt der Bürgermeister im Jahr 1921 von dem Überlinger Stadtarchivar Victor Mezger und auch vom dortigen Amtsvorstand Hermann Levinger, so das die Idee bald schon zur Etablierung des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde e.V. mit Datum vom 12. März 1922 führte. Unter Anleitung des Urgeschichtlichen Forschungsinstituts Tübingen wurden kurz darauf die beiden ersten Pfahlbauhäuser errichtet, womit die Steinzeithäuser Riedschachen die ältesten Rekonstruktionen im Museum bilden. Im Jahr 1922 gehörte der Uferbereich zum Gelände der Deutschen Reichsbahn, weshalb eine Rekonstruktion der neolithischen Siedlung Riedschachen bei Bad Schussenried direkt am Ufer nicht möglich war. Bürgermeister Sulger entschied daraufhin den Bau auf Pfählen im Uferbereich.

Das jungsteinzeitliche Moordorf um 4000 v. Chr. wurde erst kurz davor archäologisch untersucht. Die Rekonstruktion war eine Zusammenarbeit des Unteruhldinger Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde mit dem Urgeschichtlichen Forschungsinstitut in Tübingen.
Mit der Errichtung des Steinzeitdorfes Sipplingen am Ufer 1938 sollten die beiden Häuser abgerissen werden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte dies jedoch.
♁47° 43′ 33″ N, 9° 13′ 39″ O

Das bronzezeitliche Dorf Bad Buchau

Das Plattform getragene Dorf der spätbronzezeitlichen Siedlung Bad Buchau sind idealisierende Rekonstruktionen aus der Zeit zwischen 1923 und 1931, die auf Grundlage der Ausgrabungen der Wasserburg Buchau (circa 1050 v. Chr.) am Federsee und unter der Leitung von Hans Reinerth gestaltet wurden. Sie repräsentieren nicht mehr den aktuellen Forschungsstand, der die Wasserburg Buchau (der sachliche falsche Name wurde 1928 von Reinerth geprägt) jetzt als Feuchtbodensiedlung ansieht und nicht als Pfahlbausiedlung. 

Heute umfasst die Plattform drei Blockhäuser und zwei Häuser mit Lehmflechtwand. Die Häuser sind gänzlich Schilf gedeckt. Die Vorstellung der durchgehenden Plattform spiegelt die im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa vorherrschende Lehrmeinung von Pfahlbausiedlungen wider. Sie zeigt das Haus des Bronzegießers mit freistehendem Schmelzofen, das Haus des Dorf Ältesten, das Haus des Töpfers mit ebenfalls freistehendem Töpferofen, das Haus eines Hirten und ein Vorratshaus.
Am Karsamstag 1976 zerstörte ein Brand das bronzezeitliche Pfahlbaudorf 1. Eine Wiedereröffnung war erst im darauf folgenden Jahr wieder möglich.
♁47° 43′ 34″ N, 9° 13′ 40″ O

Das steinzeitliche Dorf Sipplingen

Das steinzeitliche Dorf Sipplingen ist eine aus sechs Pfahlhäusern mit umgebender Palisade bestehende Seeufersiedlung. Sie wurde zwischen 1938 und 1940 nach dem Vorbild der Ausgrabungen vor Sipplingen am Bodensee, einem Dorf der Jungsteinzeit(um 3500 v. Chr.), errichtet. Mit dieser Rekonstruktion wurde die Theorie von den Ufer-Pfahlbauten zum ersten Mal maßstabsgetreu umgesetzt.

Vom Ufer her kommend, betritt man es durch eine Wehranlage. Die Rekonstruktion zeigt das Haus des Fischers und des Töpfers. Im Anschluss befindet sich das Weberhaus, das Haus des Steinhauers und des Holzschnitzers. Zentrum des Steinzeitdorfes bildet die Dorfhalle.
♁47° 43′ 36″ N, 9° 13′ 43″ O

Hornstaad-Haus und Arbon-Haus

Beide Häuser aus den Jahren 1996 und 1998 sind Rekonstruktionen von Steinzeithäusern, die aus Forschungsgründen errichtet wurden.

Das Hornstaad-Haus hat seinen historischen Ursprung in einer steinzeitlichen Siedlung (um 3912 v. Chr.) mit rund 40 Häusern in Hornstaad-Hörnle am Ufer der Hörispitze, die durch einen Brand zerstört wurde und vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1980/1983 bis 1993 ausgegraben wurde. Die Errichtung war eine Forschungsarbeit von drei bis vier Personen, die etwa zwei Monate an diesem aus Holz, Gras und Lehm bestehenden Haus bauten. Die Forschungsarbeit richtete sich vor allem an Fragen zur Belastbarkeit und Haltbarkeit eines solchen Gebäudes. Eine anschließende Bewohnung des Hauses durch einen Mitarbeiter des Museums war Teil des Experimentes. Der von Besuchern „Uhldi“ genannte Mitarbeiter entwickelte sich zum Besuchermagnet und bewohnt seitdem periodisch das Haus. Die Erfahrungsberichte werden in der Vereinszeitschrift Plattform publiziert.
Das Arbon-Haus wurde nach den Ausgrabungsergebnissen in der steinzeitlichen Siedlung Arbon-Bleiche III im Kanton Thurgau (Schweiz) gebaut. Das Haus wurde im Original 3376 v. Chr. erbaut und 3370 v. Chr. durch einen Brand zerstört. Nach dem archäologischen Befund erhielt die Rekonstruktion ein Schindeldach aus bis zu zwei Meter langen Weißtannenbrettern und unterscheidet sich dadurch von den anderen Häusern des Museums, die mit Schilf und Gras gedeckt sind.
♁47° 43′ 34″ N, 9° 13′ 44″ O

Das bronzezeitliche Dorf Unteruhldingen

Das bronzezeitliche Dorf Unteruhldingen-Stollenwiesen besteht aus fünf Gebäuden und einem Palisadenabschnitt, das museumspädagogisch die Themen Wohnen und Handwerk, Umwelt und Tiere, sowie Kult und Religion aufgreift. Sie wurden zwischen 1999 und 2002 im Rahmen eines Europa-Projektes erbaut. Auf 400 Quadratmetern Fläche wurde versucht, ein Abbild eines Bronzezeitdorfs von vor rund 3000 Jahren mit ursprünglich rund 80 Häusern zu schaffen. 27 Figuren mit ihrer prähistorischen Ausrüstung sind Zeugnis reger Handelsbeziehungen bis in die Salz- und Kupferbergwerke der Alpen und weiter nach Italien. Kult und Religion werden im so genannten Kulthaus, einem mit Götterfiguren aus Holz ausgestatteten Haus, bei einer priesterlichen Beschwörung am Bestattungswagen einer wohlhabenden Person gezeigt.
♁47° 43′ 36″ N, 9° 13′ 39″ O

SWR-Steinzeitdorf

Die bisherigen Häuser wurden für die Saison 2007 um die Originalhäuser der Fernsehserie "Steinzeit - Das Experiment". Leben wie vor 5000 Jahren erweitert. Die Produktion des Südwestrundfunks in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und in Zusammenarbeit mit dem Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, dem Landesmuseum Schleswig, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und dem Universitätsklinikum Freiburg, im Sommer 2006 versetzte 13 Personen für zwei Monate zurück in das Leben einer Sippe der Jungsteinzeit. Das Filmset, ein originalgetreu rekonstruiertes kleines Pfahlbaudorf, wurde im „Himmelreichmoos“ in Erbisreute-Fuchsenloch bei Schlier (Landkreis Ravensburg) speziell für diese Zwecke errichtet und im Anschluss nach Uhldingen verbracht. Dort wurden die drei Steinzeithäuser am Ufer wieder aufgebaut. Hier ist die Einrichtung einer Pfahlbau-Steinzeit-Werkstatt geplant.
♁47° 43′ 35″ N, 9° 13′ 45″ O

Nach unserem Rundgang finden wir hunderte archäologischer Pfundstücke der früheren Ausgrabungen von Unteruhldingen und Sipplingen gut aufbereitet im so genannten "Alten Museum". Mit dem "Neuen Museum" wurden dann auch Ausstellungs-, Magazin- und Forschungsräume möglich, die behindertengerecht ausgeführt wurden. Die Ausstellung präsentiert Ausgrabungsfunde, maßstabsgetreue Modelle der Pfahlbauzeit, Bilder von Pfahlbauten aus aller Welt und Forschungsgeschichtliches.
Schon 1927 / 28 hatte die UFA den Film "Natur und Liebe" produziert, der das Leben von Steinzeit Menschen eindrucksvoll vor der Kulisse der Pfahlbauten darstellt. Auch hierzu finden sich vielfältige Informationen, wie auch zu den Dokumentationen der verschiedenen Sendeanstalten, über die auch wir auf das Pfahldorf aufmerksam geworden waren.

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Neolithikum - Jungsteinzeit - Pfahldorf
Von Meersburg nach Konstanz

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