Herakleides von Klazomenai

Herakleides von Klazomenai

Geboren und aufgewachsen in Klazomenai war Herakleides (die genauen Lebensdaten sind nicht bekannt) wohl als Dolmetscheroder Arzt zu Beginn der Regierungszeit des persischen Großkönigs Dareios II im Rahmen einer Athenischen Delegation zu Friedensverhandlungen nach dem verlorenen Krieg an dessen Hof nach Susa gekommen.

Bereits nach kurzer Zeit konnte sich Herakleides eine Vertrauensstellung, auch gegenüber König Dareios II, am Hofe erarbeiten, so das er bei allen Verhandlungen zwischen dem Perserkönig und der Athener Delegation hinzugeholt wurde. Unter der Leitung des Adligen Epilykos aus Athen konnte Herakleides in der Verhandlungsführung so erfolgreich unterstützen, das er vom Volk jetzt hochgeachtet nach Athen zurück kehrte.

Klazomenai Geburtsort berühmter Persönlichkeiten

klazomenai muenzeKlazomenai war eine antike Stadt in Ionien, an der Westküste Kleinasiens. Sie lag an der Nordseite des Isthmus von Teos, rund 36 Kilometer westlich der heutigen Stadt İzmir, des früheren Smyrna, beim Ort Urla in der türkischen Provinz Izmir.

Klazomenai wurde 654 v. Chr. ausgehend von Kolophon von Ioniern gegründet. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde der Ort zum besseren Schutz auf eine der Küste vorgelagerte Insel verlegt, die später durch einen Damm mit dem Festland verbunden wurde. Ein nach dem Mimas genannter Höhenzug trennte die Stadt von Erythrai. Klazomenai war der Geburtsort des Vorsokratikers Anaxagoras (499–428 v. Chr.), der insbesondere durch sein Werk Über die Natur bekannt wurde, und des Sophisten Skopelianos, der Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebte. Hier wurde auch der römische Prokurator Gessius Florus geboren.

Ausgrabungen förderten unter anderem attische Keramik und die sogenannte Kore von Klazomenai, den Torso einer weiblichen Statue, zu Tage. Die Töpfer der Stadt produzierten die sogenannten Klazomenischen Sarkophage, bemalte Tonsarkophage, die auch exportiert wurden.

Wiederherstellung der demokratischen Verfassung

klazomenai sarkophagBereits während des Peloponnesischen Krieges der Jahre 431 – 404 vor Christus hatte sich Herakleides von Klazomenai stammend in Athen niedergelassen. Obwohl selbst Grieche war er hier über viele Jahre als Ausländer betrachtet worden. Seine hilfreiche Verhandlungsführung brachte ihm das athenische Bürgerrecht und erste wichtige Staatsämter ein. Sein Bekanntheitsgrad nahm weiter zu, als er weitere Verdienste im Kampf gegen die sogenannten „Dreißig Tyrannen“ erlangen konnte. Nach dem verlorenen Peloponnesischen Krieg gegen die Perser rissen nach Oligarchie strebende, machthungrige Adlige unter Führung des spartanischen Feldherrn Lysander die Macht über Athen an sich. Mehr als 1500 politische Gegner ließen die „Dreißig Tyrannen“ kaltblütig ermorden. Auf der Flucht vor den Tyrannen ging, wie viele andere, auch Herakleides nach Piräus ins Exil um von dort aus die Gewaltherrscher zu bekämpfen. Herakleides unterstützte den Anführer der Gegenbewegung Thrasybulos und half so den Weg zur Wiederherstellung der demokratischen Verfassung frei zu machen.

Seinen Aktivitäten hatte er zu verdanken, das er in der Folge im Jahr 403 vor Christus das Athener Bürgerrecht erhielt, ja sogar als privilegierter Schutzbürger in Athen hohes Ansehen genoss und weitere Staatsämter ausfüllen konnte. Da er sich selbst gern mit seinen Erfolgen bei der Verhandlungsführung mit den Persern brüstete, wurde er im Volksmund auch mit dem Spitznamen „Basileus“, gleichbedeutend mit König betitelt. Als Metöke, wie die privilegierten Schutzbürger auch genannt wurden, hatte Herakleides eine Vielzahl an Sonderechten.

Platon hatte Herakleides in seinem Dialog „Ion“ erwähnt

Wie damals üblich, waren die Verleihung des Bürgerrechts an Herakleides in Stein eingemeißelt worden, den man bei Ausgrabungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Athen wiedergefunden hatte. Daher und aus schriftlich vorliegenden Aufzeichnungen, insbesondere von Platon, sind diese Fakten bekannt. Platon hatte Herakleides in seinem Dialog „Ion“ erwähnt, worin Sokrates den skeptischen Rhapsoden Ion darüber belehrt, wie wichtig das Wissen und das Geschick einiger Ausländer für Athen sei und das somit Ausländer wichtige Funktionen in der Stadtführung einnehmen sollten. Neben Herakleides wird auch Apollodoros, der Kyzikener, genannt, der als Heerführer für Athen diente. Auch Phanosthenes wird erwähnt, der wie Herakleides wichtige Staatsämter in Athen bekleidete.

Schon vor mehr als 2.000 Jahren war das Thema Migration und Integration ein Tagesthema, das die Menschen stark beschäftigt hat. Und wie das Beispiel zeigt, wusste man sehr wohl welche Vorteile der Nutzung neuer Ideen und Gedanken bei erfolgreicher Integration und Aufnahme in die Gemeinschaft zum Nutzen aller Bürger erzielt werden können. Aus der Geschichte lässt sich halt vieles Erlernen.

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