Thomas Müntzer – berühmte Fürstenpedigt in Allstedt

Thomas Müntzer – berühmte Fürstenpedigt in Allstedt

Schon während unseres Besuchs auf der Burg Heldrungen waren wir auf Spuren Thomas Müntzers gestoßen, der als Priester zunächst ein engagierter Anhänger und Bewunderer Martin Luthers war.

Am 13. Juli 1524 hielt er zu Allstedt vor dem späteren Kurfürsten Johann dem Beständigen und dessen Sohn Johann FriedrichI. die sogenannte Fürstenpredigt. Darin forderte er die ernestinischen Fürsten auf, der Sache der Reformation keinen Widerstand zu leisten. In seiner Rede griff er zugleich die sozialen Missstände scharf an, was wenig später zum Verlust seiner Stellung führte. Allerdings richtete sich sein Widerstand nicht nur gegen die vom Papsttum beherrschte geistliche Obrigkeit, sondern auch gegen die ständisch geprägte weltliche Ordnung. Wegen Müntzers radikaler sozialrevolutionärer Bestrebungen und seiner spiritualistischen Theologie, die sich in vielen kämpferischen Texten und Predigten niederschlugen, distanzierte sich Luther zu Beginn des Bauernkrieges von ihm.

Historische Hofstube in Allstedt bis heute erhalten

b_450_450_16777215_00_images_kultur_religion_thomas-mntzer-mhlhausen.jpgDer authentische Ort dieses bedeutenden Ereignisses, die spätmittelalterliche Hofstube, ist bis heute erhalten geblieben. Müntzer predigte über das zweite Kapitel des Buches Daniel vom Niedergang der Weltreiche, dem Aufstieg der Christenheit und der Rolle, welche die Obrigkeit in jener Zeit, in der Müntzer die Apokalypse kurz bevorstehend glaubte, einzunehmen habe. Die Predigt erhielt den Titel „Auslegung des andern Unterschieds des Propheten Danielis. Die Fürsten wurden dazu aufgefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen und mit Müntzer den gottgewollten Weg zur Erneuerung der Christenheit zu gehen. Sofern sie diesem Weg jedoch nicht folgen würden, so werde ihnen das Schwert, das Symbol ihrer Herrschaft, genommen werden müssen. Sofort wurde diese beachtenswerte Predigt gedruckt.

Thomas Müntzer wird Pfarrer in der Stadtpfarrkirche in Allstedt

Seit März 1523 war Thomas Müntzer Pfarrer der Stadtpfarrkirche St. Johannis in Allstedt. Hier sah er die Chance gekommen, eine „wahrhaft“ christliche Gemeinde aufzubauen, wie sie in der Anfangszeit der Kirche bestand, und begann sofort mit diesem Werk. Als erster Reformator überhaupt, hielt er hier einen Gottesdienst komplett in deutscher Sprache und schuf eine Gottesdienstordnung für den Alltag (Evangelisches Kirchenamt) und die Sonn- und Feiertage (Deutsch-Evangelische Messe). Den Gottesdienst feierte er - nach Vorbild der urchristlichen Gemeinden - mit dem Gesicht zur Gemeinde gerichtet. Müntzers Allstedter Zeit gehörte zu den schaffensreichsten seines Lebens. Seine hier entstandenen Schriften und Drucke beeinflussten nachhaltig das Reformationsgeschehen.

Gerechte Gesellschaftsordnung ein Ziel Müntzer´s

b_450_450_16777215_00_images_kultur_religion_thomas-muentzer-stolberg.jpgIm Gegensatz zu Luther stand Müntzer für die gewaltsame Befreiung der Bauern und betätigte sich in Mühlhausen/Thüringen, wo er Pfarrer in der Marienkirche war, als Agitator und Förderer der Aufstände. Dort versuchte er, seine Vorstellungen einer gerechten Gesellschaftsordnung umzusetzen: Privilegien wurden aufgehoben, Klöster aufgelöst, Räume für Obdachlose geschaffen, eine Armenspeisung eingerichtet. Schließlich scheiterten seine Bestrebungen, als Bauernführer verschiedene Thüringer Freibauern zu vereinigen, an der Strategie des Adels. In Allstedt richtete er sich im April 1524 eine Druckerei ein, die Typen stammten von Wolfgang Stöckel aus Leipzig. Drucker Müntzers war hauptsächlich Nikolaus Widemar. In dessen Offizin in Eilenburg erschienen fünf, in der Filiale in Allstedt zwei Schriften.

Eingekerkert und Enthauptet – das Ende Müntzer´s

Im August 1524 floh Müntzer schließlich vor der Obrigkeit von Allstedt nach Mühlhausen, wo er zusammen mit dem ehemaligen Zisterziensermönch Heinrich Pfeiffer wirkte. Nach seiner Ausweisung kehrte Müntzer Ende Februar 1525 nach Mühlhausen zurück und wurde zum Pfarrer der dortigen Marienkirche gewählt. Er schlug sich auf die Seite der Bauern und wurde zu deren Leitfigur im Deutschen Bauernkrieg in Thüringen. Am 15. Mai 1525 wurde er nach der Schlacht bei Frankenhausen, die in einer völligen Niederlage der von Müntzer zusammengerufenen Bauernhaufen endete, gefangen genommen und in der Festung Heldrungen auf Befehl Graf Ernsts II. von Mansfeld-Vorderort im Beisein des Herzogs Georg des Bärtigen gefoltert. Im Turm von Heldrungen eingekerkert, schrieb er seinen Abschiedsbrief an die Aufständischen, die er dabei zur Einstellung des weiteren Blutvergießens aufrief. Am Mittwoch, dem 27. Mai 1525, wurde er vor den Toren der Stadt Mühlhausen enthauptet, sein Leib aufgespießt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt.

Auch Goethe war auf der Burg von Allstedt

Der weltberühmte Dichter und Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe weilte von 1776 bis 1782 mehrfach in seiner Funktion als Staatsminister in Allstedt und verfasste 1779  drei Akte seines bedeutenden klassischen Dramas „Iphigenie auf Tauris“.

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