Rize – interessanter Besuch zur Teeernte

Rize – Besuch zur Teeernte

Unsere Tour entlang der Schwarzmeer Küste führt uns weiter Richtung Rize, wohl jedem Reisenden durch die Türkei als Anbauregion für Tee bestens bekannt.

Ebenso dürfte der riesige Bedarf an Tee zumindest vorstellbar sein, bei den Mengen, die zur Herstellung eines frisch gebrühten, türkischen Tees täglich mehrfach verbraucht werden. Aber dazu mehr an anderer Stelle, denn Tee ist schlechthin das Alltagsgetränk in der Türkei.

Schon während der Anfahrt nach Rize kann man erahnen, welche Witterungsbedingungen zum Anbau von Tee wohl am Besten geeignet sind, denn es regnet in Strömen, die Luft hat einen Feuchtigkeitsgehalt, der einfach unbeschreiblich ist. Auch die Wolken hängen fast auf der Straße obwohl wir nur wenige hundert Meter über dem Meeresspiegel sind. Aber dafür ist alles, aber auch wirklich alles ringsum grün, richtig kräftig grün. 

Wir treffen auf einen Teebauern, der uns zu sich nach Hause einlädt und uns von der Teeernte und der Teeherstellung wie sie vor Ort seit Jahren praktiziert wird, erzählt. Ursprünglich stammen die Teepflanzen aus China, wo sie wie ein Staatsschatz gehütet wurden. Erst um 1823 wurden bei Assam in Indien wilde Pflanzen entdeckt, die zunächst nicht exakt eingestuft werden konnten. Durch Versuche und Kultivierung wurde es möglich auch in Indien Tee anzubauen. Geschichtsinteressierte Leser werden von den Geschichten und Geheimnissen um den Export von Pflanzen aus China und Indien gehört haben. Dies war der Beginn des Exports von Pflanzen auch in andere Regionen der Erde, so auch nach Rize in die heutige Türkei. Teesträucher werden aus Setzlingen gezogen, in Aufzuchtbeuteln in gutem Mutterboden etwa 9 Monate herangezogen und dann ins Freiland ausgesetzt. Der Bedarf an Pflanzen ist riesig, denn für einen Hektar Land benötigt man zwischen 12.000 – 13.000 Setzlinge.

Erste Tee Ernte nach 6 Jahren - viel Geduld nötig

b_450_450_16777215_00_images_turkey_blacksea_region_rize-3.jpgErst bis zu 6 Jahre nach dem Auspflanzen kann man die erste Ernte einbringen und wie wir gelernt haben, bringt der Hektar Fläche etwa 1.500 Kilogramm Tee. Natürlich ist die Menge abhängig vom Wachstum des Jahres und der Sorte sowie der gewünschten Teequalität. Teesträucher werden je nach Standort und Witterungsbedingungen bis zu 100 Jahre alt. Heute werden Teesorten durch Kreuzung verschiedener Pflanzen sogar auf bestimmte Umweltbedingungen hin gezüchtet, so das sogar Resistenzen gegen Krankheiten oder Schädlinge erreicht werden können.

Hier in der Region Rize geht die ganze Familie bereits früh am Morgen in die Teefelder um Teeblätter zu pflücken. Sie werden in großen Tragetüchern verstaut und zu den Sammelstellen getragen. Damit die Teeblätter etwas weicher werden, legt man sie, falls vorhanden, für 2 Stunden in die Sonne. Wenn es, wie während unserer Anwesenheit regnet, bringt man die frische Ernte in die örtliche Welkhalle, wo die Blätter auf spezielle Welkhürden geschichtet werden und bei etwa 22° Temperatur leicht antrocknen. In einigen Orten der Region sind Welktunnel im Einsatz, durch den die Teeblätter, auf einem Fliesband liegend,  hindurchgeführt werden und dabei der Welkprozess einsetzt. Dieser Prozess kann je nach den örtlichen Bedingungen bis zu 24 Stunden dauern und ist von entscheidender Bedeutung für den späteren Oxidationsprozess. Durch das daraufhin erfolgende Rollen werden die Zellen in den Blättern aufgebrochen um damit die ätherischen Teeöle freizusetzen. Dieser Vorgang läuft heute durchweg maschinell ab und die Teeblätter werden dabei auch gleich nach Qualitätsstufen sortiert.

Chemische Reaktion in den Teeblättern

b_450_450_16777215_00_images_turkey_blacksea_region_rize-1.jpgDer nun folgende Prozess, der landläufig mit Oxidation beschrieben wird, ist der entscheidende Vorgang um guten Tee zu erhalten. Mit Hilfe von künstlich erzeugter hoher Luftfeuchtigkeit bei exakt 22° Umgebungstemperatur wird den Blättern wieder Feuchtigkeit zugeführt. Dies ist notwendig um die gewünschten chemischen Reaktionen in den Teeblättern zu fördern. Langsam wird dabei auch die Temperatur in den Blättern höher, denn der Oxidationsprozess erzeugt Wärme. Hier gilt dann besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen, denn die maximale Höchsttemperatur vor dem „Verbrennen“ der Teeblätter beträgt nur 29° C. Um diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen wird ständig die Temperatur gemessen.
Einmal zu heiß geworden, verlieren die Teeblätter fast komplett ihr Aroma und werden somit unverkäuflich. 

Im letzten Schritt werden die Teeblätter wieder getrocknet. Je nach Sorte werden bei der maschinellen Trocknung unterschiedliche Zeitdauern aufgewendet: Ceylon benötigt etwa 20 Minuten bei 90° C während Assam mehr als doppelt solange braucht. Hierin ist unter anderem auch die Preisdifferenz begründet. Anschließend erfolgt sofortige Kühlung der Blätter.

Für exklusive Teesorten oder auch noch vereinzelt in einigen Teeplantagen werden kaum Maschinen eingesetzt, sondern alle Prozesse händisch durchgeführt. So geschieht hier das Welken des Tees ausschlieslich an der Sonne, das Rollen übernehmen Arbeitskräfte von Hand und der Oxidationsprozess findet in Teekörben, die meist aus Flechtmaterial bestehen, statt.

Interessant ist auch das je nach Volksgruppe unterschiedliche Verständnis des Begriffs Tee. In manchen Ländern sind damit ausschließlich Schwarztees gemeint, andere verstehen auch Kräutertees unter dem Sammelbegriff Tee und wieder andere kennen Tee nur in der Vermischung mit Softdrinks. Für die Türkei gelten grundsätzlich Schwarztees als Tee, hier cay genannt. In den touristischen Zentren findet man allerdings häufig auch Teekonzentrate wie Apfeltee (elma cay), der gern angeboten wird. Die ländliche Bevölkerung nutzt eine Vielzahl von Kräutern um nach deren Trocknung Tee herzustellen. Die Namen sind regionsabhängig unterschiedlich und werden in einem gesonderten Artikel vorgestellt.

Çaykur Teemuseum und botanischer Teegarten

b_450_450_16777215_00_images_turkey_blacksea_region_rize-tea.jpgÜber die Hälfte der Menschen, die in Rize leben, verdient ihren Lebensunterhalt durch den Teeanbau. Aufgrund der geeigneten Klimabedingungen wurde Rize mit einem jährlichen Anteil von fast 60 Prozent an der Gesamternte des Landes zum größten Teeanbaugebiet der Türkei. Im Winter bedeckt der Schnee die Pflanzen, wodurch  Schädlinge und Keime von ihnen fern gehalten werden. Im Sommer herrschen sehr regnerische Tage vor, was ebenfalls den Pflanzen zugute kommt. Der Tee ist das, was sofort mit der Stadt in Verbindung gebracht wird. Daher entschied man sich ein Teemuseum zu eröffnen. Es befindet sich im so genannten Teegarten und ist besonders bei den vielen Touristen beliebt. Es bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die ganze Stadt sowie auf die Teeplantagen. Es besteht die Möglichkeit verschiedene Teesorten wie Schwarzen oder Grünen Tee zu kosten und zu kaufen. Zudem wird man hier von dem Duft verschiedenster Blumen empfangen.

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