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Rundgang durch Wien und ein wenig Fiaker-Geschichte

  • Geschrieben von Portal Editor
Rundgang durch Wien und ein wenig Fiaker-Geschichte

Nach dem Spaziergang durch den Schlosspark Schönbrunn waren wir bis zur U-Bahn Station Hietzing gegangen und hatten ein Tages-Ticket für U-Bahn und Busse gezogen, da wir in der Innenstadt einige weitere touristische Ziele anzugehen gedachten.

Das Tages-Ticket ist zur Stadterkundung Wiens ein wirklich probates Mittel, da alle bedeutsamen Ziele einfach zu erreichen sind. Zeynep hatte auch eine Stadtführung für uns im Internet recherchiert, die "Wien zu Fuß entdecken" als Hauptmotto zum Ziel erkoren hat und häufig wechselnde Themenspaziergänge mit wirklich professionellen Stadtführern durchführt. So bieten die Wiener Stadtspaziergänge regelmäßig Führungen zu unterschiedlichsten Themen an - von der "Musikhauptstadt der Welt" über "Jugendstil und Jahrhundertwende" bis zu den "Wegen der Lust im alten Wien". Folgen Sie dem Link, um Ihr Hauptinteresse zu entdecken. So hatten wir uns um 15.00 in der Webgasse mit anderen internationalen Interessenten getroffen, um an einer dieser Wienspaziergänge teilzunehmen.

Unterwegs waren uns neben manchmal kuriosen Fahrzeugen natürlich die vielen historisch bedeutsamen Gebäude des 18. und 19. Jahrhunderts aufgefallen, die von unserer Stadtführerin sachkundig beschrieben und in ihrer Funktion erklärt wurden. Allerdings hatten wir bereits im Vorfeld des Wienbesuchs auch die verschiedenen Ansichten zu den bei Touristen so beliebten Fiaker-Touren gelesen, so das wir über die Zahl der Kutschen mehr als nur überrascht waren. Zumal der Kutschendienst im Winter als weitestgehend eingestellt beschrieben wurde.

Als Fiaker wird in Wien sowohl eine zweispännige Kutsche bezeichnet, die von Gästen zur Stadtrundfahrt angemietet werden kann, als auch deren Kutscher selbst. In Wien wurde bereits im Jahr 1693 die erste Lizenz für einen Fiaker erteilt. Um 1700 gab es in Wien ungefähr 700 Fiaker. In der besten Zeit von 1860 bis 1900 waren es über 1000 Wagen.

Fiaker stellen heute eine beliebte, aber nicht widerspruchslose Touristenattraktion dar und bieten von mehreren Standplätzen aus meist Rundfahrten im Bereich der Wiener Altstadt an. Am Wiener Zentralfriedhof wird ebenfalls eine Rundfahrt angeboten. 2008 gab es 144 Fiaker, wovon die eine Hälfte an geraden, die andere an ungeraden Tagen Touren anbieten. Viele dieser Pferdekutschen sind mittlerweile über 100 Jahre alt und werden in den Wintermonaten aufwendig restauriert. Standplätze befinden sich am Stephansplatz, Heldenplatz, Michaelerplatz und Petersplatz sowie beim Burgtheater und bei der Albertina hinter der Wiener Staatsoper. Die Preise für Rundfahrten unterschiedlicher Länge werden von der Stadt Wien festgesetzt.

Die Verunreinigung der Wiener Innenstadt durch Pferdeäpfel der umherfahrenden Fiaker und die dadurch gegebene Geruchsbelästigung führten dazu, dass den Wiener Fiakerpferden zum 1. Juli 2004 per Landesgesetz Pooh-Bags verordnet wurden. Diese Regelung ist unter den Fiakern umstritten, andererseits ist bei Missachtung eine hohe Geldstrafe vorgesehen. Zudem kam die Stadtverwaltung 2007 zum Schluss, dass die eisernen Hufeisen das Straßenpflaster stärker abnutzen als Autos und Lastwagen, was zu Sanierungskosten von rund sechs Millionen Euro geführt habe, und verordnete den Tieren deshalb probeweise Kunststoff-Hufeisen.

Tierschutzorganisationen kritisieren die Bedingungen, unter denen Fiakerpferde eingesetzt werden und ihre Unterbringung während arbeitsfreier Zeiten. Pferde würden als Fluchttiere im Straßenverkehr zu sehr gestresst und hätten auch keine geeigneten Bewegungsmöglichkeiten. Darüber hinaus sollte Pferden permanent Futter und Wasser zur Verfügung stehen, um Koliken zu vermeiden, die unter Umständen zum Tod der Pferde führen können. Dies ist beim Fiaker-Betrieb nicht gewährleistet und gefährdet die Rentabilität.

Jedes Jahr gibt es Medienberichte mit in der Hitze kollabierten Pferden. Seit Jahren gibt es Diskussionen um Schattendächer für Pferde, diese wurden noch nicht umgesetzt. Die Stadt Wien hat ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Fiakerpferden erlassen, mit dem nicht nur der Zustand der Pferde kontrolliert werden soll, sondern auch eine eventuelle Alkoholisierung der Kutscher. Mit einer Gesetzesnovelle vom Herbst 2011 müssen Fiaker mit Nummerntafeln und Fahrtenbüchern versehen werden. Fahrten, Fütterungen sowie Ruhepausen müssen in die Fahrtenbücher eingetragen werden. Die Nummerntafel hat den Zweck der schnelleren Identifizierung. Des Weiteren wird die Konzessionsprüfung verschärft.

Die Fiaker (in diesem Fall die Kutscher) waren oft stadtbekannte Originale. Angeblich wohnten früher besonders viele Fiaker im Fiakerdörfl beim Fiakerplatz im 3. Bezirk. Hier befindet sich auch das 1937 von Josef Engelhart geschaffene Fiakerdenkmal, das vermutlich den Fiaker Josef Schmutz (umgangssprachlich: Schuaster Fraunz) darstellt.

Wir konnten viele weitere Details von unserer wirklich motivierten Stadtführerin während des Stadtrundgangs erhalten, die gern auch Beispiele aus dem täglichen Leben in die historischen Erläuterungen einfließen lies, eine Empfehlung für jeden Wien Besucher. Wir ließen den Abend in der 18. Etage des Restaurant Cafes Le Loft im Sofitel ausklingen, deren Ausblick durch die Panoramafenster nur atemberaubend genannt werden kann; die Cocktails sind jeden Cent wert, aber auch die Wiener Kaffee Spezialitäten sind nicht zu verachten.

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