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Reise zum Nemrut im Südosten der Türkei

Reise in den Südosten der Türkei

Wie geplant fahren wir am „frühen“ Sonntagmorgen von Alanya aus ab. Man bemerkte den relativ frühen Abfahrtstermin an Gestiken und Äußerungen der Teilnehmer, doch trotz allem ist auch eine große Vorfreude und Spannung in den Gesichtern zu lesen.

Zunächst geht die Fahrt entlang der Küste bis Gazipasa, dem kleinen aufstrebenden Touristenort mit der schier „unendlichen“ Geschichte der Eröffnung eines internationalen Flughafens. Auch im Bus ist es schnell das überwiegende Gesprächsthema und führt zu einigen Diskussionen.

Kurz hinter Gazipasa schlängelt sich die Strasse wieder die Berge hinauf, immer entlang den Serpentinen der Küstenstrasse auf schier endloser Strecke, Kurve an Kurve, die den Gästen und vor allem dem Fahrer doch zu schaffen machen. Das Ziel ist Anamur mit seiner alten Ruinenstadt Anamurium. Hier ist Zeit für einen Aufenthalt zur Besichtigung der Ruinenstadt eingeplant und somit etwas Entspannung vom ersten Teil der Wegstrecke. Gerne nutzen wir das angenehme, nicht zu heiße Wetter zu einem ausgedehnten Rundgang durch die wirklich imposante antike Stadtanlage.

Nach einer Stunde wird die Fahrt zur Festungsanlage der Kreuzritter, der Mamelucken-Burg Mamure Kalesi, fortgesetzt, die wohl aufgrund von Kaiser Barbarossa, der hier bis zu seinem letzten Kreuzzug jeweils Station machte, besonders bekannt wurde. Auch hier ist Zeit für eine ausgedehnte Besichtigung eingeplant und wird bis zum Mittagstisch gegenüber der Festung reichlich genutzt. Vorbereitet wurde das Mittagessen Saç Kavurma (Fleisch und Gemüse auf Metallteller gegrillt) bereits nach telefonischer Bestellung, so das die hungrigen Mäuler schnell versorgt wurden. Einfach lecker…….

Nach einigen weiteren Kilometern folgen dann erneut die Serpentinen entlang der Küste, begleitet von duftenden Kiefernwäldern bis hinunter nach Silifke, dem heutigen Zielort. Die Unterbringung erfolgt im Hotel Kilikya, das direkt an der Strandpromenade liegt und einen herrlichen Blick auf die Burganlage Mädchenburg ermöglicht. Es ist noch früher Nachmittag, so das nach dem Einchecken im Hotel Zeit genug ist, um einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen. Nach dem Essen im Hotel treffen wir am Strandcafe mit den anderen Reiseteilnehmern aus Kızkalesi zusammen. Hier wird der weitere Fahrtablauf besprochen, weitere Details zur Reise ausgetauscht und nach einem kleinen Umtrunk der Abend abgeschlossen.

Um 7.30 Uhr geht es am nächsten Morgen dann zunächst nach Tarsus, wo die Besichtigung des Kleopatra Tores und der Quelle des Heiligen Paulus ansteht. Wir sind hier etwas enttäuscht, haben uns wohl etwas „mehr“ vorgestellt. Egal, also geht es schnell weiter bis Maras, unserem nächsten Stopp. Da sich auch der Hunger wieder meldet, finden wir schnell ein wirklich tolles Restaurant am Stadtrand, das uns schon an der Hauptstrasse mit zwei auf dem Motorrad wartenden Kellnern empfängt. Zügig wird auch hier wieder ein vorbereitetes Essen serviert, das aus verschiedenen Fleischspießen besteht. Auch sehr lecker mit vielen Extras. Anschließend steht die Besichtigung des bekannten Kupfer und Schmiedebasars von Maras auf dem Programm und es zeigt sich schnell, das dies ein absolut lohnenswerter Stopp ist. Schnell sind einige erste Einkäufe gemacht, die vom kleinen Ayranbecher aus Kupfer bis zum Küchendurchschlag für Nudeln und Salat reichen. Auch einige der für den Ort bekannten Früchte wie Pistazien und ummantelte Walnüsse wechseln schnell die Besitzer. Lecker und günstig. Am Ortsausgang gibt es einen weiteren Stopp für das bekannte Maras Eis, ob in der Waffel oder im Becher, ein absolutes Muss……..

Da es noch eine weite Strecke bis nach Katha ist, setzen wir die Fahrt umgehend fort. Gegen 20.00 treffen wir am Hotel ein. Man erwartet uns bereits mit einem Abendessen. Schon wenig später geht es auf die Zimmer, da es nur eine kurze Nacht sein wird. Um den Sonnenaufgang am Berg Nemrut zu erleben, ist es notwendig, bereits um 3.00 Uhr morgens die Anfahrt zum Nemrut Berg zu beginnen. Mit kleineren Fahrzeugen geht es den Berg hinauf auf 2.000 Meter Höhe. Etwas Zeit verbringen wir in einer kleinen Teestube am Gipfel bevor es zu Fuß auf den Nemrut geht. Es ist anstrengend und man merkt das dünner werden der Luft schon recht deutlich. Rechtzeitig vor Sonnenaufgang sind wir am Gipfel angelangt, beeindruckt von den Figuren, dem riesigen Schotterberg der Grabanlage und der aufgehenden Sonne. Trotz klirrender Kälte, auf die wir allerdings gut vorbereitet sind, genießen wir in vollen Zügen. Ein einmaliges Erlebnis.

Während der Abfahrt gibt es einige weitere Anhaltepunkte an antiken Grabanlagen die weit verstreut in den Tälern zu finden sind bis wir zur bekannten Brücke Cendere kommen, einem beeindruckenden römischen Brückenbauwerk aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Gegen 9.30 Uhr sind wir zum Frühstück am Hotel zurück. Entlang des Euphrat Flusses geht dann die Fahrt Richtung Şanlıurfa. Am riesigen Staudamm des Projekts Atatürk erfolgt ein Zwischenstopp mit Teepause und wir bekommen erklärt von welch immenser Bedeutung dieses Projekt für die Landwirtschaft der Osttürkei geworden ist.

Am späten Nachmittag treffen wir an unserem Hotel in Şanlıurfa ein. Schon auf den ersten Blick zeigt sich das „Grand Urfa Hotel“ als ein modernes, sehr sauberes und gut geführtes Hotel im Stadtzentrum der ostanatolischen Stadt. Sehr überrascht sind wir von der Sauberkeit der Strassen und Parkanlagen. Es ist Zeit genug vorhanden, die Geburtsstätte Abrahams, die Ruinen der Burganlage mit ihren korinthischen Säulen sowie die großen Teichanlagen mit den „heiligen Karpfen“ zu besichtigen. Natürlich ist zu bemerken, das wir uns weit im Osten der Türkei befinden, hier ist eine der religiösen Hochburgen der Türkei. Unserer Gruppe begegnet man durchaus freundlich und mit großer Weltoffenheit. Auch der arabische Einfluss ist deutlich zu verspüren.

Dieser Einfluss wird noch deutlicher als wir am kommenden Tag Richtung Harran weiterfahren. Nur noch wenige Kilometer von der Syrischen Grenze entfernt, wird hier die Landschaft baumlos und karg, fast schon wüstenartig. Man verspürt allerdings auch hier noch die Auswirkung des Dammprojekts, denn lange Bewässerungskanäle begleiten uns auf den Weg. Einmal in Harran angekommen, werden wir sofort von einer großen Kinderschar empfangen, die uns ihren handgefertigten Schmuck anbieten und dabei recht nervend werden. Dies ändert sich schlagartig als uns der örtliche Reiseleiter, Sohn des Muhtars, empfängt und uns die Sehenswürdigkeiten erläutert. Auffällig sind in Harran besonders die Ziegelhäuser mit den konischen Dächern und natürlich die Ausgrabungsstätte der wohl ältesten Universität der Welt. Wir werden vom Sohn des Muhtars zum Tee in eines dieser Hausanlagen mit den trichterförmigen Dächern eingeladen und sind überrascht, wie angenehm kühl es in dem Lehmbauwerk ist.

Gegen Mittag fahren wir weiter Richtung Gaziantep, wo wir das kulturhistorische Museum besichtigen wollen. Die dort ausgestellten Mosaikreliefs von Fußböden und Wänden herrschaftlicher Wohnhäuser, von Kirchen und öffentlichen antiken Gebäuden rauben uns in ihrer Schönheit und Detailgenauigkeit den Atem. Etliche Quadratmeter groß bilden sie wahre Schätze aus der Vergangenheit, die vor den Fluten der Staudämme gerettet wurden oder bei sonstigen Ausgrabungen ans Licht gefördert wurden.

Gegen 17.00 Uhr geht es dann an die letzte Etappe zurück nach Kızkalesi, wo schon ein Abendessen auf die Gruppe wartet. Natürlich sind alle erschöpft von der anstrengenden, weiten Reise, jedoch auch sehr positiv gestimmt von den zahllosen Sehenswürdigkeiten, den wirklich imposanten Städten und der Gastfreundlichkeit der Menschen. Viele Eindrücke und Impressionen, die wohl erst in den nächsten Tagen voll zur Wirkung kommen werden.

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