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Tirana - Hauptstadt im Wandel zur Moderne

  • Geschrieben von Portal Editor
Tirana - Hauptstadt im Wandel zur Moderne

Tirana, die Hauptstadt Albaniens, liegt am Westfuß des Bergs Dajti am Übergang von der Küstenebene in eine hügelige Landschaft in Mittelalbanien. Bis zur Küste der Adria bei der Hafenstadt Durrës sind es nur etwa 30 Kilometer Luftlinie.

Und während Durrës auf eine imposante Historie und große Bedeutung schon zur Zeit der Römer zurück blicken kann, ist Tirana erst im letzten Jahrhundert zur heutigen Bedeutung als Hauptstadt Albaniens erwachsen. Und wie schnell sich dieser Wandeln noch immer vollzieht, konnten wir beim Durchfahren der Stadt mehrfach erleben. In faszinierender Erinnerung ist auch noch die Begeisterung Hunderttausender von Fußballfans auf den Straßen und Plätzen, als im letzten Jahr erstmals die Teilnahme an der Europameisterschaft gelang.

Im Süden und Westen wird Tirana von Hügeln umgeben, die mit dem Dajti einen grünen Gürtel um die Stadt bilden, was man auch nicht unbedingt erwartet. Nach Nordwesten öffnet sich eine etwa 40 Kilometer lange Ebene bis zur Meeresküste. Am nördlichen Stadtrand verläuft der gleichnamige Fluss Tirana, einer der Oberläufe des Flusses Ishëm. Einige Kilometer südlich fließt der Erzen an Tirana vorbei. Das Stadtzentrum wird vom Flüsschen Lana durchquert, das am Dajti entspringt. Die Umgebung der Hauptstadt ist von vielen kleinen, teils künstlichen Seen geprägt, Freizeitflächen für Bewohner und Besucher. Der wohl bekannteste ist der Tirana-See, auch Künstlicher See (Liqeni artificial) genannt. Er befindet sich im Großen Park (Parku i madh) am Südrand der Innenstadt und wurde bereits 1956 angelegt. Damals berechnete man für jeden einzelnen der damals rund 150.000 Einwohner acht Quadratmeter Parkgelände. Der See hat eine Fläche von 55 Hektar und wird zurzeit an seinem Südufer von neuen Siedlungen überbaut. Weitere Seen beziehungsweise Reservoirs sind der Farka-See östlich des Großen Parks, der Paskuqan-See zwischen Tirana und dem Vorort Kamza und der Kashar-See nordwestlich der Stadt beim gleichnamigen Ort an der Autobahn Tirana – Durrës. Gerade hier haben sich etliche Firmen neu angesiedelt.

Tirana war lange klein und unbedeutend geblieben, bis der Ort 1920 auf dem Kongress von Lushnja zur Hauptstadt Albaniens bestimmt wurde. Darauf wurde aus einem Ort mit wenigen tausend Einwohnern schnell die größte und bedeutendste Stadt des Landes. Der damalige König Zogu ließ sich hier seinen Palast erbauen und mit italienischer Hilfe wurden Ministerien und eine Prachtstraße angelegt. Durch städtebauliche Maßnahmen entstanden erste moderne Strukturen, unter anderem der nach dem albanischen Fürsten und Volkshelden Skanderbeg benannte Zentralplatz.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Albanien von den italienischen Faschisten besetzt. Im November 1941 baute Enver Hoxha in Tirana die Kommunistische Partei Albaniens auf  und Tirana wurde zum Zentrum der albanischen Kommunisten. Sie warben bei der Bevölkerung, gegen die italienischen Faschisten und die deutschen Nazis zu kämpfen. Die Stadt wurde nach einem schweren, mehrere Tage dauernden Kampf zwischen den Partisanen und der Wehrmacht, bei dem zahlreiche historische Gebäude zerstört wurden, am 17. November 1944 wurde Tirana von der Besatzung befreit. Wenige Tage später, am 29. November 1944, rief Hoxha in Tirana die Unabhängigkeit Albaniens aus.

In der Zeit der kommunistischen Herrschaft entwickelte sich die Stadt zunächst rasant: Sozialistische Wohnsiedlungen und Fabriken – insbesondere Nahrungsmittel- und Maschinenfabriken – wurden errichtet. Daneben setzte die kommunistische Führung auch den kulturellen Ausbau der Hauptstadt fort und errichtete zahlreiche Bildungseinrichtungen und Kulturzentren wie das Opernhaus, mehrere Museen, das Filmstudio und einige Theater. Die Universität Tirana wurde im Jahr 1956 gegründet. Um das Zentrum der Stadt neu gestalten zu können, wurden in den 60er- und 80er-Jahren allerdings auch zahlreiche historische Gebäude zerstört.

Am 20. Februar 1991 stürzten Demonstranten die überlebensgroße Statue von Enver Hoxha auf dem Skanderbeg-Platz, womit wurde das Ende der kommunistischen Herrschaft eingeleitet wurde. Albanien begann sich allmählich politisch und gesellschaftlich zu öffnen und zu demokratisieren. Im März 1997 wurde Albanien nochmals von Unruhen erschüttert. Ausländer mussten ausgeflogen werden, wie zum Beispiel in der Operation Libelle auch durch die Bundeswehr.

Nach der Demokratisierung änderte sich das Stadtbild schnell. Überall wurden illegal Gebäude errichtet, vor allem Richtung Nordwesten. Viele Bewohner der Landregionen ließen sich am Stadtrand nieder. Im Stadtzentrum dagegen entstanden Läden, Cafés und Restaurants. Ab 1999 wurden die illegalen Bauten im Stadtzentrum abgerissen und die Grünanlagen wiederhergestellt.

Im 21. Jahrhundert erlebte Tirana einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zahlreiche moderne Hochhäuser sind entstanden. Der Großteil der Straßen wurde neu asphaltiert und beschriftet. Viele Bäume wurden gepflanzt und Parks eingerichtet. Ein Stadt- und Ordnungsplan wurde fertig gestellt. Ein Kanalisationsprojekt wird von einer japanischen Firma verwirklicht und große Teile der Stadt wurden gesäubert. Internationale Firmen und Läden eröffneten Niederlassungen. Der öffentliche Verkehr wurde teilweise ausgebaut und neue Stadtbusse sind erworben worden. Auch ein Adressensystem wurde realisiert.

Tirana ist Standort der größten Museen, Kunstgalerien und anderer kultureller Einrichtungen des Landes. Unter den zahlreichen Institutionen sind der Kongresspalast und der Kulturpalast, in dem sich das staatliche Opern- und Balletttheater und die Nationalbibliothek befinden. Zentral gelegen sind auch das Historische Nationalmuseum, das Archäologische Nationalmuseum, das Internationale Zentrum für albanische Archäologie, die Nationale Kunstgalerie, die Ausstellung der Volkskultur, das Museum der Naturwissenschaften und das Museum der Streitkräfte.

Konnten wir Ihr Interesse zumindest ein wenig wecken?

Tirana ist zu einer weltoffenen, interessanten Stadt geworden, Gastfreundschaft wird hier, wie in vielen südlichen Ländern als hohes Gut angesehen und praktiziert. Auch mit der  eigenen Vergangenheit wird offen umgegangen, so gibt es etwa einen Rundgang entlang der verbliebenen Überreste der kommunistischen Diktatur Enver Hoxhas. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten.

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