Steinburg – Zu renovierendes Schloss in herrlicher Landschaft

Steinburg – Zu renovierendes Schloss in herrlicher Landschaft

Steinburg – Erste Sonnenstrahlen im März hatte uns auch die Fahrräder wieder herrichten lassen und so sollte es auch noch auf eine kleine Erkundungstour in die Umgebung gehen.

So hatten wir mehrfach schon von der Kirchenruine im Ortskern von Steinburg gehört, auch dass die Schlossanlage zur Renovierung ansteht. Bei unserer Ankunft waren wir dann völlig überrascht, auch eine herrliche Parkanlage unterhalb des Schlosses vorzufinden, die gar auch noch einen kleinen Stausee mit einer Rastmöglichkeit barg. Nach Umrundung des Sees und kleiner Pause, nutzten wir die Beschilderung auch zur Bestimmung der weiteren Route, die uns relativ steil ansteigend durch den Wald bis nach Bad Bibra bringen sollte. Eine erste Ausfahrt von ca. 26 Kilometern mit den heißgeliebten Rädern war vollbracht. Aber nun zu den Details in Steinburg.

Steinburg - Kirchenruine und Schlossanlage auf einem Felsdorn

steinburg schloss kirche 01Der Ortsname Steinburg, die allgemeine Lage des Ortes sowie die Existenz des Schlosses verraten, das die gesamte Siedlung aus einer älteren Befestigungsanlage erwachsen ist. Über ihr Gründungsjahr und den Erbauer ist kaum etwas überliefert. Die Burg wurde erstmals im Jahr 1306 in Verbindung mit einem Heinrich von Steinburg erwähnt, der ein Vasall der Grafen von Rabenswalde war, die den Burgbau um 1300 veranlasst hatten. 1349/50 war sie im Besitz des Johann von Steinburg, Lehnsnehmer des Markgrafen Friedrich des Strengen. 1360 erscheint ein Ritter Luthulf Marschall auf der Steinburg. 1426 werden die Edlen von Querfurt, Hans und Brun, mit der Steinburg belehnt. Es folgten die Familien Koller (1438 bis 1570), von Miltitz und von Selmnitz (1597 bis 1686). 1597 wurde die Burg durch einen Brand zerstört. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges kam es zu weiteren Schäden und Plünderungen, 1644 galt die Burg als wüst.

steinburg schloss kirche 051686 verkaufte Ernst Friedemann von Selmnitz das Gut an seinen Schwiegersohn Gerlach Heino von Münchhausen. Dieser setzte die Burg wieder instand. 1710 erbte den Besitz sein Sohn Philipp Adolph von Münchhausen. Die Familie von Münchhausen legte auch den Park an und verblieb in Steinburg bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945. Der Steinburger Linie der Familie gehörte ab 1764 auch das Gut Bettensen bei Hannover. Nach der Bodenreform war die Burg 1947 Kinderheim, Ferienheim der Caritas und später Schulungsheim der Gesellschaft für Sport und Technik. Ab 1971 nutzte die Martin-Luther-Universität Halle sie als Kinderferienlager. Seit 1997 war sie wieder in privater Hand, stand aber leer. Zur Zeit unseres Besuchs fanden wir die gesamte Fassade eingerüstet vor, war auf eine Restaurierung schließen lässt.

Vorgeschichte zur Burg, auch wenn nur wenig bekannt ist

steinburg schloss kirche 08Einst erstreckte sich Vorburg und Burg auf einem nach Osten vorspringenden Höhenrücken. Hiervon sind keine nennenswerten Baureste erhalten geblieben. Beide Teile wurden durch einen Graben voneinander getrennt. Das Gelände der Vorburg ist heute zum größten Teil von Häusern des Dorfes bebaut. Der Ort selbst war durch einen Wall geschützt, der im Norden noch zu erkennen ist.

Es wird angenommen, dass der Ursprungsbau zu einer der zahlreichen Grenzburgen der Karolinger gehört haben könnte, welche die Grenzen des Reichsterritoriums sicherten. Die Herren von Münchhausen ließen eine barocke Schlossanlage auf hufeisenförmigem Grundriss errichten. Spätere Umbauten und Überformungen veränderten ihr einstiges Aussehen. Das eher nüchtern erscheinende Schloss zeigt heute deutliche Spuren baulicher Vernachlässigung. An der Fassade zum Park sind die Wappen des Gerlach Heino von Münchhausen und seiner Frau erkennbar. Im Inneren blieb ebenfalls nichts von der einstigen barocken Ausstattung erhalten.

steinburg schloss kirche 07Von der ursprünglichen Planung ist lediglich die Ausrichtung des Schlossparks erkennbar. Dieser fand 1728 als „Lustrosen- und Wallgarten“ Erwähnung und ist trotz fehlender fachgerechter Pflege immer noch reizvoll. Er umsäumt die gesamte Siedlung, betonnt den verträumten Charakter der Ortschaft und entfaltet am Schloss seine größte Kulisse. Seine heutige Form erhielt er im Jahr 1846 nach Plänen und unter Leitung des Weimarer Gartenarchitekten Eduard Petzold (1814 – 1891), davon berichtete er in seinen Lebenserinnerungen. So verschwand die barocke Gliederung der Anlage zugunsten eines ausgedehnten Parks. Petzold sah den Park und die Landschaft als Einheit und bezog auch das Dorf, die Kirche und die alte Ottenmühle, ehemals Schlossmühle, am Steinbach in seine Planung ein. Das Schloss im Zentrum des Gesamtensembles bietet noch heute einen reizvollen Fernblick. Die Neuentdeckung des Lebensgefühls und der Natur in der damaligen Zeit findet sich im Wechselspiel zwischen Landschaft und Architektur wieder.

steinburg schloss kirche 04Das heutige Steinburg erstreckt sich zunächst von einem kleinen west-östlich orientierten Bergsporn entlang zwei moderner Zufahrtsstraßen und dann auf dem Sporn selbst. Der Besucher findet ein beschauliches Dorf vor, das eine wohltuende Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

Seit Jahrtausenden nutzt, gestaltet und beeinflusst der Mensch die Natur. Etwas Neues entstand – unsere Kulturlandschaft. Sie verdeutlicht in anschaulicher Weise die Entwicklung der Region. Neben einer einzigartigen Fauna und Flora hat sich auf engem Raum eine so hohe Dichte an Monumenten und Landschaftselementen in weitgehend authentischer Form erhalten. Vieles ist erforscht und bekannt, doch noch immer gibt es die geheimnisvollen, sagenumwobenen und wenig erforschten Zeitzeugen, die unsere Vorfahren geschaffen haben. Sie zu erhalten und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, ist unser Anliegen.

Bitte lesen Sie auch:

Karawanken - Durch den Tunnel nach Slowenien

Porto – eine erste Erkundung der Stadt am Atlantik

Nachrichten

Unterwegs

Kultur

Geschichte

Leben | Outdoor