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Nach Vergina zu den makedonischen Königsgräbern

  • Geschrieben von Portal Editor
Vergina zu den makedonischen Königsgräbern

Einmal in Thessaloniki auf den Spuren der Römer unterwegs, gab es natürlich auch immer wieder Verweise auf die Vorgeschichte der Region, die unter Alexander dem Großen wohl ihren Höhepunkt hinsichtlich Ausweitung und Bedeutung, erleben durfte.

Kein Wunder also, das wir uns zumindest auch ein wenig mit vorrömischer Zeit beschäftigen wollten. So hatten wir vor einiger Zeit auch von den sensationellen Funden bei Vergina gehört, wo man im Rahmen von Ausgrabungen auf fast unberührte Königsgräber gestoßen war, die aufgrund der Grabbeigaben eindeutig zuzuordnen waren.

Folglich verließen wir unseren Camperplatz bei Zampetas um uns in Richtung Vergina zu begeben. Die Ausgrabungsstätte bei Vergina ist vermutlich identisch mit der antiken Stadt Aigai, die bis 410 v. Chr. Hauptstadt des Königreichs Makedonien war. Erst danach wurde Pella Hauptstadt des Königreichs. Auch später noch diente der Ort Aigai als Begräbnisstätte der makedonischen Könige.

Die Ausgrabungen der hellenistischen Stätten begann 1861 unter dem französischen Archäologen Leon Heuzey und dauern bis heute an. So waren wir zunächst etwas enttäuscht, als wir die Ausgrabungsstätten der Ruinenstadt Aigai selbst nicht betreten konnten, um die zur Stadt gehörenden Heiligtümer und das Theater, das in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. erbaut worden war, zu besichtigen. Ein kurzes Gespräch mit dort anwesenden Archäologen ergab, dass die Stadt wohl in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. stark zerstört worden war.

Die Überreste des Palastes liegen an den Hängen des Pieria-Gebirges. Das Gebäude selbst maß 104,5 × 88,5 m und besaß einen quadratischen Innenhof mit 44,5 Metern Seitenlänge, der von einem riesigen Säulengang umgrenzt war. An den Säulengang schlossen sich unterschiedlich große Räume an. Zusätzlich besaß der Palast, der auf der Ostseite wahrscheinlich zweigeschossig war, eine Terrasse, die sich zum Aliakmonas-Tal hin öffnete. Datiert wird der Palast in das 3. Viertel des 4. Jahrhunderts v. Chr. und wurde möglicherweise noch vor der Eroberung Makedoniens durch die Römer 168 v. Chr. zerstört.

Im Jahr 1977 entdeckte Manolis Andronikos dann die von Grabräubern völlig unberührten, reich ausgestatteten Gräber der Könige des Königreichs Makedonien unter einem großen Tumulus. In der Umgebung von Vergina befinden sich neun Kammergräber aus makedonischer Zeit. Der Grabhügel mit dem so genannten Philipp-Grab und die weiteren Gräber sind inzwischen in einen unterirdischen Museumsbau integriert, der auch die zahlreichen Grabbeigaben präsentiert.

Durch einen modern gestalteten, parkähnlichen Eingang gelangt man zum Großen Tumulus und damit zum Eingang des Museums, in dem vier Grabstellen mit einem Durchmesser von damals 110 m und einer Höhe von über 12 m liegen. Drei Gräber sind reich bemalt und mit vielen Grabbeigaben versehen, das vierte war stark zerstört und ausgeraubt entdeckt worden.

Das größte Grab des Tumulus ist das so genannte Grab des Philipp II. Es ist in eine Vor- und Hauptkammer eingeteilt und besitzt eine Fassade mit ionischen Säulen, Pilastern und einem farbig bemalten Fries. Die Grabbeigaben des Philipp-Grabes sind sehr umfangreich. Sowohl in der Vorkammer als auch in der Hauptkammer befand sich unter anderem eine goldene Larnax, die mit einem Stern verziert war, dem so genannten Stern von Vergina. Die Larnax in der Hauptkammer enthielt einen goldenen Eichenkranz und, ehemals eingewickelt in einem Purpurtuch, die verbrannten Gebeine eines Mannes. Die Gebeine werden Philipp II., Vater von Alexander des Großen, zugeschrieben. Bei der Untersuchung der Skelettreste wurde durch den britischen Anthropologen Jonathan H. Musgrave eine verheilte Knochenwunde am rechten Auge festgestellt. Da überliefert wird, dass Philipp II. sein rechtes Auge bei der Schlacht von Methone 355/4 v. Chr. verlor, ist mit diesem Befund die Zugehörigkeit des Makedonenkönigs zu diesem Grab erklärt worden. Jedoch gilt dieser Zusammenhang als nicht zu 100% gesichert. Andere weisen darauf hin, dass mit der Datierung des Grabes an sich eher Philipp III. Arrhidaios (352–317 v. Chr.), Halbbruder und Nachfolger Alexander des Großen, als Grabinhaber wahrscheinlich ist.

Der Goldene Larnax (Chrysi Larnaka) mit dem Stern von Vergina, ein sechzehnstrahliges Sonnensymbol, auf der Oberseite enthält also vermutlich die sterblichen Überreste des Königs Philipp II. von Makedonien, darüber schwebend ein goldener Eichenkranz. Früher war es in Thessalonikis Archäologischem Museum ausgestellt, seit 1997 befindet es sich am ursprünglichen Fundort in Vergina.

Die Gräber geben wichtige kulturgeschichtliche Hinweise auf die Selbstdarstellung der makedonischen Königsdynastie der Argeaden. Gegen die oft vertretene Meinung, Makedonien liege außerhalb des griechischen Kulturkreises, präsentiert sich die Königsfamilie in den Grabmälern als Griechen: Grabbeigaben zeigen Jagd- und Kriegsszenen sowie Symposien als Teil des griechischen Lebens des Königs; Waffen und sogar Gebrauchsgegenstände wie Weinmischer (der beweisen sollte, dass auch die makedonische Dynastie wie die Griechen den Wein nicht pur trank) sind als Reminiszenzen an das klassische Griechenland, Kremierung und Beisetzung der Asche an die Vorbilder der homerischen Epen zu werten.

Die Ausgrabungsstätten von Vergina zählen seit 1996 zum UNESCO Weltkulturerbe, ein Besuch lohnt sich allemal.

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