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Der Wasserfall von Edessa - Kurztrip in die Stadt

  • Geschrieben von Portal Editor
Der Wasserfall von Edessa

Zur Abstimmung von Detailfragen hinsichtlich unseres Projekts waren wir für zwei Tage nach Thessaloniki zum Camperplatz Zampetas gefahren.

Wohl wissend, das es dieses mal ein besonderer Aufenthalt in Griechenland werden könnte, zu eindeutig waren die Nachrichten mit den Bildern der Schlangen vor den ATM-Maschinen zum Abheben der 60,- € Tagesration. Und tatsächlich. Auch in den Restaurants, wo wir noch vor wenigen Tagen problemlos mit der Kreditkarte zahlen konnten, wurde jetzt ausnahmslos Bargeld verlangt. Wie weit reichend und störend die Konsequenzen aus den Streitigkeiten zwischen Griechenland und der EU hinsichtlich des für Griechenland so wichtigen Faktors Tourismus tatsächlich sind, mag sich kaum jemand wirklich vorstellen. Alle unsere Begegnungen und Gespräche verliefen trotzdem überaus freundlich und zuvorkommend, dies sei ausdrücklich angemerkt.

Zwischenstopp am Wasserfall von Edessa

Wir hatten uns für den Rückweg zum Ohridsee noch einen Kurzbesuch in Edessa vorgenommen, dessen Wasserfälle zu den größten auf dem gesamten Balkan zählen. Nicht ohne Grund wird Edessa die Stadt des Wassers genannt, wobei der Name der Stadt von einem phrygischen Wort abgeleitet wurde und „ein Schloss im Wasser“ oder „die Stadt auf dem Wasser“ bedeutet. Und ganz so muss es einmal in Edessa gewesen sein.

Das Wasserwerk Agras beendet Arbeiten am Wasserfall

Bis Ende des 14. Jahrhunderts sammelte sich das Wasser des gleichnamigen Flusses in einem kleinen See im Westen der Stadt. Nach einem Erdbeben oder einem sehr starken Unwetter ergoss sich das Wasser durch die Stadt bis zu dem Abgrund, an dem sich dann die heutigen Wasserfälle bildeten. Viele Besucher des 17. und 18. Jahrhunderts beschrieben die Stadt als ein hohes Felsenplatteau, von dem viele Wasserfälle hinunterstürzen. 1963 führten Bauarbeiten der griechischen Stromgesellschaft am Wasserkraftwerk Agras am Fluss Edessa westlich der Stadt dazu, dass die Wasserfälle zu versiegen drohten. Die Bürger von Edessa protestierten dagegen auf das heftigste und zwangen am 19. August 1963 durch die erheblichen Proteste zur Einstellung der Bauarbeiten.

Entwicklung der Wasserfälle von Edessa als touristische Attraktion

Heute sind die Wasserfälle von Edessa eine in ganz Griechenland und Europa einzigartige touristische Attraktion. Vom größten der beiden zu besichtigenden Wasserfälle, der liebevoll „Karanos“ genannt wird, stürzen die Wassermassen unter lautem Getöse und Entwicklung riesiger Gischtsäulen etwa 70 Meter in die Tiefe. Hinter dem Wasserfall sind eindrucksvoll Tropfsteine und Höhlengänge des früheren Verlaufs des Wassers zu erkennen. Eine Parklandschaft mit vielen attraktiven Angeboten umgibt das Gelände der Wasserfälle, so das sich allein hier ein Tagesaufenthalt lohnt.

Erste Hauptstadt des Königreichs Makedonien - Edessa

Allerdings trifft man in Edessa auch auf die Spuren verschiedener Kulturen, deren Hinterlassenschaften und Präsenz von der Antike über Byzanz bis zur christlichen Epoche reicht. Edessa war bis in das 6. Jahrhundert v. Chr. die erste Hauptstadt des Königreiches Makedonien. Die Überreste der antiken Stadt befinden sich nordöstlich der heutigen Stadt. Die Hauptstadt des Königreiches Makedonien wurde im weiteren Verlauf der Geschichte nach Vergina verlegt. Mit der makedonischen Niederlage gegen das römische Reich 168 v. Chr., in der Schlacht von Pydna, verliert Edessa wie auch der Rest Makedoniens seine Unabhängigkeit von Rom und 148 v. Chr. wird Edessa endgültig eine Stadt in der römischen Provinz Makedonien.

Edessa nach der Reichsteilung zu byzantinischer Zeit

Die römische Kontrolle bestand bis zur Reichsteilung 395 n. Chr; Edessa fiel im Rahmen dieser Reichsteilung an das byzantinische Reich. Dieses übte – nicht ohne Unterbrechungen – die Kontrolle über Edessa bis zum Ende des 14. Jahrhunderts aus. Im 9. Jahrhundert wurde die byzantinische Herrschaft vom ersten bulgarischen Großreich unterbrochen. 1204 wird Edessa nach dem Fall von Konstantinopel im vierten Kreuzzug Bestandteil des Königreich Thessaloniki. Spätestens 1225 endet diese Herrschaft eines lateinischen Königreiches durch den Fall von Thessaloniki nach dem Angriff des byzantinischen Nachfolgestaates Despotat von Epirus. Das Despotat kann die Kontrolle über Edessa bis 1259 ausüben; die Niederlage des Despotats Epirus gegen das Kaiserreich Nicäa bringt Edessa wieder unter byzantinische Kontrolle. Ende des 14. Jahrhunderts eroberten die Osmanen Edessa und hielten es anschließend bis 1912 besetzt. Während der osmanischen Zeit war der Name Vodena geläufiger, allerdings wurde auch weiterhin der Name Edessa benutzt.

Nach unserem Rundgang war eine Entscheidung definitiv gefallen: Bei der nächsten Anfahrt in Richtung Griechenland werden die Ruinen des antiken Edessa sicherlich auch einer unserer Zwischenzielort sein.

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