Göksel Gülensoy - Tauchen in der Hagia Sophia

Direktor Göksel Gülensoy

Mit der Hilfe seines Teams, das sich aus Tauchern und Speleologen zusammensetzte, hat Regisseur Göksel Gülensoy, der aufgrund der Dimensionen und der Architektur eine Passion für die Hagia Sophia pflegt, weitere bislang verborgene Geheimnisse aus der Tiefe ans Tageslicht gebracht.

1. Was ist für Sie das Besondere an der Hagia Sophia und warum wurde es zu Ihrer Passion?

Mein Interesse an der Hagia Sophia begann im Jahr 1994. Eines Tages nahm Herr Prof. Ihsan Tunay mich mit zur Hagia Sophia. Er war in der Lage mir einige der Mythen über die Hagia Sophia so außergewöhnlich spannend und aufschlussreich zu erzählen, das ich umgehend darüber nachzudenken begann, wie ich das Erlebte in einen Dokumentarfilm konvertieren könnte. Mein Interesse an Dokumentationen begann, als ich als Angestellter vom Kanal TRT arbeitete. Die Dokumentationen, die ich für den Kanal erstellte, wurden als Füllstoffe im Fernsehen genutzt.

2. Können Sie uns etwas über den Verlauf Ihres Projekts “Im Untergrund der Hagia Sophia” sagen?

Nach meiner Dokumentation 1994, die auf den Legenden zur Hagia Sophia basierte, verstärkte sich mein Interesse am Untergrund der Hagia Sophia enorm und ich begann meine Untersuchungen zu organisieren. Ich überzeugte meinen Freund Kutsi Akilli, der auch mein Drehbuchautor und Protokollant ist, von meiner Idee und wir vertieften die Untersuchungen weiter. Mühevoll trugen wir Genehmigungen zum Scannen tausender von Buchseiten zusammen die uns zur Einbindung in unser Drehbuch als wichtig erschienen. Dies waren sehr wichtige Genehmigungen, denn obgleich es bereits eine Vielzahl von Filmen im Zusammenhang mit der Hagia Sophia gab, war es das erste Mal das im Untergrund tauchend gefilmt wurde. Ob es nun Tunnel oder Zisternen geben würde …
Nach aufwendigem Prozedere erhielten wir die notwendigen Genehmigungen vom Kulturministerium. Umgehend begann ich mit der Organisation unseres Teams und ich musste mit den Besten in der Türkei arbeiten da unsere Tauchgenehmigung nur für einen einmaligen Tauchgang ausgestellt war. Der Luxus, Fehler zu machen und zu wiederholen war mir deshalb aus der Hand genommen worden. Ich musste einen perfekten Job tun. 
Levent Karataş (CMAS) übernahm die Verantwortung zur Koordinierung der Operationen Unterwasser und Höhlen. Ercüment Atak, der in Griechenland lebt, wurde mein Filmdirektor. Im ersten Teil unseres Projekts 1998 tauchten wir in die Wasser Reservoirs. Das Filmen war ein voller Erfolg. Obwohl es niemand in der Hagia Sophia von uns verlangte, haben sich alle Teammitglieder, so auch ich, ob Taucher oder andere Mitglieder freiwillig Röntgen Untersuchungen in einer mobilen Röntgenstation unterzogen, damit überhaupt niemand auch nur auf den Gedanken käme, wir hätten irgend etwas aus der Tiefe mitgebracht.
Im zweiten Teil des Projekts tauchten wir in die Tunnel. Wir hatten auch hier beim Filmen einige Schwierigkeiten zu überwinden. Gefahren wie Gas Leckstellen, Bruchstellen und Erdrutsche erwarteten mich und mein Team. Krankenwagen und ambulante Helfer waren aber immer zugegen und hätten rechtzeitig helfen können. Gott sei Dank haben wir diese Helfer nicht benötigt aber wir mussten Vorsicht walten lassen.

3. Ernten Sie die Früchte Ihrer enthüllenden Bemühungen um die Geheimnisse der Hagia Sophia?

In der Türkei genießen wir Dokumentarfilmer kaum die Aufmerksamkeit der Menschen. Wir bitten um Unterstützung aber unglücklicherweise finden wir sie kaum. Bisher hat niemand mir für meine Dokumentationen finanzielle Unterstützung angeboten. Dies ist wirklich unbefriedigend… Als Ergebnis unserer hingebungsvollen Arbeit, für die wir schließlich alles tun gibt es, wenn überhaupt, eine Danksagung zum Himmel. Ich wünschte mir oft, ich könnte mein Leben so gestalten um von Dokumentationen zu leben. Aus diesen Gründen werden wir auf dieser Welt nie die Früchte unserer Arbeit genießen, aber vielleicht genießen wir die Mühen unserer Arbeit ja in einer anderen Welt.

4. Welche unbekannte Seite der Hagia Sophia stellen Sie uns in Ihrer Dokumentation vor?

Lassen Sie es mich so sagen. Mit meinen Untersuchungen habe ich die Geschichtsbücher verändert. Die Legenden über die Quellen und Gänge, über die so viel geschrieben und die so oft in den legendären Büchern erwähnt werden und die angeblich zur Basilika Zisterne und zu den Inseln führen sollen, sind jetzt ohne Bedeutung. Es gibt keine solchen Wege. Ich habe bewiesen, das diese Legenden nicht wahr sind.
Wir haben das Königsgrab erreicht, das so oft in neueren Publikationen erwähnt wird. Wir haben Knochen in diesen Gräbern gefunden, die sich als Kinderknochen herausstellten. Und wir stellen die Knochen dar. Ein russischer Entdecker hast einst Istanbul besucht und in seinen Publikationen geschrieben, das es einen Kinderfriedhof im Garten der Hagia Sophia geben soll. Angesichts dieser Publikationen denken wir, das der Kinderfriedhof zu St. Antihenos gehört. Dies sind die Gründe warum unsere Untersuchungen so wichtig sind.

5. Gab es etwas im Untergrund der Hagia Sophia, das Sie enttäuscht hat?

Ich war nicht wirklich enttäuscht. Im Gegenteil, eigentlich hat mich die Hagia Sophia eher überrascht. Sie hat mich eher begünstigt indem sie mir ein paar ihrer Geheimnisse aufgezeigt hat. Ich bin überzeugt, das es noch viel mehr zu zeigen gäbe… Liebe ist eine solche Sache. Sie erfordert Ruhe und Vertrauen. Ich habe diese Ruhe gezeigt und erhalte die Früchte meiner Arbeit.

6. Prof. Gerstenecker von der Technischen Universität in Darmstadt hat in einer seiner Publikationen geschrieben, das eine der nordwestlichen Säulen der Hagia Sophia immer nass ist (schwitzende Säule). Können Sie darüber etwas sagen?

Lassen Sie mich das aufklären. Ja, das stimmt; diese Säule ist immer nass. Der Grund ist eine Zisterne unterhalb der Marmorsäule, in der dann das Wasser kapillar bedingt aufsteigt und damit die Säule ständig feucht hält. So gibt es eigentlich nichts Geheimnisvolles darüber zu sagen. Ein interessanter Fall der Natur.

7. Man hat den Eindruck, das Ihre Liebe zur Hagia Sophia niemals endet; Ihr nächstes Projekt ist sicherlich schon in Ihrem Kopf, können Sie etwas darüber sagen?

Meine Liebe wird niemals enden, weil die Hagia Sophia zurück gibt. Meine Abenteuer in Ihrem Untergrund werden fortgesetzt und meine Idee ist eine Trilogie. Wir hatten unser Projekt als Dokumentarfilm geplant aber wir arbeiten hart daran, auch einen Kinofilm zu machen, den hoffentlich jeder sehen kann. Diese faszinierende Struktur, die zu den acht Wundern auf der Welt gehört, sollte erhalten, was ihr zusteht. Auch meine Arbeiten über den Sultanahmet Platz und den Topkapi Palast werden fortgesetzt. Schon in Kürze werde ich hierüber einen Dokumentarfilm machen.

Dokumentationen von Göksel Gülensoy

1992 - “Ayasofya” Hagia Sophia Dokumentarfilm, Produzent und Direktor
1997 - "Cennet Adası Kıbrıs" (Insel Paradise – Zypern) Dokumentarfilm, Spielfilmdirektor
2004 - „Atın Nal Sesleri” (Goldenes Hufeisen Stimme) Dokumentarfil, Film Direktor
2009 - “Ayasofya’nın Derinliklerinde” (In der Tiefe der Hagia Sophia), Dokumentarfilm, Produzent und Direktor

Meine liebe Hagia Sophia;

Wir begannen unseren Weg neu.... Du, in all deiner Pracht, stehst dort…. Du existierst und bist das Licht auf meinem Weg… Ich bin bei dir, möchte versuchen dich zu verbessern und höre auf dich… Meine erste Aufregung immer in mir, die Freude des Verstehens und dich zu entdecken…. Ich danke dir…. - Göksel Gülensoy

Copyright Alaturka.Info

Deutschland

Kultur

Leben | Outdoor