Die Weichsel - von der Handelsstrasse zum Fernradweg
Unseren Besuch in Warschau hatten wir in einem Restaurant an der Weichsel beendet, wo wir erneut auf eine kleine Ausstellung von Bernsteinen und Kartenausschnitte zur Bernsteinstraße stießen, die in Teilen entlang der Weichsel verlief.
Wir hatten über die Bernsteinstraße ja bereits in einem Artikel berichtet, so soll jetzt auch ein Artikel zur Weichsel erfolgen, mit seinen 1048 Kilometern immerhin der längste Fluss Polens und noch dazu ein weitgehend unregulierter und naturbelassener Strom.
Die Weichsel zur Zeit der Römer
Die ersten schriftlichen Erwähnungen der Weichsel sind etwas mehr als 2000 Jahre alt und stammen von römisch-antiken Autoren. Während der Antike verlief die Bernsteinstraße vom Römischen Reich über die Mährische Pforte und in Teilen entlang der Weichsel, an deren Mündung in die Ostsee der Bernsteinhandelsplatz Turso lag.
Der Gelehrte und Kartograph Pomponius Mela nannte im Jahr 44 nach Christus im dritten Buch der Chorographia die Vistula (der lateinische Name der Weichsel) als Grenze zwischen Germanien und Sarmatien. Plinius der Ältere nannte um 77 nach Christus in seiner Naturgeschichte ausdrücklich zwei Namen der Weichsel: „Visculus sive Vistla“. Der Vistla-Fluss floss demnach in das Mare Suebicum, die heutige Ostsee.
Plinius bezeichnete die Weichsel gleichfalls als den Grenzfluss zwischen dem germanischen und sarmatischen Einflussgebiet. Die zu seiner Zeit im Weichselgebiet lebenden Ostgermanen bezeichnete Plinius als Vandili (Vandalen) und nannte als Teilstämme Burgodiones (Burgunder), Varinnae, Charini und Gutones (Goten). Die Goten hatten sich erst im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende an der unteren und mittleren Weichsel angesiedelt, begannen aber schon um 200 n. Chr. wieder abzuwandern und sind ab dem 5. Jahrhundert nicht mehr dort nachzuweisen.
Abgesehen von den Wanderungsbewegungen änderten sich auch die Bezeichnungen: Tacitus bezeichnete in seiner Germania die östlich der Weichselmündung wohnenden Aesti oder Aisti als Germanen, wies aber darauf hin, dass sie eine dem Britischen (Keltisch) ähnelnde Sprache sprechen und unterschied sie von den Suebi.
Die Slawen besiedeln die Ufer der Weichsel
Ab dem 5./6. Jahrhundert nach Chr. sind slawische Siedlungen an der Weichsel nachgewiesen. Zwischen germanischer und slawischer Siedlungsperiode ist in diesen Gebieten ein erheblicher Abwanderungsverlust festzustellen. In der germanischen Schrifttradition sind die Weichselwälder, das heißt das Gebiet der Przeworsk-Kultur, die Heimat der Goten und anderer Germanen.
Als Jordanes im 6. Jahrhundert eine Chronik der Goten, Getica, erstellte, benannte er den Fluss Vistula. Er beschrieb ebenfalls zwei weitere Flüsse mit dem Namen Viscla. Dieser Name bezieht sich auf den Nebenfluss Wisłoka und den Nebenfluss des San, Wisłok.
Etwa im Jahre 850 n. Chr. wurden die meist östlich der Mündung der Weichsel wohnenden Prußen vom Bayerischen Geograph als „Bruz“ erwähnt.
Schon einer der ersten polnischen Chronisten Wincenty Kadłubek beschrieb die Weichsel als den Heimatort der Wandalen, von denen er die polnische Sage Wanda herleitete.
Weichsel - Nach 1000 Jahren wieder wichtige Handelsstraße
Im Hochmittelalter erlangte die Weichsel eine wichtige Rolle als Handelsstraße von Krakau nach Danzig. Der Weichselhandel wurde allerdings infolge der Besetzung Danzigs durch den Deutschen Orden im Jahr 1308 beeinträchtigt. Nach dem Zweiten Frieden von Thorn 1466 lag die Weichsel wieder vollständig auf polnischem Gebiet. Die mehr als 300 Jahre zwischen dem Thorner Frieden und der Ersten Polnischen Teilung 1772 gelten als Blütezeit des Weichselhandels und Danzigs als Handelsplatz, der Polen-Litauen mit den westeuropäischen Handelsnationen der Engländer und Holländer verband. Über die Weichsel und Danzig wurde das polnische Getreide nach Westeuropa exportiert, als Polen-Litauen die Kornkammer des Kontinents war, sowie Kolonialwaren aus Westeuropa importiert.
Ende des 18. Jahrhunderts fanden Weichsel und Warthe nach der dritten Teilung Polens als Freiheitssymbole Eingang in die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego.
Die Weichsel heute – ein Fernradweg am Ufer
Der rund 1200 Kilometer lange Weichselfernradweg entlang des Flusses von Wisła nach Danzig ist in Teilstücken fertig und wird weiter ausgebaut. Derzeit sind die Teilabschnitte von den Quellen bis Szczucin in den Woiwodschaften Schlesien und Kleinpolen sowie von Dobrzyń nad Wisłą bis Kwidzyn in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern fertig, was zusammen etwa die Hälfte der Strecke ausmacht.
Die Weichsel fließt durch zahlreiche Wälder, zum Beispiel durch den Sandomirer Urwald, sowie durch zahlreiche Naturschutzgebiete (Naturschutzgebiete befinden sich im Weichseltal, zum Beispiel das Naturschutzgebiet Zbocza Płutowskie sowie Schutzgebiete der Natur 2000, wie zum Beispiel die Wiśliska).
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