Antoni Gaudí – spanischer Architekt und Vertreter des Modernismus

Antoni Gaudí – spanischer Architekt und Vertreter des Modernismus
Antoni Gaudí – spanischer Architekt und Vertreter des Modernismus

Viele Jahre lang beschäftigen wir uns mit antiker Baukunst, haben dabei aber auch die Moderne nie vergessen, gerade auch in Hinsicht auf eines unserer immer wiederkehrenden Hauptthemen der Migration.

So hatten wir auch den österreichischen Architekten Clemens Holzmeister berichtet, der bereits vor der Regierungszeit der Nationalsozialisten in die Türkei ausgewandert war. Bis heute sind zahlreiche seiner Bauten wie die Stadtvilla von Atatürk, das Verteidigungsministerium, die Zentralbank, der Oberste Gerichtshof und das Parlamentsgebäude nur einige wenige seiner Bauwerke.

Nicht unerwähnt sein soll an dieser Stelle auch der bekannte Architekt Friedensreich Hundertwasser der als impulsiv auftretender Gegner der „geraden Linie“ und jeglicher Standardisierung und Typisierung im Umfeld bekannt wurde, was insbesondere bei seinen Arbeiten im Bereich der Baugestaltung und Architektur bis heute bedeutsam ist, so zeichnete sich Friedensreich Hundertwasser durch fantasievolle Lebendigkeit und Individualität aus.

Antoni Gaudi i Cornet - Architekt der katalanischen Bewegung des Modernisme.

gaudi architekt 01Die im Deutschen mit Modernismus bezeichnet Bewegung in der Architektur war eine kulturelle, künstlerische, literarische, architektonische und theologische Strömung, die vom späten 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts von zahlreichen Architekten umgesetzt wurde, nicht nur in der Architektur.

Der bewusste Bruch mit Traditionen und historisch überlieferten Formen zugunsten von Innovation, Experiment und neuer Ausdrucksweise war ein Ziel dieses Umbruchs.

Eine funktionale und oft auf das wesentliche reduzierte Bauweise (wie wir es beispielsweise in der Architektur des Bauhauses mit den Architekten Walter Gropius und Mies van der Rohe oder der Modernisme Català wiederfinden), die sich bewusst von historischen Ornamenten abwandte.

gaudi architekt 06Gaudis Kindheit war durch eine schwere rheumatische Erkrankung geprägt. Da er durch diese Erkrankung nicht mit anderen Kindern spielen konnte, sondern stattdessen lieber Natur und Umwelt beobachtete, lässt sich vielleicht daraus sein späterer naturgeprägter Architekturstil erklären.

In seiner Schulzeit auf der Schule der Piaristenpatres in Reus und auf der Architekturschule in Barcelona, wo er von 1873 bis 1878 studierte, war er nicht für besonders gute Ergebnisse bekannt, hob sich allerdings als hervorragender und kreativer Zeichner von den anderen Studenten ab. Als Gaudí am 15. März des Jahres 1878 den Abschluss an der Architekturschule erhielt, zweifelte der Direktor des Instituts Elies Rogent:

„Qui sap si hem donat el diploma a un boig o a un geni: el temps ens ho dirà.“

„Wer weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – nur die Zeit wird es uns sagen.“

gaudi architekt 03Schon von Beginn seines Studiums an arbeitete er für verschiedene Architekturbüros, unter anderem bei Francisco de Paula del Villar y Lozano, Josep Fontserè und Joan Martorell. Sein erstes großes Werk bestand in der Planung einer Fabrik und einer Arbeitersiedlung für die Sociedad Cooperativa La Obrera Mataronense (1878 bis 1882). Der Bau scheiterte allerdings schon in einem frühen Stadium. Im Jahr 1878 lernte Gaudí Eusebi Güell kennen, mit dessen finanzieller Hilfe er später bedeutende Werke wie die Güell-Pavillons, den Palau Güell, den Park Güell, die Bodegas Güell und die Krypta der Colònia Güell realisieren konnte.

Als spanischer Unternehmer, Mäzen und Politiker. profitierte Eusebi Güell von der industriellen Revolution in Katalonien im späten 19. Jahrhundert. Güell war im Rahmen einer kleineren Arbeit zur Pariser Weltausstellung 1878 auf Gaudí aufmerksam geworden. Beide verband eine lebenslange Freundschaft und eine geschäftliche Beziehung, außerdem eine tiefe Religiosität. Güell führte Gaudí in die höhere Gesellschaft der Stadt ein und vermittelte einige Aufträge, wenngleich die Mehrheit den Werken Gaudís zu diesem Zeitpunkt skeptisch gegenüberstand.

gaudi architekt 02Im März 1883 übernahm er die Leitung über den 1882 begonnenen Bau der Sagrada Família, dem er sich von 1914 bis 1926 vollständig widmete. Gaudí verwendete für die Konstruktion der tragenden Strukturen häufig das Prinzip der Hängemodelle. Durch dieses Prinzip konnte er auch komplizierte Formen ohne aufwendige Berechnungen mit einem minimalen Materialeinsatz realisieren, da in den Gewölben nur Druckkräfte auftreten. Diese Bauform wird auch als katalanisches Gewölbe bezeichnet. Die von Gaudí verwendeten Bögen basieren auf dem Prinzip einer auf den Kopf gestellten Kettenlinie (Katenoide), die für die Turmbauten als Rotationskatenoid ausgeführt sind und einem elliptischen oder in sattelförmigen Gewölben einem hyperbolischen Paraboloid ähneln.

Gaudís Lebenswerk wurde die Kirche Sagrada Família in Barcelona. Er arbeitete an ihr annähernd seit Beginn seiner Tätigkeit als Architekt. Heute ist die Kirche, obwohl immer noch unvollendet, das bekannteste der Wahrzeichen Barcelonas. Am 7. November 2010 wurde sie von Papst Benedikt XVI. geweiht und zur päpstlichen Basilica minor erhoben.

1884 erfolgte der erste Auftrag zur Errichtung einiger Pavillons sowie einer Umfriedungsmauer samt Eingangstor auf der Finca Güell. Bereits zwei Jahre später begann der Bau des Palau Güell, des neuen Stadtpalastes der Familie Güell in Barcelona.

gaudi architekt guell park 05Das Ensemble Bodegas Güell wurde zwischen 1895 und 1901 unter der Leitung von Francesc Berenguer, Assistent von Gaudí, ausgeführt und gehörte zu den Avantgardegebäuden der Weinarchitektur.

Güell beauftragte Gaudí 1898 mit dem Bau einer Kirche für seine Arbeitersiedlung, die Colònia Güell in Santa Coloma de Cervelló in der Nähe von Barcelona. Die Kirche blieb nach langer Planungsphase und anhaltenden technischen Problemen unvollendet. Errichtet wurden lediglich die Krypta und der Portikus.

1900 begann Gaudí mit dem Bau des Park Güell. Ursprünglich plante Güell den Bau einer Gartenstadt, die für gehobene Ansprüche gedacht war. Sie wurde aber als solche nie vollständig realisiert, da es zu wenige Interessenten für die geplanten 60 Villen gab. Heute ist es der bekannteste Park der Stadt und eine Touristenattraktion.

gaudi architekt 04In den Jahren von 1904 bis 1906 gestaltete er die Casa Batlló neu. 1906 starb Gaudís Vater Francesc Gaudí i Serra im Alter von 93 Jahren. Gaudís letzte große Werke waren der bereits erwähnte Park Güell, die Krypta der Colònia Güell und der Neubau der Casa Milà, auch als „La Pedrera“ bekannt.

Am 7. Juni 1926 wurde Gaudí auf dem Weg vom allmorgendlichen Besuch im Oratorium des heiligen Philipp Neri zur Baustelle der Sagrada Família von einer Straßenbahn erfasst und blieb bewusstlos liegen. Da er keine Ausweispapiere mit sich führte, wurde er wegen seines verwahrlosten Äußeren zunächst für einen Bettler gehalten und nicht angemessen notfallmedizinisch versorgt. Erst nach einigen Stunden ließ ihn ein Polizist mit dem Taxi in das Armenhospital Hospital de la Santa Creu bringen. Erst drei Tage später fanden ihn dort sein Freund und engster Mitarbeiter Domènec Sugrañes und der Kaplan der Sagrada Família, Msgr. Gil Parés. Sie ließen Gaudí daraufhin in ein Privatzimmer verlegen. Am 10. Juni 1926, drei Tage nach dem Unfall, verstarb Gaudí.

Die ganze Stadt war in tiefer Trauer. Tausende gaben Gaudí die letzte Ehre. Die Regierung ordnete seine Beisetzung in der Krypta der noch unvollendeten Kirche La Sagrada Família an, wozu Papst Pius XI. seine Einwilligung gab. Antoni Gaudí fand seine letzte Ruhe dort, wo er die längste Zeit seines Lebens gearbeitet hatte, in der Sagrada Família  

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